Der Nachwuchs startet durch

Die Landwirte der Reichenbacher Berufsschule haben am letzten Schultag das Göltzschtal gerockt. Mit viel PS, Hup-Konzert und Optimismus. Für eine, die dieses Spektakel immer gemocht hat, war ein Schuss Wehmut dabei.

Reichenbach.

Echte Helden kommen vom Land. Und sie machen schön laut. Mit PS-starkem Motorengedröhn und einem Hup-Konzert, das am Freitagmorgen auch die letzten Langschläfer im Reichenbacher Zentrum geweckt haben dürfte. Mit 15 Traktoren und einigen mit Rundumleuchten ausgestatteten Begleitfahrzeugen haben die 24 Jungs und drei Mädels der LW 17 einer langen Tradition folgend dem Beruflichen Schulzentrum alle Ehre gemacht, wie Lehrer Klaus Schaarschmidt die Szenerie bei der Abfahrt des Korsos von der Rathenaustraße zusammenfasste. "Das sind junge Menschen, die ihren Weg gehen."

Der letzte Schultag führte die angehenden Landwirte wie Generationen ihrer Vorgänger via Rundkurs durch die Stadt, dann an die Göltzschtalbrücke zum Foto-Shooting und schließlich an die Talsperre Pöhl zum letzten gemeinsamen Grillen. Gepflastert war dieser Weg mit viel Zustimmung. Überall gingen am Straßenrand die Daumen hoch, stimmten Autofahrer trotz kleinerer Staus in das Hup-Konzert der Nachwuchs-Bauern ein. An der Göltzschtalbrücke stahlen die in Reih und Glied aufgestellten Traktoren sogar der weltgrößten Ziegelbrücke die Schau, als Touristen das neue Fotomotiv für Schnappschüsse mit Freunden oder Enkeln entdeckten. Als Sahnehäubchen kreiste dazu ein ADAC-Hubschrauber über dem Freiluft-Studio, während ein über die Brücke donnernder Zug die Szenerie zur Traumkulisse machte.

Das dazu vernehmbare Freudengeschrei der Lehrlinge erreichte Lehrerin Uta Lenke nicht mehr. Die Agrar-Pädagogin war zurückgeblieben, um letzte Wege in vertrauten Zimmern zu erledigen. 40 Jahre hat sie der Berufsschule bis zur Rente die Treue gehalten, die Arbeit von 2000 Lehrlingen trägt ihre Handschrift. Und zwar eine unverwechselbare, wie ihr Lehrlinge und Kollegen attestierten. "Es gab nichts, was sie nicht wusste. Und sie konnte toll erklären", erzählte Phillip Reich, der sein auch bei Uta Lenke erworbenes Wissen und Können im Agrarbetrieb Mario Schlesinger in Ebersbrunn einbringt. Und der von Reichenbach überhaupt mit Respekt spricht. Als einstiger Förderschüler ist Phillip auch an der Berufsschule zu einem Landwirt gereift, der in seinem Betrieb bereits vergleichsweise viel Verantwortung trägt.

Es sind Leistungssprünge wie diese, die Uta Lenke stets besonders imponiert haben. "Auch dieser letzte Schultag, an dem für uns Lehrer immer so viel an Wertschätzung erkennbar ist, wird mir fehlen." In die Fußstapfen der nun zu den Enkeln nach Weimar ziehenden Institution tritt Maria Lenk, die sich mit Söhnchen Willi das Traktoren-Spektakel nicht entgehen ließ. Für die 27 jungen Leute, die den Tag unter das Motto "Echte Helden kommen vom Land" gestellt hatten, ist die Schule indes noch nicht ganz vorbei. Nach der fachtheoretischen Abschlussprüfung, die am Mittwoch absolviert wurde, stehen im Juli die fachpraktischen Prüfungen an.

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