Deutschland von unten

Grenzen dicht, Veranstaltungen abgesagt, Museen geschlossen. Aber es wird auch eine Zeit nach Corona geben. Hier sind sieben Tipps für Fluchten unter Tage.

Märchenhafter Farbreichtum: Sie schimmern blau, grün, rötlich, gelb oder violett: Mit der Pracht von 75 Farben haben es die Saalfelder Feengrotten sogar bis ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft. Die "farbenreichsten Schaugrotten der Welt" verändern sich ständig. Denn das Weichmineral Diadochit lässt die Tropfsteine ein bis drei Zentimeter pro Jahr wachsen. Das Erlebnismuseum Grottoneum informiert über die Entstehung des ehemaligen Schieferbergwerks. Das Einatmen der Saalfelder Grubenluft soll bei Atemwegserkrankungen wirksam sein. Besucher können die Therapie mit zweistündigen Inhalationen im Heilstollen testen oder als Kur regelmäßig anwenden.

 

Erdgeschichte hautnah: Ein Korallenriff im Harz? Das klingt unwirklich. Doch der Iberg, der sich als Kalksteinmassiv über Bad Grund im Oberharz erhebt, hat eine lange Reise hinter sich. Mit der Kontinentalverschiebung ist das ehemalige Riff aus der Südsee auf die nördliche Halbkugel gelangt. In der viele Millionen Jahre alten Tropfsteinhöhle bezeugen auch versteinerte Meeresbewohner die bewegte Geschichte. Sinterkaskaden und mächtige Bodentropfsteine stammen aus jüngerer Zeit. Im Museum des Höhlenerlebniszentrums sind rund 3000 Jahre alte Knochen aus einem bronzezeitlichen Höhlengrab aus der nahe gelegenen Lichtensteinhöhle ausgestellt.

 

Gesunde Salzluft: Was ist das für ein Gefühl, in einem Stollen zu übernachten? Eine Antwort auf diese Frage gibt es in Berchtesgaden im südlichen Bayern. Hier können Besucher der Spur des Salzes in ein 500 Jahre altes Salzbergwerk folgen - und in einem 850 Quadratmeter großen Salzheilstollen die Nacht verbringen. Weil die Luft in der Halle zusätzlich mit Salzionen angereichert wird, entsteht ein Klima, das nicht nur zur Erkältungszeit die Gesundheit fördern kann.

Tipp: Die Akustik des Stollens lässt sich zum Beispiel bei Konzerten und sogenannten Entspannungseinfahrten am Nachmittag für zwei bis drei Stunden erleben. Das Angebot reicht von Klangreisen mit irischen Harfen und tibetischen Klangschalen bis zu keltischer Musik und einer Alpenschamanischen Rauhnacht.

 

Zwangsarbeit unter Tage: In den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges wurden weite Teile der deutschen Rüstungsindustrie und damit die KZ-Zwangsarbeit unter Tage verlegt. So mussten auch mehr als 60.000 Menschen vor allem aus der Sowjetunion, Polen und Frankreich zwischen 1943 und 1945 in den Stollen des KZs bei Nordhausen im Harz in Zwangsarbeit eine unterirdische Raketenfabrik ausbauen. Jeder dritte Häftling starb. Einen geschichtswissenschaftlich fundierten Einblick in das Ausmaß der Menschrechtsverletzungen der NS-Diktatur erhalten Besucher bei Führungen über das einstige Lagergelände und durch die Stollen in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Gäste können sich ein Bild von der Dimension des Stollensystems und Rüstungsbetriebes machen. Einzelführungen sind im Winter weniger überlaufen als im Sommer.

 

Relikt des Kalten Krieges: In der alten Bundesrepublik war er über zwei Jahrzehnte lang eines der bestgehüteten Geheimnisse: Der Bunker der Deutschen Bundesbank in Cochem an der Mosel. Gut getarnt unter der Erde in einem Atombunker lagerten 15 Milliarden Deutsche Mark für den Ernstfall. Zur Aufbewahrung der geheimen Notstandswährung BBK II wurde eine 1500 Quadratmeter große Tresoranlage benötigt. Hier stapelte sich das Geld bis unter die Decke. Nach der Restaurierung haben Besucher seit 2016 die Möglichkeit, die geheime Dokumentationsstätte der bundesdeutschen Geschichte zu besichtigen. Vor allem die acht Tonnen schwere Tresortür, die das ehemalige Milliardenreich schützen sollte, beeindruckt Besucher. Kinder sind von der geheimen Anlage unter Tage und den fremd aussehenden Geldscheinen fasziniert. Ein Ausflug in den Bunker eignet sich daher auch für Familien.

 

Auf den Spuren der Bergleute: In Nuttlar im nördlichen Hochsauerlandkreis können Besucher den Schieferabbau noch so erleben, wie er vor über 100 Jahren praktiziert wurde. Bei den körperlich anspruchsvollen Führungen durch das Schieferbergwerk wird Wert auf Authentizität gelegt. Auf Annehmlichkeiten wie elektrisches Licht, geschotterte Wege, betonierte Stufen oder Stahlgeländer wird bewusst verzichtet. Wie bei den Bergleuten sorgt lediglich eine Lampe am Bergwerkshelm für Orientierung auf dem Weg in den Berg, dessen Stollenlabyrinth sich auf fünf Sohlen über 20 Kilometer erstreckt.

Der Lichtschein lässt die Kulisse aus haushoch gestapelten Schiefermauern, unterirdischen Seen, Schiefertreppen, schmalen Gängen und riesigen Abbaukammern noch imposanter erscheinen. Die zwei unteren Ebenen der Schiefergrube sind auf einer Länge von zwölf Kilometern komplett geflutet und ein Revier für Höhlen- und Sporttaucher. Sie erreichen eine Tauchtiefe von bis zu 14 Metern.

 

Bacchus-Gewölbe an der Mosel: Der unterkellerte Stadtkern von Traben-Trarbach erinnert heute noch daran, dass die Stadt an der Mosel um 1900 als zweitgrößter Weinumschlagplatz Europas galt. In dem verzweigten Netzwerk aus historischen Schiefer- und Sandsteinkellern können 32 Kellergewölbe besichtigt werden. Auf geführten Ausflügen in die Unterwelt haben Besucher Gelegenheit, mehr über den historischen Weinbau und die alte Kellertechnik zu erfahren. Außerhalb der Führungen ist es möglich, sich auf einer QR-Code-Tour über die einzelnen Keller zu informieren.

Tipp: Ab 20. November 2020 verwandeln sich vier geschichtsträchtige Gewölbekeller an den Wochenenden und zu Sonderöffnungstagen wieder in den unterirdischen Mosel-Wein-Nachts-Markt. (dpa)


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