Coach schwört auf sein Team

Stephan Swat ist seit 2003 beim Handball-Zweitligisten EHV Aue. Zunächst als Aktiver, dann als Trainer. Mit der abgebrochenen Saison kann er leben.

Aue.

Für den EHV Aue stand am 3. Mai ursprünglich eine lange Busfahrt an. Denn die Zweitligahandballer hätten an diesem Tag im rund 550 Kilometer entfernten Essen zum Punktspiel antreten müssen. Doch die Fahrt in den Westen fällt für das Team jedoch aus. Denn wegen der Coronakrise wurde die laufende Saison vorzeitig beendet und die Abschlusstabelle nach einer Quotientenregel aufgestellt. Mit dieser Lösung dürften sowohl die Mannschaft von Tusem Essen, die neben Coburg in die Bundesliga aufsteigen darf, als auch die Erzgebirger sehr gut leben können. Denn der EHV ist auf dem abschließenden Tableau unter 18 Vertretungen auf dem 13. Platz notiert und liegt damit unmittelbar vor dem zweiten sächsischen Vertreter in der Liga, dem HC Elbflorenz Dresden.

"Auf dem ursprünglich ersten Abstiegsplatz hatten wir zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs fünf Punkte Vorsprung. Somit haben wir sportlich die Klasse gehalten", zieht Trainer Stephan Swat eine positive Bilanz. Zudem lag seine Mannschaft, abgesehen vom ersten Spieltag, stets über dem Strich. Ohnehin war das Ziel, zunächst vorrangig den Ligaverbleib zu sichern. "Wenn man unsere Rahmenbedingungen als Ganzes sieht, sollten wir äußerst demütig und sehr froh sein, dass die Zweite Bundesliga für uns weiter Realität ist", schätzt der Coach ein. Eine positive Entwicklung nahm in den vergangenen Monaten zum Beispiel Bengt Bornhorn, der am Kreis immer wieder an den Ketten zerrte und außerdem zu einem der sicheren Siebenmeterschützen gehörte. "Torwart Erik Töpfer hat bis zu seiner Verletzung bärenstark agiert und wurde völlig zurecht zweimal zum Spieler des Monats gekürt. Kevin Roch machte einen riesengroßen Schritt nach vorn und avancierte zu unserem neuen Abwehrchef", wertet Swat.

Erik Töpfer absolviert nach einer überstandenen Schulteroperation jetzt ganz in Ruhe ein Reha-Programm. Bei allem Lob lief während der Saison auch nicht alles so, wie erhofft. Es gab auch Partien, während denen die Blutdruckwerte von Stephan Swat kurzzeitig in den kardiologisch bedenklichen Bereich anstiegen. "Wir müssen von Woche zu Woche zielstrebiger denken und lernen, dass in der Zweiten Bundesliga wirklich alles passieren kann. Nach Erfolgen ist es wichtig, den Fokus schnell wieder auf das nächste Spiel zu richten. Diese Lehre müssen meine Männer hauptsächlich aus dieser Saison ziehen", resümierte der 42-Jährige und begründet zugleich seine These. "Nachdem wir im November und Dezember ganz gut gepunktet hatten, war die Bilanz nach der Europameisterschafts-Pause sehr unbefriedigend." Zu Beginn des Punktspieljahres kassierte Aue in Coburg und Bietigheim sowie zu Hause gegen Ferndorf drei Niederlagen in Folge. Negativ wirkte sich zudem aus, dass der EHV im Saisonverlauf vom Verletzungspech regelrecht verfolgt war und die medizinische Abteilung voll gefordert war.

"Jeder Akteur aus dem Kader hat seinen Beitrag geleistet, dass wir am Ende unser Ziel erreichten", stellt Swat seinem Team in der Gesamtheit ein gutes Zeugnis aus. Der Saisonabbruch ist aus seiner Sicht logisch, richtig und konsequent. "Alle anderen Szenarien waren meiner Meinung nach nicht realistisch. Die Wertung sehe ich als nachvollziehbar an", begründete er. Sicherlich könne es in dieser Situation keine hundertprozentige Gerechtigkeit geben. "Ich vergleiche das ein bisschen mit dem Skispringen. Wenn dort im zweiten Durchgang wegen des schlechten Wetters abgebrochen werden muss, zählt die Rangfolge nach dem ersten Durchlauf als Endresultat. Und wir waren in der Liga ja schon weiter", spielt Swat darauf an, dass immerhin 24 der insgesamt 38 Spieltage absolviert waren.

Sicherlich ist es für den in Hoyerswerda geborenen Coach erst einmal ungewohnt, mehrere Wochen ohne den üblichen Handballbetrieb auszukommen. In Cottbus, wo er aufwuchs, machte der 1,91 m große Trainer seine ersten Schritte auf dem Handballparkett. Er spielte mit dem USV Cottbus bis 2003 in der 2. Bundesliga und wechselte nach dem Abstieg zum EHV Aue. "Aus ursprünglich angedachten zwei sind nun schon 17 Jahre geworden", schmunzelt der ehemalige Kreisläufer, der in Lößnitz längst heimisch geworden ist. Nach dem Ende seiner Spielerkarriere übernahm er beim EHV 2008 den Posten des Co-Trainers und zeichnet seit Dezember 2016 als Chef für das Zweitligateam verantwortlich. "Seitdem ist es schon die Regel, dass ich bis spät in die Nacht Zeit investiere, um die anstehenden Themen, wie zum Beispiel Spielvorbereitungen, abarbeiten zu können", berichtet Swat. Die Zwangspause hat für ihn dennoch einen unschätzbaren Vorteil. "Endlich habe ich viel mehr Zeit, mich um meine Familie zu kümmern", erklärt der zweifache Familienvater.

Unterdessen gab der EHV bekannt, dass mit Benas Petreikis, Ladislav Brykner, Sebastian Naumann und Torhüter Vilius Rasimas vier Akteure den Verein verlassen werden. "Leider können wir das Quartett nicht in einem großen würdigen Rahmen verabschieden. Aber ich wünsche ihnen alles Gute auf ihrem weiteren Weg", sagt EHV-Manager Rüdiger Jurke.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.