Enkelin tritt in Omas Fußstapfen: 24-Jährige nun Chefin in Salons

Michelle Baier übernimmt Verantwortung für eine Familientradition und sieben Mitarbeiter. Sie ist gut vorbereitet.

Annaberg-Buchholz.

Der Jahreswechsel ist vielfach mit guten Wünschen und Vorsätzen gepflastert. Sie tragen und helfen, Neues zu meistern. Ganz besondere Herausforderungen warten seit Mittwoch auf Michelle Baier, die dafür besonders viele gute Wünsche mit auf den Weg nimmt. Die 24-Jährige hat mit dem neuen Jahr die Geschäftsführung des "Friseur & Shop Baier" in der Kreisstadt übernommen: zwei Geschäfte, sieben Mitarbeiter und eine Auszubildende stehen nun unter ihrer Leitung. Mit 66 Jahren geht ihre Oma Karin Baier in den Ruhestand. Nicht ohne die Enkeltochter gut eingearbeitet zu haben und ihre Hilfe auch weiterhin anzubieten.

"Seitdem ich im Jahr 2015 die Meisterausbildung begonnen habe, bereitet mich meine Oma auf die Geschäftsübernahme vor", berichtet sich Michelle Baier. Seit dieser Zeit durfte sie betriebsinterne Aufgaben übernehmen, darunter unter anderem die Bestellungen und die Umstellung des Kassensystems oder auch Tagesabschlüsse. "All mein Grundwissen habe ich von ihr. Ich bin reingewachsen, durfte alle Abläufe begleiten und habe bereits einen Lehrling ausgebildet", sagt sie.

Vor zwei Jahren hatte Michelle Baier schon einmal für Schlagzeilen gesorgt: Damals schaffte sie als 22-Jährige den Meisterabschluss und war damit die Jüngste, die dies erreicht hat. In den zwei Jahren dazwischen heiratete die Annabergerin und bekam eine Tochter. Viel Zeit für die Familie blieb nicht, denn seit März bereitet sich die junge Mutter intensiv auf die Geschäftsübernahme vor. "Die Fußstapfen, in die ich trete, sind sehr groß", weiß Michelle Baier.

Sie führt eine Familientradition fort, die am 1. Januar 1989 begonnen hat. Damals eröffnete Karin Baier ihren "Friseur und Shop Baier". Zwischenzeitlich hatte sie drei Geschäfte. 2004 eröffnete sie einen neuen Salon an der Großen Kirchgasse. Diesen erweiterte und modernisierte sie 2017. Elf Jahre lang war sie zudem Innungsobermeisterin der Friseurinnung Annaberg-Erzgebirge. Viele Jahre arbeitete sie im Vorstand der Kreishandwerkerschaft Erzgebirge. In den zurückliegenden 30 Jahren hat sie 28 Lehrlinge ausgebildet. Seit dem 1. Januar habe sie viel aufzuarbeiten, sagt die Rentnerin und lacht. Sie meint damit: "Ich werde mich mehr um meinen Mann kümmern, der in den zurückliegenden Jahren immer zurückstecken musste. Und ich werde verreisen", verrät sie ihre Pläne.

Sie übergibt an ihre Enkeltochter neben einem funktionierenden Geschäft ein motiviertes Team, auf das ihre Nachfolgerin bauen kann. "Ich werde mit der Generationsübernahme eine Tradition und die Salonphilosophie fortführen: Wir sind und bleiben ein Familiensalon für Kunden im Alter von 0 bis 90 Jahren - von der ersten Locke, die wir abschneiden, bis zum letzten Haar, das man verliert. Sowohl die Betreuung der Kunden als auch der Umgang mit den Mitarbeitern ist von gegenseitiger Achtung und Anerkennung geprägt", sagt Michelle Baier. Sie weiß, dass es ihr aufgrund ihrer Jugend noch an Erfahrung fehlt, doch sie ist engagiert, motiviert und auch ein bisschen stolz darauf, dass ihr dieses "Amt" in einem so jungen Alter übertragen wird. Sie wird das Erbe weitertragen und darüber hinaus neue Ideen einbringen. So soll es beispielsweise künftig Schulungsabende für Kunden und Mitarbeiter geben.

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