Zweifeldhalle: Claußnitz einigt sich mit Kirche über Grundstück

Bei Vermessungsarbeiten hat sich herausgestellt, dass eine Gemeinde- Fläche viel kleiner ist als angenommen. Jetzt gibt es eine Lösung. Aber gebaut werden darf trotzdem noch nicht.

Claußnitz.

Der Schreck war groß: Die Baubehörde im Landratsamt Mittelsachsen hatte festgestellt, dass in den Plänen zum Neubau einer Sporthalle in Claußnitz die Abstandsflächen nicht eingehalten werden. Deshalb wurde das gemeindeeigene Grundstück neu vermessen. Ergebnis: Nicht nur die Abstandsfläche sondern auch ein Teil der geplanten Zweifeld-Sporthalle liegt auf Land des sogenannten Pfarrlehns, vertreten durch den Vorstand der Evangelisch-lutherischen Kirche. 1994 sei das Grundstück falsch vermessen worden, hieß es.

Solange das Grundstücksproblem nicht geklärt ist, gibt es keine Baugenehmigung. "Deshalb haben wir uns mit der Kirche geeinigt", sagte Bürgermeister Günter Hermsdorf (CDU). Ein Grundstückstausch wurde vereinbart. Demnach wurde vorgeschlagen, dass eine rund 3400 Quadratmeter große Fläche, die der Kirche gehört, mit einer etwa gleich großen Flächen der Gemeinde getauscht wird. Auf dem Kirchengelände befindet sich ein Großteil der Oberschule und wäre die östliche Ecke der geplanten Sporthalle gewesen, erläuterte Hermsdorf.

Das Landeskirchenamt habe diesem Tausch zugestimmt. "Ich bin froh über diese Lösung", sagte Hermsdorf zur Gemeinderatssitzung am Montagabend. Doch mit dem Flächentausch steht die Oberschule dann komplett auf Kirchenland. Deshalb hat die Gemeinde mit dieser Neuordnung noch eine Bausünde aus DDR-Zeiten behoben, hieß es.

Denn als die Schule 1980 als Polytechnische Oberschule "Maxim Gorki" gebaut wurde, hätten Grundstücksfragen keine Rolle gespielt. Privateigentum sei nicht wichtig gewesen. Doch aus heutiger Sicht ergibt sich allein vor dem Hintergrund der Bauaufsicht die Notwendigkeit einer Klärung der Lage- und Rechtsverhältnisse, sagte auch Matthias Oelke, Sprecher des Evangelisch-lutherischen Kirchenamtes Sachsen.

Doch die Kirche verkauft kein Land. Das bestätigt auch der Sprecher aus Dresden. Deshalb einigten sich die beiden Parteien darauf, dass über das Pfarrlehn-Grundstück, wo sich nach dem Tausch die gesamte Oberschule befindet, ein Erbbaurechtsvertrag über 50 Jahre abgeschlossen wird. Demnach muss die Gemeinde der Kirche jährlich einen Erbbauzins von 40 Cent pro Quadratmeter zahlen. Die Gemeinde trägt zudem sämtliche Kosten für Vermessung, Notare und Grundbucheintragungen.

Der Gemeinderat befürwortete einstimmig die Verträge. Nur Günter Donner von der Freien Wählervereinigung sagte: "Durch den Grundstückstausch haben wir einige Monate verloren." Zum Bauantrag für die Sporthalle hätte es gehört, dass die Abstandsflächen ordentlich berechnet werden. Der Bürgermeister stimmte ihm zu.

Doch noch immer kann nicht mit dem Abriss der alten Turnhalle und dem Neubau begonnen werden. "Das Landratsamt hat noch Nachforderungen zum Bauantrag", sagte Hermsdorf. Das beträfe Fragen des Emissionsschutzes und zur Einleitung des Abwassers. Doch diese Dinge könnten zügig abgearbeitet werden, ergänzte er.

Erst wenn die Baugenehmigung vorliegt, könne mit dem Abriss der alten Turnhalle begonnen werden. Der Gemeinderat hatte bereits im Juni eine Firma aus Zwönitz für rund 35.000 Euro den Zuschlag erteilt. Ziel war es damals, noch in den Sommerferien mit dem Abriss zu beginnen. Dieser Zeitplan kann wahrscheinlich nicht gehalten werden, hieß es. Allerdings sieht Hermsdorf den Eröffnungstermin ab Schuljahr 2019/20 nicht in Gefahr. Zudem laufe die Ausschreibung der Rohbau- und Gerüstarbeiten für das Drei-Millionen-Euro-Projekt. Eine Auftragsvergabe soll in der nächsten Sitzung am 13. August erfolgen.

Inzwischen ist Sommerpause in der alten Turnhalle, sagte SPD-Gemeinderat Dieter Köhler und Chef des TSV Einheit. Bei einer Abschlussveranstaltung hätten sich viele Sportler und Claußnitzer von ihrer Sportstätte verabschiedet. "Das war sehr emotional", fügte er hinzu. Denn in 38 Jahren des Bestehens sei sie vielen ans Herz gewachsen.

Wenn die alte Halle abgerissen und die neue noch nicht steht, soll kein Sportunterricht ausfallen, sagte Hermsdorf. Oberschüler sollen pro Woche eine Stunde theoretischen Sportunterricht erhalten und zur Praxis in die Markersdorfer Turnhalle laufen. Für die Grundschüler wird ein Bustransfer zur Diethensdorfer Schule organisiert. Der Gemeinderat hatte die Aufgabe ausgeschrieben. Vier Busunternehmen wurden angeschrieben, zwei gaben ein Angebot ab. Eine Firma aus Mittweida wird für 15.600 Euro den Transport wöchentlich für die Dauer von 40 Schulwochen für das Schuljahr 2018/19 übernehmen.

Auch für die Freizeit- und Vereinssportler gibt es eine Lösung: Im Sommer kann der Sportplatz genutzt werden. Außerdem soll ein Teil des Vereinssports in den Turnhallen in Markersdorf und Diethensdorf stattfinden. Die Handballer des TSV Einheit nutzen schon jetzt zu Wettkämpfen das Sportzentrum in Burgstädt. Künftig können sie in der neuen Halle trainieren und Wettkämpfe durchführen.

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