Kleine Tiere mit großen Aufgaben sterben aus

Über das rasante Insektensterben als alarmierenden Trend referiert am Montag Experte Matthias Nuß in Schneeberg. Er wirbt für den Schutz der Basis für Flora und Fauna.

Schneeberg.

Die Biomasse an Fluginsekten ist in den vergangenen 27 Jahren um 75 Prozent gesunken. Das gilt in Expertenkreisen als Alarmsignal. Noch dazu, weil diese Zahlen laut Matthias Scheffler aus Naturschutzgebieten stammen, wo die Welt bislang ja vermeintlich noch Ordnung schien.

Angst und Sorge sind aus zweierlei Gründen angebracht, sagt Scheffler vom Landschaftspflegeverband (LPV) Westerzgebirge mit Sitz in Lindenau. So bilden Insekten innerhalb der Nahrungskette die Basis für viele weitere Tierarten. Zudem wirken sie als Bestäuber für viele Wild- und Naturpflanzen. All diese Sektoren brechen mit deutlich weniger Insekten in rasanter Geschwindigkeit weg.

"Ich will mir die Folgen gar nicht ausmalen. Das unterschätzen leider immer noch einige Menschen", so Scheffler. In den Landschaften ohne besonderen Schutzstatus sei davon auszugehen, dass die Verluste noch viel dramatischer sind. Auch deshalb macht der LPV seit Ende 2018 mit einer Vortragsreihe auf die Artenvielfalt aufmerksam - ob mit Blick auf Vögel oder Landschaftsstrukturen.

Die ersten beiden Vorträge stießen mit jeweils 70 Zuhörern auf große Resonanz. Zum Thema Insekten am nächsten Montag werde es ähnlich, so Scheffler. Denn zu Gast ist dann in Schneeberg ein bekannter und viel gefragter Fachmann auf dem Gebiet: Matthias Nuß, Insektenkundler vom Senckenberg-Museum für Tierkunde in Dresden. Er hat im Bereich Insektensterben einen für fast alle Regionen gültigen, globalen Trend erkannt: Demnach sei davon auszugehen, dass in den nächsten Jahrzehnten mehr als 40 Prozent aller weltweit vorkommenden Insektenarten aussterben. "Nuß geht auf die Insekten und ihr Leben ein", so Scheffler. Noch wichtiger: Er zeige Möglichkeiten auf, wie deren Lebensbedingungen verbessert werden können. Dabei könne jeder auf ganz einfache Weise helfen.

Nach dem Vortrag stellt der LPV die konkrete Situation im Erzgebirge und Aktivitäten in der Region vor. Zudem wird ein Teil der interaktiven Insektenschau präsentiert, die noch bis Jahresende beim LPV in Lindenau zu sehen ist. Dabei schafft eine Geräuschkulisse mit Hummelsummen und Zirpen echtes Naturfeeling. Zudem geht es um Lebensräume, Ernährung und Anschauungsobjekte, die aus der Sammlung des Schönheiders Dietmar Höfer stammen.

Der Vortrag zum Thema Insektensterben am 11. März, beginnt 19 Uhr im Kirchgemeindehaus Schneeberg, Frauengasse 5. Eintritt frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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