Die Schau und ihre Kapitel

Die bedeutsame Landesausstellung nimmt Verweis auf 500 Jahre Industriekultur

Derzeit läuft sachsenweit das Jahr der Industriekultur. Daran knüpft nun auch die Landesausstellung an. Sie lässt die Region Südwestsachsen als ein bedeutendes Zentrum der europäischen Industrialisierung lebendig werden. Die große Zentralausstellung im Audi-Bau Zwickau präsentiert ein breites kulturhistorisches Panorama der sächsischen Industrieentwicklung.

Parallel dazu finden an sechs Orten der sächsischen Industriegeschichte branchenspezifische Schauplatzausstellungen statt: "AutoBoom" im August Horch Museum Zwickau, "MaschinenBoom" im Industriemuseum Chemnitz, "EisenbahnBoom" im Schauplatz Eisenbahn Chemnitz-Hilbersdorf, "KohleBoom" im Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge, "TextilBoom" in der Tuchfabrik Pfau Crimmitschau sowie "SilberBoom" im Forschungs- & Lehrbergwerk | Silberbergwerk Freiberg. Die Kapitel der Landesausstellung in der Zentralschau sind so aufgebaut:

1470 bis 1813 Barock & Berggeschrey

Ende des 15. Jahrhunderts lösen Silberfunde im Erzgebirge das "Zweite Berggeschrey" aus. Es lockt Menschen aus ganz Europa nach Sachsen und führt zu einer Boom-Phase. In Renaissance und Reformation entsteht aber auch ein neues Menschenbild: Frei von mittelalterlichen Zwängen ist man jetzt nur sich selbst und seiner Arbeit verpflichtet.

1763 bis 1914 Garn & Globalisierung

Nach dem verlorenen Siebenjährigen Krieg (1756 - 1763) wird in Sachsen planmäßig ein gesellschaftliches Innovationsklima geschaffen. Als Motor der Entwicklung entsteht die international vernetzte Textilindustrie und der Maschinenbau. In dieser Zeit wird die industrielle Basis gelegt, von der die sächsische Wirtschaft noch bis zum Vorabend des Ersten Weltkrieges profitieren sollte. 1914 ist Sachsen das Land mit dem stärksten Industrialisierungsgrad im gesamten Deutschen Reich.

1831 bis 1914 Karl Marx & Karl May

Die Epoche der Hochindustrialisierung ist die Zeit eines rasanten Fortschritts in Wissenschaft und Industrie. Es brechen aber auch neuartige soziale Konflikte auf, die das Leben der Menschen immer stärker bestimmen. Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Kultur erfinden nicht nur revolutionäre Techniken und Maschinen, sie entwickeln auch neue Formen des Zusammenlebens und entwerfen Ideen für Gesellschaftsmodelle, die bis in unseren heutigen Alltag nachwirken.

1904 bis 1945 Schockensöhne & Sachsenstolz

Die Zeit vom Vorabend des Ersten bis zum katastrophalen Ende des Zweiten Weltkrieges ist von bahnbrechenden Erfindungen und tiefgreifenden Umwälzungen in allen Bereichen der Gesellschaft bestimmt. Gleichzeitig ist diese Epoche von einer beispiellosen, industriell geformten und organisierten Gewalt geprägt. Wie in anderen Regionen Europas entsteht auch in Sachsen eine Kultur der Massen und des Massenkonsums.

1945 bis 1995 Trabi & Treuhand

Viele Sachsen musste die Erfahrung von radikalen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüchen mehrfach mitmachen. Der Trabant ist das Symbol des Wirtschaftssystems der DDR; er ist aber nach wie vor auch ein Lebensgefühl. Das Kapitel thematisiert die Arbeitswelten und den Alltag der Menschen bis zur politischen Wende sowie die Brüche und Chancen, die der anschließende Strukturwandel mit sich brachte.

Unser Spezial zur Landesausstellung

1995 bis 2020 Industriekultur 2020 

Ähnlich wie in den historischen Boom-Phasen zeichnen sich auch heute wieder positive Entwicklungen ab. Das sind ein wacher Unternehmergeist, auf Forschung und Wissen gründende Innovationen und die Fähigkeit zum ständigen Wandel. Wie können die Herausforderungen der Globalisierung, der Digitalisierung und des demografischen Wandels gemeistert werden? Welche Zukunftsentwürfe, welche Visionen sind für Morgen wichtig und schon heute erkennbar?


Die Bedeutung der Industriekultur

Industriekultur bedeutet sehr viel mehr als die Faszination alter Maschinen und die Romantik aufregender Industriebrachen. Das sagt Thomas Spring in seinem Beitrag "Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen", der im begleitenden Katalog zur Ausstellung abgedruckt ist. Thomas Spring studierte Philosophie an der Universität Zürich und der Freien Universität Berlin. Er ist der Kurator der sächsischen Landesausstellung. Industriekultur sei "Träger menschlicher Erfahrung und ihrer Geschichte". Es gehe bei der Industriekultur um Menschen, um ihre Ideen und Initiativen, auch um ihre gesellschaftlichen Konflikte, die Industrialisierung überhaupt möglich gemacht, vorangetrieben und gestaltet hätten. Es gehe um Arbeit und Fortschritt, aber auch um Umweltschäden und um menschliches Leid. Thomas Spring: "Industriekultur steckt genauso wie die Industrialisierung und ihre Geschichte voller Widersprüche. Diesen erweiterten Blick versucht die 4. Sächsische Landesausstellung stark zu machen."

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.