Ein Plädoyer für die Suppe auf dem Teller

Kerstin Ebert verlässt den Augustusburger Stadtrat. Die Grünbergerin hat gute Gründe dafür. Dabei ist der Zeitpunkt für den Abschied kein Zufall.

Grünberg.

Es sind die kleinen Dinge, die für Kerstin Ebert große Bedeutung haben. "Dass es sauber ist, dass es schön ist, dass die Leute zufrieden sind", sagt sie. Wobei das beileibe keine kleinen Dinge sind: sauber, schön und zufrieden. Mit dem Rückzug von Kerstin Ebert verliert der Augustusburger Stadtrat eins der dienstältesten Mitglieder.

Seit 1994 engagiert sich Kerstin Ebert ehrenamtlich in der Kommunalpolitik. Damals gehörte sie zusammen mit dem heutigen Ortsvorsteher von Grünberg, Hans-Otto Kullig, zu den Gründern der örtlichen Wählergemeinschaft und zog in den Gemeinderat ein. Nach der Eingemeindung von Grünberg nach Augustusburg 1995 wurde sie ein Jahr später als Nachrückerin Mitglied im Stadtrat und blieb es bis heute ununterbrochen.

Dass die 59-jährige Verwaltungsfachwirtin, die in der Landesdirektion Sachsen arbeitet, sich gerade jetzt zum Rückzug entschlossen hat, ist kein Zufall. Kerstin Ebert ist seit einer Weile schwer erkrankt. Es gehe es ihr zwar den Umständen entsprechend gut, sagt sie, aber die Krankheit hat dazu geführt, dass sie ihr Leben sortiert. Was ist wichtig, welche Kämpfe lohnt es zu führen? Es ist kein Zufall, dass sie ihr Mandat niederlegt, kurz nachdem Bürgermeister Dirk Neubauer (SPD) angekündigt hat, für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. Die beiden sind häufig aneinandergeraten. Die Grünbergerin machte aus ihrer kritischen Grundhaltung selten einen Hehl, der Bürgermeister zeigte sich häufig genervt von den Nachfragen.

Kerstin Ebert mag freilich keine schmutzige Wäsche waschen. Sie mag aber auch nicht immer nur "Ja" sagen. Keine Konfrontation mehr, sie möchte Kraft und Geschick für die Dinge einsetzen, die wichtig sind - die Familie, ihre beiden Kinder, die Enkel und ihr Dorf natürlich. "Ich bleibe erst einmal Ortschaftsrätin in Grünberg", sagt sie. Sie bleibt also die engagierte Anwältin für die kleinen Dinge. Wenn sie hört, dass man doch gefälligst über den Tellerrand schauen sollte, antwortet sie, dass man immer mal wieder auch die Suppe auf dem Teller anschauen und noch besser: auslöffeln sollte.

Die überdachte Sitzgruppe für den Sportplatz, die als Grünberger Bürgerprojekt beantragt wurde. Ein Dutzend Rhododendronbüsche, die kürzlich in Grünberg gepflanzt wurden. Oder eine Tischtennisplatte, die mit Unterstützung eines Sponsors angeschafft werden konnte. "Ich habe mal gesagt, wenn die Straße saniert und das Geländer an den Teichen in Ordnung gebracht ist, wenn es einen Sportplatz gibt und die Schule wieder genutzt wird, dann höre ich auf", sagt Kerstin Ebert. Alles erledigt: Die Hauptstraße ist glatt gebügelt, das Areal an den Teichen ist eine grüne Oase. Der Sportplatz, dafür hat sie sich maßgeblich eingesetzt. Und die alte Schule ist zum Vereinstreff und Wohnhaus umgebaut. "Das haben wir dem Bürgermeister zu verdanken. Herr Neubauer hat das Projekt gegen Widerstand durchgesetzt", sagt sie anerkennend.

Falls der Stadtrat dem Antrag zustimmt und Kerstin Ebert den Stadtrat nach fast 25 Jahren verlässt, dann gibt es natürlich einen Nachrücker. Die Wählergemeinschaft Augustusburg hat mit neun Sitzen nicht nur die Mehrheit im Rat, sondern auch ein gutes Dutzend Nachrücker auf der Liste. Für Kerstin Ebert wird voraussichtlich Andreas Fütterer in den Stadtrat einziehen. Der Jurist ist seit Ende vorigen Jahres Mitglied im Aufsichtsrat der städtischen Seniorenhausgesellschaft.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.