Der Kampf um jede Bewegung

Die Physiotherapie ist für Angela Graichen kein Zuckerschlecken, aber nötig. Die 53-Jährige ist nach einem Infarkt gelähmt und wäre gern mobiler. Beim Kauf eines speziellen Autos können Leser sie durch Spenden unterstützen.

Claußnitz/Flöha.

Angela Graichen wirkt angespannt. Ab und an verzieht sie ihr Gesicht vor Schmerz. Vor allem, wenn Madleen Hugel einen Arm der 53-Jährigen, die im Rollstuhl sitzt, nach oben zieht. Die Physiotherapeutin kommt jeden Montag und Mittwoch zu Angela Graichen nach Claußnitz, streckt, dehnt und massiert Beine, Arme und Rumpf der nach einem Rückenmarksinfarkt von den Schultern abwärts gelähmten Frau. Seit fünf Jahren.

Die beiden haben sich angefreundet. Auch wenn die Therapie alles andere als angenehm ist. "Ich tue das ja nicht, um sie zu ärgern, sondern weil es ihr hilft", sagt die 32-Jährige. "Dafür denke ich auch ständig an dich", erwidert ihre Patientin. Warum das? "Die Physio tut weh, und danach bin ich für eine halbe Stunde erst einmal zu nichts mehr fähig, sitze nur völlig geschafft da und schaue ins Leere", sagt Angela Graichen. Erst dann habe sich der Schmerz, der sich etwa wie extremer Muskelkater anfühle, etwas gelegt. Aber er halte auch am folgenden Tag noch an, und einen weiteren Tag später kommt Madleen Hugel wieder, und alles wiederholt sich zunächst. Dann jedoch bleibt von Mittwoch bis zum Montag eine etwas längere Pause. "Da bin ich aber schon wieder so schmerzhaft verspannt, dass ich auf die Therapie warte", erzählt Angela Graichen.

Das, was die junge Frau regelmäßig mit ihren Gliedmaßen und ihrem Rumpf anstellt, dient dazu, das, was Angela Graichen nach dem Infarkt an Bewegungsfähigkeit wieder erlernt hat, zu stabilisieren. Für einen Außenstehenden scheint es nicht viel zu sein. Angela Graichen kann ihren rechten Arm ein wenig anheben, stabil und aufrecht im Rollstuhl sitzen und auch die Hände, deren Finger jedoch verkrampft sind, ein wenig bewegen. "Das trainiert aber eine Ergotherapeutin mit mir", erklärt sie.

Ihr hilft das alles, nicht in sich zusammenzurutschen oder im Rollstuhl zur Seite wegzukippen. Vor allem lindert es Verkrampfungen und gibt ihr die Kraft und Geschicklichkeit für viele Dinge im Alltag: die Räder des Rollstuhls für kurze Strecken in der Wohnung zu drehen, Dinge zu transportieren, ein Glas zum Mund zu führen, allein zu essen und die Tastatur von PC und Telefon zu bedienen.

"Am Anfang konnte ich gar nichts, habe nur im Bett gelegen und musste gefüttert werden. Da ist jetzt schon einiges erreicht, und das will ich auch erhalten", so Angela Graichen. "Ich bin ihr dankbar", sagt sie über ihre Therapeutin. Die Frauen umarmen sich zum Abschied. "Einen schönen Advent und bis Montag dann", ruft Madleen Hugel noch, ehe sie winkend das Zimmer verlässt.

Spenden für Angela Graichen können Sie überweisen an: Verein "Leser helfen", IBAN: DE47 8709 6214 0224 4224 40, Stichwort: Frau Graichen oder unter:

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