Die Landesausstellung beleuchtet alle Seiten der Globalisierung

Von Sachsen aus in die Welt hinaus

Im Jahr 1727 wird in der Oberlausitz die Herrnhuter Brüdergemeine gegründet. Ihre Hauptaufgabe sieht die strenge Glaubensgemeinschaft in der Mission. Um flexibel zu sein, gehen die Mitglieder deshalb keiner landwirtschaftlichen Tätigkeit nach, sondern üben nur ein Handwerk aus und dürfen handeln. Die neugegründeten Missionsstationen werden dabei schnell zu Ankerpunkten eines weltweiten Handelsnetzes. Exportschlager ist die Lausitzer Leinwand. Beim Absatz helfen die Kontakte der Herrnhuter Missionare zu Kaufleuten und Plantagenbesitzern in Übersee. Da häufig Ware gegen Ware getauscht wird, muss der Handel mit Kolonialwaren ausgebaut werden. Auch Manufakturen zur Weiterverarbeitung von Tabak und Baumwolle werden eingerichtet. Mit dem Gewinn kann die Mission schließlich weitergeführt werden. Der Straßburger Kaufmann Abraham Dürninger (1706-1773) - sein Porträt hängt groß im Bereich "Garn & Globalisierung" in der Landesausstellung - tritt der Brüdergemeine 1744 bei. Wenig später übernimmt er den Krämerladen in Herrnhut und macht daraus das größte Unternehmen Sachsens. Im Jahr 1816 beschäftigt Abraham Dürninger & Co. allein 2 000 Personen im Weberei- und 12000 im Spinnereigewerbe. Die Globalisierung wird in der Landesausstellung aber nicht glorifiziert. Sinnbildlich dafür wird das Exponat "Zuckerdose mit Figur einer afrikanischen Frau" gezeigt. Die Dose wurde 1740 aus Meißner Porzellan gefertigt und steht für den gesteigerten Konsum der Luxusware Zucker im 18. Jahrhundert. Ermöglicht wurde der Konsum der Kolonialwaren durch Sklavenarbeit, die aus Afrika verschleppte Menschen in den amerikanischen Kolonien leisten mussten.

Unser Spezial zur Landesausstellung

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