Der Mix aus Muskelkraft und Glück

Auch bei der sechsten Auflage des verrückten Fahrrad-Wettbewerbs der "Freien Presse" wurde Freiberg wieder in ein Spielbrett verwandelt. 139 Fahrer waren an den Start gegangen und hatten auf gute Kondition sowie wohl gesonnene Würfel gehofft.

Freiberg.

Es ist kurz nach halb sechs am späten Samstagnachmittag. Dagmar Strobelt sitzt im Knast und grübelt laut "Soll ich es wagen und noch einmal würfeln? Was ist denn, wenn ich zum Bergwerk muss? Dann schaffe ich es nie bis um sechs auf den Schlossplatz." Doch sie traut sich. Auf dem zehnseitigen Würfel fällt die 4. Dagmar Strobelt muss zum Dom. "Schwein gehabt", jubelt sie und düst los.

Diese Szene beschreibt bestens, um was es beim Freiberger Fahrrad-Zickzack, dem wohl verrücktesten Radrennen Sachsens, geht. Die Teilnehmer haben genau drei Stunden Zeit, um kreuz und quer durch Freiberg zu fahren und an zehn Stationen Spielgeld zu sammeln. Wer Glück hat, pendelt ein bisschen durch die Innenstadt, wer Pech hat, fährt mehrmals zwischen der Station "Bergwerk" an der "Reichen Zeche", dem Waldbad "Großer Teich" und der Brauerei hin und her. "Da komm ich doch gerade her, muss das sein", hörten die Helfer an diesen "Außenstationen" deshalb auch nicht selten. Doch sie blieben unerbittlich. Gewürfelt ist gewürfelt.

Die Teilnehmer kannten die Regeln natürlich vorher und nahmen so manchen langen Weg oder wiederholten Knastaufenthalt - dort gibt es statt Geld nur eine Wartezeit - sportlich. "Es war wieder ein Riesengaudi", sagte Martin Afanasjew, der zum vierten Mal dabei war. "Ein herzlicher Dank an alle, die das möglich gemacht haben."

Dagmar Strobelt übrigens hat es locker rechtzeitig ins Ziel geschafft. Dass ihr Team "Vollgas Trio" dennoch nur auf dem letzten Platz landete, nahm sie mit Humor. Schließlich konnte ihre Mannschaft auch einen Titel holen: Mit Tobias Strobelt gehörte der Bergkönig zu ihrem Team. Er musste sechs Mal hoch zur "Reichen Zeche" strampeln.

Die Ergebnisse und Wertungen des 6. Freiberger Fahrrad-Zickzack

Männer

1. Platz: René Liebscher (42) aus Freiberg mit 28 angefahrenen Stationen und 640 gesammelten Pneuros.

2. Platz: Mario Pester (51) aus Penig mit 28 angefahrenen Stationen und 600 gesammelten Pneuros.

3. Platz: Volker Schmidt aus Freiberg mit 27 angefahrenen Stationen und 560 gesammelten Pneuros.

Frauen

1. Platz: Tina Münch (29) aus Freiberg mit 20 angefahrenen Stationen und 410 gesammelten Pneuros.

2. Platz: Helga John aus Frankenberg mit 17 angefahrenen Stationen und 400 gesammelten Pneuros.

3. Platz: Kristin Krumbiegel aus Freiberg mit 18 angefahrenen Stationen und 390 gesammelten Pneuros.

Teams

1. Platz: Autoteile Weinhold aus Freiberg mit 67 angefahrenen Stationen und 1410 gesammelten Pneuros.

2. Platz: Sportfreunde Griller aus Freiberg mit 62 angefahrenen Stationen und 1320 gesammelten Pneuros.

3. Platz: Windschattenfreunde aus Freiberg mit 59 angefahrenen Stationen und 1150 gesammelten Pneuros.

Sonderwertungen

Bergtrikot: Tobias Strobelt aus Ulm mit sechs Fahrten zur Station "Bergwerk" an der "Reichen Zeche".

Knastkönig: Sebastian Otto aus Freiberg mit fünf Aufenthalten samt Strafzeit in der Station "Gefängnis".

Treuetrikot: Andreas Seiler aus Freiberg für die sechste Teilnahme in Folge. (tre)

Zickzack-Splitter

Fast alle Teilnehmer des Fahrrad-Zickzack waren bei der Radlerparty am Samstagabend im "Tivoli" dabei. Um die Siegerehrung mitzuerleben. Und um sich den drohenden Muskelkater aus den Waden zu tanzen. (tre)

Dank Torsten Forberger aus Eppendorf konnten die Aktiven auch in diesem Jahr an verschiedenen Stationen zu einem Stück Banane oder Apfel greifen. Der Obst- und Gemüsehändler, der jeden Donnerstag auf dem Freiberger Obermarkt seine Waren anbietet, ist selbst passionierter Radfahrer. (gfl)

Lisa Brombacher und Jürgen Kunze waren nicht nur mit den Fahrtenbüchern des Wettbewerbs, sondern auch mit eigenen Stadtplänen unterwegs. Denn so wirklich kannten sich die Studentin der Bergakademie und der 54-Jährige aus Bitterfeld nicht aus. Etwas Hilfe bei der Wegplanung bekamen sie deshalb von den Standbetreuern. Ausnahmsweise. (tre)

Holger Reuter hat sein Ziel erreicht. "Ich wollte 40 Kilometer schaffen. Das hat geklappt, sagte Freibergers Baubürgermeister, der mit dem Team der Stadtverwaltung (gemeinsam mit Sven Krüger und Cornelia Heinrich) den 8. Platz belegte. Einen Vierzeiler wollte er aber nicht dichten. Andere erfüllten diese Aufgabe an der Station "Gefängnis" jedoch. Kostprobe: "Fünf Minuten sind zu kurz zum Denken, ich muss jetzt weiter mein Fahrrad lenken." (tre)

André Zeunert vom Siegerteam Autoteile Weinhold zog sich bei einem Sturz gleich zu Beginn des Rennens eine Verletzung am Arm zu. Noch vor der abendlichen Siegerehrung ließ er diese im Krankenhaus nähen. Um dann zu feiern. (tre)

Rolf Börner war mit 75 Jahren der älteste Teilnehmer in diesem Jahr. Mit mehr als 50 Kilometern in drei Stunden und 420 gesammelten Pneuros landete er unter den Besten 20. (tre)

Manfred Rost, die treue Seele des Fördervereins "Himmelfahrt Fundgrube", bereitete den Teilnehmern an der Station "Bergwerk" einen besonderen Empfang. Er gestaltete nicht nur liebevoll Tische mit Bergmannsutensilien, sondern aktivierte auch noch Verwandte und Freunde, um mitzuhelfen. (gfl)

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