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Eurostat: Inflation in der Eurozone erneut auf Rekordhoch

Datum: 31.05.2022
Inhaltlich geprüft durch: Christian Becker

Kaum haben sich Verbraucher von den schlechten Meldungen zur Preisentwicklung aus dem April erholt, kommt bereits die nächste Hiobsbotschaft. Das europäische Statistikamt Eurostat mit Sitz im Luxemburg veröffentlichte zur Wochenmitte die neuesten Daten zur Teuerung in Europa – genauer gesagt: im Euroraum. Und diese Informationen sprechen erneut eine deutliche Sprache. Im Mai 2022 stiegen die Preise in den Ländern der Währungsgemeinschaft auf ein weiteres historisches Hoch. Die Inflation lag nun bei 8,1 Prozent. Damit legten die Preise so massiv und schnell zu, wie es bisher noch nie der Fall gewesen war. Und bekanntlich musste der Euroraum seit der Euro-Einführung als offizielles Buchgeld im Jahr 1999 durchaus schon früher Krisen durchstehen. So folgenschwer wie der Krieg war jedoch nicht einmal die Bankenkrise ab Mitte der sogenannten „Nullerjahre“.

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Inflation stärker gestiegen als erwartet

Beachtlich ist die neueste Entwicklung aus wenigstens zwei Gründen. Auf der einen Seite zeigt der nochmalige Anstieg, wie dramatisch sich der Krieg in der Ukraine auf Europas Wirtschaft auswirkt. Die Inflation legte schließlich nochmals deutlich zu, nachdem die Preise in den Staaten des Euroraums schon im März und April deutlich um 7,4 Prozent zugelegt hatten. Zugleich zeigen die Angaben von Eurostat, dass es Experten dieser Tage schwerfällt, präzise Vorhersagen zu treffen. Viele Volkswirte hatten für den Mai zwar einen Anstieg erwartet. Allerdings lag die Erwartung bei 7,7 Prozent und damit doch recht klar unter den tatsächlichen Daten. Keine Überraschung hingegen ist die Erklärung zum Hauptgrund für die fortgesetzte Aufwärtsbewegung der Inflationsrate. Freilich sind es abermals die extrem hohen Kosten für Energie, die die Teuerung auf ihr nächstes Rekordhoch treiben.

 

Nicht nur Energie lässt die Teuerung weiter steigen

Eurostat vermeldete einen Anstieg der Energiekosten im 39,2 Prozent gegenüber dem Mai 2021. Auch hier verschärfte sich die Lage im Mai somit, denn im April 2022 waren die Energiepreise im Vorjahresvergleich „nur“ um 37,5 Prozent gestiegen. Eine minimale Entspannung gab es bei unverarbeiteten Lebensmitteln. Hier lag der Preisanstieg im Mai bei 9,1 Prozent. Im Vormonat waren die Preise um 9,2 Prozent gestiegen. Die Verbraucherpreise verzeichneten ein Plus von 0,8 Prozent, während Volkswirte einen Anstieg um 0,6 Prozent prognostiziert hatten. Im Bereich der Lebens- und Genussmittel lag der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr bei 7,5 Prozent. Um das Ausmaß der Inflationsentwicklung zu verstehen, reicht ein Blick auf die eigentlichen Ziele der Europäischen Zentralbank. Die EZB strebt als Optimum für ein stabiles Wirtschaftswachstum allgemein eine Inflationsrate in Höhe von 2,0 Prozent. Insofern sind die Länder der Eurozone weit entfernt vom Zielwert der europäischen Währungshüter.

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Experten sehen EZB in der Pflicht zur Zinsanhebung

Die spannende Frage im Energiesektor wird sein, ob staatliche Maßnahmen (die nicht nur in Deutschland auf dem Weg sind oder wenigstens diskutiert werden) eine ausreichend spürbare Entlastung für Haushalte und Industrie erreichen können. Auf der anderen Seite lassen die aktuellen Eurostat-Daten vielerorts die Hoffnung aufkeimen, dass die EZB ihre bisherigen Überlegungen in die Tat umsetzt und endlich das Ende der Niedrigzinspolitik einläutet. Viele Kritiker sind ohnehin der Überzeugung, die Europäische Zentralbank habe viel zu lange abgewartet und hätte längst eine allmähliche Änderung der jahrelangen Geldpolitik in Angriff nehmen müssen. Und das nicht allein deshalb, weil das US-Pendant, die Federal Reserve, schon seit einer ganzen Weile den Kauf von Anleihenpaketen reduziert und erste Anhebungen der Leitzinsen ankündigte. Analysten erwarten, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde und ihre Kollegen aus dem Rat der Zentralbank nun doch schneller aktiv werden könnten.

Lagarde hatte bisher in Aussicht gestellt, dass Negativzinsen bis Ende September wahrscheinlich der Vergangenheit angehören würden. Bei der kommenden Zinssitzung der EZB in der zweiten Juniwoche, so die Prognosen vieler Beobachter, dürfte eine erste Zinsanhebung für den Juli beschlossen werden. Sollte dies passieren, würde es sich um die erste Aufwärtskorrektur seit insgesamt elf Jahren handeln.

 

Warnungen vor sozialen Unruhen nehmen zu

Ungeachtet der möglichen Zinsentscheidungen rechnet die EZB in ihrem Monatsbericht für den Monat Mai mit „anhaltend hohen Preisen“ – sowohl für Rohstoffe und Vorprodukte als auch für Transportleistungen. Die Verbraucherpreise dürften ihrerseits über Monate hinweg weiter steigen. Vor diesem Hintergrund warnte unter anderem die Deutsche Bundesbank kürzlich sogar vor drohenden „sozialen Verwerfungen“ wegen eines Reallohnverlustes aufgrund steigender Preise. In deutschen Nachbarländern wie Belgien stehen bereits Streiks einiger Branchen bevor, die ihren Unmut mit Blick auf zunehmende Einbußen bezüglich der Kaufkraft zum Ausdruck bringen. Der Grund: Aktuelle Tariferhöhungen können steigende Preise nicht ausgleichen.

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