Das Steigerlied im Wind der Puszta

Ein halbstündiges Konzert auf dem Freiberger Obermarkt fesselte mehr als 200 Zuhörer. Den "Steiger" gab es als Czárdásvariante.

Freiberg.

Lindsay Funchal steht am Erkerfenster des Freiberger Rathauses und schaut hinab auf die mehr als 200 Menschen, die sich auf dem Obermarkt gekommen sind, um am Freitag, 11 Uhr ein musikalisches Feuerwerk zu erleben. Die junge Sopranistin mit brasilianischen Wurzeln kämpft mit ihren Gefühlen. "Das ist sehr emotional für mich", sagt sie, und man merkt ihr die innere Bewegung an.

Seit dem 16. März war es ihr unmöglich, vor Publikum zu singen. Nun der erste Auftritt, mit Sicherheitsabstand nicht nur zu den Zuhörern, sondern auch zu Bassbariton Sergio Raonic Lukovic und Tenor Frank Unger, die jeweils aus anderen Fenstern des Rathauses heraus singen, derweil die Kapelle unter ihnen vor der Tür spielt.

"Ein wenig nervös bin ich schon", gesteht auch Frank Unger. "Vor allem, weil die Stimme nicht auf dem Niveau sein könnte, das sie haben soll." Als dann der musikalische Reigen beginnt, ist allen drei Sängern die Lust am Singen anzumerken, und es klingt auch ganz zauberhaft. Eigentlich sollte an diesem Freitag Emmerich Kálmans Operette "Die Csárdásfürstin" auf der Seebühne Kriebstein Premiere feiern. Diese ist jedoch im Stausee der Pandemie untergegangen, wie es Sergio Raonic Lukovic formulierte. "Doch wir schwimmen obenauf", rief er dem Publikum zu.

Es wurde eine furiose halbe Stunde. Als Violinist Marek Pavelec, Drummer Michael Winkler, Bassist Matthias Würthner und Pianist José Luis Gutiérrez das Steigerlied in der Czárdás-Version darboten, blieb kaum jemand ruhig stehen. Dabei entpuppte sich der 30-jährige Tscheche Marek Pavelec, als der wahre Czárdáskönig, wie es Gutiérrez sagte. Er entlockte seiner Violine genau jene feurigen Töne, die zu dem temperamentvollen Gesang über seinem Kopf passte.

Nach dem Konzert machte sich übrigens Lukovic auf den Weg nach Kriebstein, mit dem Fahrrad. Er wolle mal sehen, ob er die Strecke hin und zurück schaffe, meinte er.

Auch Pavelec wollte sich die Anlage am Abend der eigentlichen Premiere ansehen. Michael Winkler grillt mit Freunden, was ein Premierenritual im Sommer ist. Lindsay Funchal hingegen genießt den Abend ganz privat und freut sich darauf, bald wieder vor den Menschen singen zu dürfen.

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