Corona: Mittelsachsen wappnet sich

Die Fallzahlen steigen weiter an: Das Landratsamt registriert 24 Erkrankte. Die Menschen schützen sich und greifen teils zu ungewöhnlichen Mitteln. Doch auch die Zweckverbände fühlen sich gut vorbereitet. Denn sie haben ihre Notfallpläne aktiviert.

Freiberg/Rochlitz.

Das Corona-Virus breitet sich im Landkreis immer weiter aus. Bis Freitagabend zählte das Landratsamt 24 Infizierte, sieben mehr als einen Tag zuvor. Seit Mittwoch, als erst 13 Fälle bekannt waren, kamen nur in der Freiberger und Mittweidaer Region Erkrankte hinzu - in der Kreisstadt 7, in der Zschopaustadt 4. Diese Personen sind zwischen 20 und 65 Jahre alt. Während die Infektionskette bisher stets nachvollzogen werden konnte, ist dies nun anders. "Erstmals gibt es zwei Fälle in den Räumen Freiberg und Mittweida, wo nicht ermittelt werden kann, wie sich die Personen infiziert haben", erklärt Kreissprecher André Kaiser.

Vor diesem Hintergrund mahnt die Leiterin des Gesundheitsamtes erneut mit Nachdruck, auf Hygiene zu achten. "Regelmäßig Händewaschen, Abstand zu Personen halten, sich nicht ins Gesicht fassen sowie Niesen und Husten in die Armbeuge", so Dr. Annelie Jordan. Auch die Mitarbeiter der kreiseigenen Klinikgesellschaft LMK appellierten am Freitag mit einer Plakataktion an die Vernunft ihrer Mitmenschen und fordern sie auf, zuhause zu bleiben.

Das Interesse an der Entwicklung im Kreis ist unter den Menschen groß, aber offenbar möchten die Mittelsachsen auch wissen, woher die Infizierten stammen. Denn die Kreisbehörde erreichen oft Anfragen, warum die einzelnen Orte nicht genannt werden. "Derzeit handelt es sich stets um einzelne Fälle und wir möchten jegliche Rückschlüsse im Hinblick auf die Persönlichkeitsrechte vermeiden", so Kaiser.

Inzwischen sind auf Anordnung des Landratsamts 68 Personen in Quarantäne. Manche schotten sich freiwillig ab, so wie seit einer Woche die 31 Mitarbeiter des 24-Stunden-Intensivpflegediensts Millcura aus Frankenberg. In den Wohngemeinschaften in Chemnitz, Frankenberg und Meißen betreuen sie hinter verschlossenen Türen rund um die Uhr 18 Patienten. "Alle werden künstlich beatmet", so Chefin Beate Mühl. Da es sich dabei um eine Risikogruppe handele, sei es sehr wahrscheinlich, dass die Patienten bei einer Corona-Ansteckung einen schweren Krankheitsverlauf erleiden.

Auch die Wasserver- und -entsorger befinden sich momentan im Krisenmodus. Tiefe Einschnitte aufgrund der Corona-Pandemie spüren die Einwohner des Landkreises jedoch nicht. Denn die Betriebe haben ihre Notfallpläne aktiviert. Das Ziel: Die Menschen mit dem lebensnotwendigem Nass weiterhin zu beliefern. Auch die Kläranlagen sollen nach wie vor ungehindert laufen. "Die Leute müssen sich nicht sorgen. Die Wasserver- und entsorgung ist gesichert", sagt Ulrich Pötzsch.

Der Technikchef des Wasser- und Abwasserzweckverbands ZWA mit Sitz in Hainchen verweist auf eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen in seinem Betrieb. Das Haupthaus ist genauso wie die Stützpunkte für Besucher geschlossen. Kunden können ihre Anliegen, wie Pötzsch erläutert, aber per Telefon oder Email schildern. Außerdem werden momentan keine Wasserzähler ausgetauscht. "Neuanschlüsse von Häusern werden aber gemacht", fährt Pötzsch fort.

Falls ein Trupp vor Ort ist, gelten verschärfte Sicherheitsregeln. So halten ZWA-Mitarbeiter, die übrigens alle ein Hygiene-Set mit Kittel, Haube, Mundschutz und Überziehschuhen erhalten haben, zum Beispiel mindestens einen Meter Abstand zum Kunden. Bereits bei der Hinfahrt waltet Vorsicht. Sind zwei Mitarbeiter in einem Fahrzeug unterwegs, soll einer vorne und einer hinten sitzen. Auch die Arbeitszeiten wurden gestreckt - und zwar von 5 bis 22 Uhr. Dadurch sollen sich die Teams sowenig als möglich begegnen. Pausen werden ebenfalls zeitversetzt gehalten, damit die Mitarbeiter - in Summe rund 206 - in den Sozialräumen ausreichend Abstand zueinander halten können.

Was die Versorgung für die Einwohner zwischen Drebach im Süden und Colditz im Norden im Krisenfall, also falls zum Beispiel große Teile der Belegschaft ausfallen, sichern hilft: Gut 500 Objekte können von der Ferne aus überwacht und teilweise gewartet werden. Die Dienstpläne sind entsprechend angepasst. "Wir haben die Trupps zur Bedienung verstärkt." Der Vorteil: Falls jemand aufgrund einer Corona-Erkrankung ausfällt, kann ein anderer einspringen. "Leute, die in der Region Flöha tätig sind, können nun auch in Hainichen arbeiten", nennt Pötzsch ein Beispiel.

Andere strategisch wichtige Unternehmen sind genauso vorbereitet. "Wir fühlen uns gerüstet", bringt es Roger Lucchesi auf den Punkt. Der Geschäftsleiter des Wasserzweckverbands Freiberg (WZF) verweist auf eine Reihe von Vorkehrungen, die deckungsgleich mit denen des ZWA sind oder denen ähneln. Der Publikumsverkehr ist untersagt. Auf Fortbildungen und Dienstreisen wird verzichtet. Die 108 Mitarbeiter gehen zeitversetzt in die Pause. "Besonders kritische Bereiche dürfen nur von einem engen Personenkreis betreten werden", so Lucchesi. Außerdem hat der Zweckverband seine Vorräte wie etwa für betriebsnotwendige Chemikalien aufgestockt. "Wir versuchen alles, um die Wasserversorgung aufrechtzuerhalten", sagt der Geschäftsleiter. Der Verband sorgt für die Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung von fast 100.000 Einwohner der Landkreise Mittelsachsen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und der Stadt Nossen. (mit dahl/jl)

 


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