Das Geheimnis der steinernen Inschrift

Eine sanierte Gedenktafel in Falkenberg gibt Rätsel auf und lässt viel Raum für Spekulationen. Was geschah im Jahr 1841?

Halsbrücke/Falkenberg.

Am Eingang zum Rosental, noch innerhalb des Halsbrücker Ortsteils Falkenberg, kurz vor der Bogenbrücke liegt ein schattiges Plätzchen. Ein wenig abseits des Weges, auf dem einst Silbererz transportiert wurde. Heute ist es der Jakobsweg, der hier vorbei führt, und so überrascht nicht, dass auf diesem Plätzchen eine Bank für die Rast aufgestellt ist. Spannend jedoch ist etwas anderes, das vor allem sehr viel Platz für Vermutungen lässt und die dichterische Fantasie anheizt.

In den Fels gehauen findet sich seit 1841 eine Gedenktafel. Die fast 180 Jahre sind nicht allzu gut mit ihr umgegangen, die Zeiten hat sie dennoch überstanden. "Schon lange wollten wir sie restaurieren lassen", erzählt Andreas Beger, Bürgermeister von Halsbrücke. "Wir haben uns um Förderung bei der Unteren Denkmalbehörde bemüht, und diese in diesem Jahr auch erhalten." Weitere Mittel kamen vom Dorfverein und der Gemeinde. Der Steinmetz- und Steinbildhauermeister Philipp Wiedemann aus Erlicht nahm sich der Aufgabe an. "Von der Schrift war kaum noch etwas erkennbar", sagt er. "Ich habe sie nachgeschlagen und gereinigt." Seit gestrigem Freitag ist sie wieder sichtbar.

Die Inschrift selbst kommt zunächst wenig spektakulär daher: "Hier weilten einst gern zwei eng verbundene Freunde Mstr. Carl Gottfried Ihle Besitzer der hiesigen Mühle u. Hr. Gottlob Wiedefredt Büttner K.S. Hoftrompeter 1841". Doch warum sollte solch eine Mitteilung in den Stein geschlagen werden? Es gibt bislang keine bekannten Quellen, die über das Geschehen Auskunft geben könnten. Die Untere Denkmalbehörde vermutet jedoch, dass hier ein nicht unwesentlicher Streit vorangegangen sein muss, der mit einer Versöhnung endete. Möglich ist, dass es sich dabei um Fisch- und Wasserrechte handelte, denn Ihle gehörte die Erbmühle wenige Meter von der Tafel entfernt, und Büttner war Pächter der Schleifmühle, weiter hinten im Rosental. Der mittlerweile nicht mehr existierende Unterlaufgraben verband beide, wobei Ihle am Zufluss saß und diesen kontrollierte.

Gut möglich, dass sich aus diesem Zwist, so er denn stattgefunden hat, ein Streit entwickelte, der das damalige Falkenberg lange in Atem hielt. Fabuliert man nun noch ein altes Familiengeheimnis, Verrat und tragische Liebe hinzu, so ist ein Drama shakespearschen Ausmaßes perfekt. Die Dimension muss für damalige Verhältnisse groß gewesen sein. "Nur so lässt sich eine Inschrift wie diese erklären", sagt Andreas Beger. Deren Anfertigung war nicht billig. Sogar ein Gequäle - eine Rinne, über die das Regenwasser abgeleitet wird - wurde angelegt. Zum heutigen Schutz hat der Steinmetz ein natürliches Schutzdach eingerichtet. Falkenberg hat nun eine kleine historische Attraktion mehr.

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