Domizil an der Gulaschkanone löst sich auf

Nach 25 Jahren ist Schluss. Die Feldküchen bleiben kalt. Deren Betreiber ist wohl in Rente. Doch am letzten Standort in Erla gibt's nun statt bisher hausgemachter Suppe nun hausgemachten Ärger.

Schwarzenberg/Erla.

"Es sieht schlimm aus, was sollen nur die Touristen denken, die dort vorbeifahren? Und nachts treiben sich dort auch dunkle Gestalten auf dem Gelände rum." Mit dieser Beobachtung wenden sich Bewohner der Region an die "Freie Presse".

Die Gulaschkanone an der Karlsbader Straße zwischen Schwarzenberg und Erla war über viele Jahre für Kraftfahrer ein beliebter Zwischenstopp, um sich mit einer hausgemachten Suppe zu stärken. Mehr noch. Dort gab es auch Obst, ein Getränk und Gelegenheit für einen Plausch. Die Feldküche an der S 272 gehörte zu den acht Imbisspunkten, mit denen sich Hans-Joachim Geuter aus Waschleithe nach 1995 ein neues Unternehmen, ein kleines "Gulasch-Imperium", aufbaute. Auf 150 bis 300 Gäste pro Tag hatte der Betreiber in einem "Freie Presse"-Interview im März 2014 verwiesen. Doch seit Monaten bleibt die Feldküche kalt. Der Platz ist verwaist.


Den Betreiber aktuell zu befragen, ist mehrfach gescheitert. Er und seine Frau hätten aufgehört, seien in den Ruhestand gegangen, sagen Verwandte. Das bestätigt auch Wolfgang Blechschmidt, der Eigentümer des Geländes an der Karlsbader Straße. "Allerdings zahlt Herr Geuter noch immer Miete und ist also noch dabei, das Gelände zu beräumen", so Blechschmidt. Dafür wolle er ihm auch noch Zeit einräumen, sagt er. Denn das Gelände an sich sei ja mit einem Zaun gesichert.

Böse Zungen behaupten zudem, dass der Imbiss aus hygienischen Gründen geschlossen wurde. Doch dem ist nicht so. Auf Anfrage bei der zuständigen Behörde teilte ein Sprecher des Landratsamtes Erzgebirgskreis mit, dass für diesen Imbiss kein aktuelles Verfahren im Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt anhängig sei.

Allerdings stimmt, dass sich mehrfach des Nachts Personen auf dem Gelände aufhielten. Das bestätigt die Polizei. Sie habe konkret am Abend des 8. Juni 2019 zwei Tatverdächtige auf frischer Tat auf dem Gelände festgestellt. Gegen beide Männer wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, so Marcus Gerschler von der Polizeidirektion Chemnitz. Die Vorgänge seien bereits an die Staatsanwaltschaft Chemnitz abgegeben worden, heißt es.

"Bei den beiden Tatverdächtigen handelt es sich um Obdachlose, die sich auf dem Gelände aufgehalten haben. In der Vergangenheit soll der Aufenthalt geduldet worden sein. Der jetzige Grundstückseigentümer ist mit dem Aufenthalt Dritter auf dem Grundstück jedoch nicht einverstanden. Den Männern wird vorgeworfen, in das umschlossene Grundstück eingedrungen zu sein und dabei einen Maschendrahtzaun beschädigt zu haben." Deshalb werde wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung ermittelt. Es sei beabsichtigt, das Verfahren in dieser Woche abzuschließen, teilte Staatsanwältin Jana Brockmeier auf Anfrage der "Freien Presse" mit.

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