Dieses Buch zeigt den Weg von der Wende zur Einheit in der Region

"Zeitenwende" heißt ein neuer Band aus dem Buchprogramm der Freien Presse. Darin dokumentiert der Fotograf Andreas Kretschel in eindrucksvollen Fotos die Zeit von den ersten Demonstrationen im Herbst 1989 bis zur deutschen Wiedervereinigung, von der Öffnung der Grenzen bis zur Schließung des Dorfkonsums.

"Lieber Andreas, dass es traurig ist, dass wir uns nicht öfter sehen können, das hab ich in den letzten Tagen oft gedacht. Traurig ist manchmal gar kein Ausdruck ... Das absolut Größte wäre schon, wenn Du mal kommen könntest. Aber dies erscheint mir im Moment mehr als ein Traum." Das schreibt Margret Schübel am 20. November 1987 an ihren Freund Andreas Kretschel. Margret wohnt im westdeutschen Reutlingen, Andreas bei Hohenstein-Ernstthal in der DDR. Beide ahnen nicht, dass sich die Zeiten bald ändern werden.

Herbst 1989: Andreas Kretschel verfolgt gebannt die politischen Veränderungen in der DDR, in Osteuropa. Am 9. Oktober fährt er zu seiner ersten Demonstration nach Leipzig. "Wir sind erst mal gar nicht weit gekommen. Schon hinter Waldenburg gab es die erste Polizeikontrolle. Ich hab einfach gesagt, wir fahren zu meinem Onkel im Harz." In Leipzig angekommen, beschlich ihn "schon ein mulmiges Gefühl. Auf allen Straßen Armee, Polizei. An diesem Tag haben 70.000 Menschen in Leipzig demonstriert. Das war schon ein besonderer Moment. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke".

In der Tasche seines Anoraks hatte er eine kleine Beirette Electronic, mit der er einige Fotos von der Demonstration machte. Sie eröffnen den Band "Zeitenwende: Bilder einer friedlichen Revolution", der jetzt im Buchprogramm der Freien Presse erschienen ist. Von nun fuhr Andreas Kretschel, damals noch begeisterter Hobby-Fotograf, Woche für Woche, manchmal Tag für Tag zu den Demonstrationen nach Leipzig, Karl-Marx-Stadt, Berlin. Und bald war er sicher, "dass da etwas losgetreten war, das nicht mehr in die andere Richtung geht". Auch in Hohenstein-Ernstthal wurde demonstriert, standen Kerzen auf den Straßen. Zunächst, sagt Andreas Kretschel, habe er die Zeit vor allem für sich selbst in Bildern festhalten wollen, ab 1. Oktober 1990 fotografierte er dann beruflich für die Freie Presse. Seine Bilder lassen eine Zeit auferstehen, rufen in Erinnerung, was die Dramatik der vergangenen drei Jahrzehnte vielleicht schon zu oft verdrängt hat: den Mut der Frauen und Männer, die sich in dem verregneten Herbst 1989 erstmals auf die Straße wagten und ihren Forderungen nach Demokratie, Meinungs- und Reisefreiheit Ausdruck verliehen; die großen Kundgebungen vor den ersten freien Wahlen in der DDR mit Polit-Besuchen aus der "alten" Bundesrepublik; die Sehnsucht nach der D-Mark, schließlich der Wille zur deutschen Wiedervereinigung. Andreas Kretschels Fotos zeigen was war und was wurde: verfallende Häuser, desolate Straßen, kaum gesicherte Mülldeponien. Auf seinen Fotos sind die ersten Bananen aus dem Westen zu sehen und die letzten Sowjetsoldaten, die aus der Kaserne Oberlungwitz abziehen. Die ersten neuen Geschäftseröffnungen neben der Schließung des Dorfkonsums; der erste Banküberfall und die Eröffnung des Arbeitsamtes stehen stellvertretend für eine rasante Geschichte, in der Hoffnungen und Enttäuschungen bald dicht beieinander lagen, die aber nichtsdestotrotz auf friedlichem Wege neue Möglichkeiten eröffnete. Auch für Andreas Kretschel persönlich: Am 3. Oktober 1992 heirateten Margret Schübel und er. Schon Ende 1989 hatte seine spätere Frau gejubelt: "... ich freue mich, dass es so ist, wie im Moment! Es ist gigantisch!"

Das Buch "Zeitenwende: Bilder einer friedlichen Revolution" mit Fotos von Andreas Kretschel hat 228 Seiten, Hardcover. ISBN 978-3-944509-76-1, kostet 23,50 Euro. Es ist in den geöffneten Geschäftsstellen, im Online-Shop der Freien Presse und im Buchhandel erhältlich.

22 Kommentare
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    Freigeist14
    02.10.2020

    Ich muss mich doch sehr wundern ,wenn die Roten Daumen mir den Stolz auf mein eigenes Produkt (siehe oben ) versagen .

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    5
    Freigeist14
    02.10.2020

    Schade . Keine Erwähnung der Druckerei , die das Buch produziert hat :)