Er hämmert und hämmert und hämmert

Klassisches Schmiedehandwerk ist nach wie vor gefragt. Wie ein Beispiel aus Crimmitschau zeigt, kommt es darauf an, Nischen zu besetzen.

Crimmitschau/Blankenhain.

Kaum einen Handwerksberuf gibt es so lange, wie den des Schmiedes. Wie jedoch steht es in Zeiten von 3D-Druckern und Automatisierung um das antike Metallhandwerk bestellt? "Der Beruf des Schmiedes wird auch in Zukunft nicht aussterben", ist sich Günter Oertel sicher. Der 54-jährige ist Inhaber eines Schmiede-und Schlossereibetriebes im Crimmitschauer Ortsteil Blankenhain. Flugscharen und Hufeisen wie früher werden dort aber kaum noch hergestellt. Oertels Spezialgebiet: Kunstschmiedearbeiten. "Von Hand fertigen wir etwa Zäune, Tore, Fenstergitter oder Geländer." Zur Hand geht ihm dabei seit 1992 Geselle Andreas Trommer, Ehefrau Angela "die gute Seele des Betriebes" unterstützt bei der Organisation.

Als echter Generationenbetrieb ist die 1756 errichtete Schmiede seither in den Händen der Familie. "Ich war schon immer von Schmieden umgeben", so Oertel, der mit 14 Jahren das erste Mal den Hammer schwang.

Dass der stämmig muskulöse Mittfünfziger nie etwas anderes machen möchte, war ihm lange klar, als er zur Wendezeit den Betrieb vom Vater übernommen hatte. Die Zwei-Raum-Werkstatt neben einer 150 Quadratmeter großen Halle mit Lager bildet nach wie vor das Herzstück. Hier gibt es alles, was man mit Schmieden in Verbindung bringt - Die Esse, eine offene Feuerstelle zum Erhitzen der Metallteile, sowie ein massiver Amboss und ein kleines Abkühlbecken nur eine Armlänge daneben. Doch nicht jedes Metallteil wird mit dem Handhammer bearbeitet. Zum Inventar der Oertelschen Schmiede gehören auch drei Maschinenhämmer, einer davon stammt noch aus der UdSSR. An den Wänden hängen Zangen, Hämmer und andere Werkzeuge unterschiedlichster Form und Größe - gekauft ist davon nichts. "Ein echter Schmied macht sein Werkzeug selbst." Je nach Schwere, Härte und Material des zu bearbeitenden Teils muss genau das passende Werkzeug genutzt werden. Unerlässlich daher, dass jedes seinen festen Platz hat.

Ordnung sei beim Schmieden fast alles, sagt Oertel. Die verlange er auch seinen Lehrlingen ab. "Da bin ich sehr streng." Mit Nils Kaupe wird ab September ein neuer Azubi seine Ausbildung in Oertels Betrieb beginnen. Wie in der Branche üblich, musste der 16-jährige im Schulpraktikum zunächst beweisen, dass er das Zeug zum Schmied hat. Worauf es dabei ankommt? "Gutes Sehen, Gutes Fühlen, Gutes Hören", sagt Oertel. Ob ein Hammerschlag präzise sitzt, erkenne der Profi-Schmied auch am richtigen Klang.

Doch Schmieden ist weit mehr als Hämmern. Auch Zeichnen und Planen sind immens wichtig, denn lange vor dem ersten Schlag gilt es, Skizzen und Entwürfe anzufertigen. "Die Vorstellungen im Kopf müssen anschaulich zu Papier gebracht werden", sagt Oertel. Gerade seine oft von kunstvoll floralen Figuren geprägten Zäune und Geländer sollen schließlich den Geschmack der Kunden treffen. Die könnten jederzeit in die Werkstatt kommen und den Fortschritt der Projekte begutachten. Auch über Änderungen könne gesprochen werden.

Die meisten Kunden kommen aus der Region und schätzten die Transparenz und persönliche Betreuung. Auch aus Berlin oder München gebe es Anfragen. Alles über Empfehlungen, sagt Oertel. Einen Tag ohne Arbeit habe es noch nie gegeben. Viele Aufträge laufen parallel. "Wirtschaftliche Krisen habe sich bei mir nie bemerkbar gemacht." Anderen Schmiede aus Crimmitschau und Umgebung sieht Oertel nicht als Konkurrenz. "So ein Denken lehne ich ab. Wir arbeiten zusammen, nur so geht es voran im Handwerk." Einer der großen Vorteile des Schmiedehandwerks - "Hier kann man Dinge machen, die sonst niemand kann." Sicher könne vieles aus Katalogen der Industrie bestellt werden. Doch Oertels Zielgruppe ist eine Andere. Konkurrenz sieht er auch hier nicht: "Handwerk ist Handwerk. Industrie ist Industrie."

Günter Oertel möchte die Vorzüge des Handwerks gerne an die nächste Generation weitertragen. Dafür setzt er sich nicht nur im Stadtrat ein, sondern zeigt auch Jugendlichen auf Veranstaltungen, wie die Arbeit am Schmiedehammer geht. Denn: "Nachwuchssorgen machen wir uns schon etwas."

Ungeachtet der Tradition müsse daher niemand aus der Familie Oertels Betrieb übernehmen, wenn dieser mal in Rente geht. Bis dahin ist aber noch Zeit. Und auch zum Lernen ist es nie zu spät. Zu Oertels Geschäftsfeld gehört mittlerweile auch die Erhaltung und Restaurierung von Kulturgut. Daher befindet sich der Schmiedemeister aktuell in Ausbildung zum geprüften Restaurator.

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