Die jungen Wilden geben jetzt öfter Gas

Das Jahr 2020 bringt der Nachwuchsförderung im Motorradrennsport einen Quantensprung. Die Zusammenarbeit von AMC Sachsenring und ADAC Sachsen ermöglicht mehr Trainingszeiten auf einer nagelneuen Piste.

Niedermülsen/Hohenstein-E..

Das bisschen Bürokratie wegen der Corona-Beschränkungen nahm Gerd Siebdraht gern in Kauf, um in der Arena E in Niedermülsen ins Fahrerlager gelassen zu werden. Fast immer ist der e 66-jährige Wildenfelser mit im Boot, wenn seine Enkel Marvin (16) und Mika (11) am Gasgriff drehen. Diesmal geht der Trainingsauftakt für das Rennjahr 2020 zwar verspätet über die Bühne, aber mit einer Topnachricht: Der AMC Sachsenring und die Sportabteilung des ADAC Sachsen werden die Nachwuchsarbeit deutlich forcieren.

"Wir konzentrieren uns bei der Förderung ganz bewusst auf diese Region. Denn rund um den Sachsenring gibt es die höchste Dichte an Rennsporttalenten. Mit der Arena E in Niedermülsen haben wir optimale Trainingsmöglichkeiten geschaffen", so Mirko Glöckner von der Sportabteilung des ADAC. Pocketbiker können jetzt jeden Dienstag von 15 bis 19 Uhr auf der Outdoor-Leihkartstrecke trainieren, Minibiker alle 14 Tage dienstags in der gleichen Zeit auf der großen Strecke.

"Man kann sagen, das ist für unsere Nachwuchsarbeit schon fast ein Quantensprung", sagt Martin Planert, Sportlicher Leiter beim AMC Sachsenring. "Bisher haben wir im ADAC-Logistikzentrum am Sachsenring immer mit Reifenstapeln einen Trainingskurs aufgebaut und für das jährliche Minibikerennen um die Meisterschaftspunkte eine provisorische Strecke. Der enorme Aufwand fällt jetzt komplett weg", sagt Nachwuchstrainer Ronny Heinrich. Der 35-Jährige hat derzeit 15 Knirpse ab fünf Jahren in seiner Pocketbikeschule. Die auf 4,2 PS gedrosselten Pocketbikes fahren mit Fliehkraftkupplung und bringen es auf 80 km/h. Noch 40 km/h mehr lassen die 100-Kubikzentiometer-Motoren der Minibikes auf der Piste zu. Mit den 72 Kilogramm schweren und bis zu 120 km/h schnellen Bikes haben Ronny Heinrichs Schützlinge schon reihenweise Titel und Plätze eingefahren. Allein elf AMC-Fahrer gehen in diesem Jahr in der Minibike-Meisterschaft in der Einsteiger- und Nachwuchsklasse auf die Strecke. Acht Läufe sollen es werden, der Heim-Grand-Prix geht voraussichtlich am 11. Juli in Niedermülsen über die Bühne.

"Wir haben jetzt ideale Trainingsbedingungen, das wird uns ein gutes Stück voranbringen", ist sich Martin Planert sicher. Mehr Training heißt auch mehr Routine und schnellere Wechsel in höhere Klassen. Weil in Spanien und Italien die Motorrad-hersteller finanzkräftig hinter der Nachwuchsarbeit stehen, werden unzählige Talente sondiert und gefördert. Deshalb gleicht die Motorrad-Weltmeisterschaft manchmal eher einer spanisch-italienischen Meisterschaft. Diesen Rückstand in der deutschen Talenteförderung ein wenig zu verkürzen, ist auch das Ziel der Kooperation von AMC und ADAC. Aus der Grundlagenschule von Ronny Heinrich sind trotzdem schon einige Talente hervorgegangen. Marvin Siebdraht zum Beispiel fährt mit einer gedrosselten 400er Kawasaki in der IDM 300, sein Bruder Mika ist für 2020 in der stark besetzten spanischen Minibike-Meisterschaft Cuna de Campeones angemeldet.

Auf professionelle Hilfe setzt der ADAC im neuen Programm auch. Dafür wird gelegentlich Routinier Dirk Heidolf beim Training mit eingreifen. Die gute Qualität der Nachwuchsarbeit am Sachsenring wissen inzwischen viele Teams zu schätzen. Der kleine Pocketbiker Ole Säuberlich reist jedes Mal aus Bad Blankenburg an. Auch er fährt für den AMC Sachsenring. Und wenn seine Eltern ihn künftig mal zu einem Privattraining in Mülsen einbuchen, dann sollte er die Quittung dafür unbedingt aufheben. Denn der AMC Sachsenring und der ADAC Sachsen arbeiten noch an einem anderen Programm zur Unterstützung der Nachwuchspiloten. Die Idee: Einen Sponsorenpool gründen und aus dem Budget einen gewissen Teil der Kosten begleichen. "Die Idee ist erst einmal gut, doch das ist alles noch nicht ganz spruchreif", so Sportleiter Martin Planert.

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