18-jährige packt ihren Rucksack für Sambia

Manchmal trifft sich in Oberwiesenthal die Welt. Manchmal zieht es aber auch Oberwiesenthaler in die Welt. So wie Rosa Patzina. Nach Frankreich startet sie bald zum nächsten Abenteuer.

Oberwiesenthal.

Sambia im südlichen Afrika: zerklüftetes Gelände, artenreiche Tierwelt, viele Parks und Safari-Gegenden. Die berühmten Victoriafälle, die über mehr als 100 Meter in die schmale Batoka-Schlucht hinabstürzen. Und über den Sambesi, gleich unterhalb des Wasserfalls, spannt sich die Victoria Falls Bridge - ein spektakulärer Aussichtspunkt. Ein Land, das für viele nach Urlaub klingt. Nicht aber für Rosa Patzina aus Oberwiesenthal. Auf sie übt das 752.614 Quadratkilometer große Land mit einer Bevölkerungsdichte von gerade mal 23 Einwohnern pro Quadratkilometer einen ganz anderen Reiz aus: Die 18-Jährige will dort mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen arbeiten. Am 6. September geht es los.

Die Idee zu diesem Abenteuer kommt nicht von ungefähr. Ihre beiden Cousinen aus Annaberg-Buchholz haben es quasi vorgemacht: Alinde Gnatzy war für ein Jahr in Indien, ihre jüngere Schwester kommt in wenigen Tagen aus Argentinien zurück. Aber die Oberwiesenthalerin ist auch selbst Energiebündel genug - und vor allem reiselustig. So war die junge Katholikin schon viel im Rahmen der Jugendarbeit des Bistums unterwegs und hat dabei viele Freundschaften geschlossen - unter anderem beim Weltjugendtag vor zwei Jahren im polnischen Krakau. Zusammen mit ihrer Cousine Lida ist sie auch schon mal 2000 Kilometer durch Deutschland getrampt. Ein Erlebnis, von dem sie immer noch mit viel Begeisterung spricht. Nach dem Abitur am Sportgymnasium in ihrer Heimatstadt hat sie sich dann erst einmal einen sechsmonatigen Aufenthalt in Frankreich organisiert - als Au-pair bei einer Familie im Elsass. "Eine Zeit mit Höhen und Tiefen", erinnert sie sich, in der sie aber viele Erfahrungen sammeln konnte. Den Kontakt zur Familie hält sie immer noch.

Nun also Afrika. Dort schickt sie die Don Bosco Mission hin - ein weltweit agierender Orden, für den auch die beiden Gnatzy-Schwestern im Einsatz waren. Nach Vorbereitungsseminaren und Abschlussgespräch der spannende Moment, auf den sie lange gewartet hat: Rosa bekam per Brief ihren Einsatzort mitgeteilt. "Ich war überrascht. Aber ich habe mich auch gefreut. Denn Afrika hat mich schon am meisten interessiert." Und mittlerweile haben sich auch ihre Eltern Bibiane und Ralf mit dem Gedanken angefreundet, dass ihre Tochter für ein Jahr in Sambia leben und arbeiten wird - bei der Ordensgemeinschaft der Salesianer in der Stadt Mansa im Norden des Landes. "Bei den Brüdern werde ich mit noch einer jungen Deutschen untergebracht sein. Dort werden wir auch unsere Mahlzeiten einnehmen." Arbeiten werden sie dagegen an einer weiterführenden Schule mit etwa 600 Schülerinnen und Schülern im Alter zwischen 12 und 20 Jahren. Vor allem die Freizeit werden sie mit ihnen verbringen - "ein Stück Lebensweg mit ihnen gehen", wie sie selbst sagt. Und sie will den Kindern und Jugendlichen auch etwas mitgeben. Denn, davon ist sie fest überzeugt, die gemeinsame Zeit ist eine Bereicherung für beide Seiten. Auch wenn sie momentan noch etwas Respekt vor der fremden Sprache hat. Denn die dort lebenden Bemba haben ihre eigene Sprache. Amtssprache, die auch in der Schule gesprochen wird, sei aber Englisch. Ansonsten will sie ihre Erwartungen nicht "zu groß werden lassen". Und vorbereiten könne man sich sowieso nur bis zu einem gewissen Grad, das sei auch in den Erfahrungsberichten ehemaliger Freiwilliger deutlich geworden. "Auf den Rest muss man sich einlassen." Dabei hat sie auch das nötige Vertrauen in ihre Gastgeber vor Ort, deren Orden sie schon bei einem Praktikum kennengelernt hat. Denn das Don-Bosco-Werk ist weltweit aktiv, betreut auch in Deutschland mehrere Projekte - unter anderem auf dem Sonnenberg in Chemnitz. Auch dort werden Kinder aus benachteiligten beziehungsweise gefährdeten Familien betreut. Das zweiwöchige Praktikum dort hat sie schon begeistert. Und es hat sie in ihrem Vorhaben bestärkt für ihren Freiwilligeneinsatz: "Ich bin so behütet aufgewachsen. Nun will ich etwas zurückgeben", erklärt sie ihre Motivation. Und dann ist da noch der tiefe Glaube, der ihr die Gewissheit gibt: "Ich bin dort nie allein." Abergläubisch dagegen ist sie nicht. Ein Talisman wird deshalb nicht mit auf die lange Reise gehen. Dafür aber Fotos - von der Familie, von den Freunden. Und vorsichtshalber ein langer Pullover. Denn derzeit ist in Sambia Winter.

Themenabend: Morgen wird Rosa Patzina in einem Themenabend im evangelischen Gemeinderaum in Oberwiesenthal ab 19.30 Uhr über ihren Freiwilligendienst in Sambia sprechen. Wer die 18-Jährige bei ihrem Projekt finanziell unterstützen möchte, kann dies über das Spendenkonto der Don Bosco Mission bei der Sparkasse Köln Bonn tun: IBAN DE89 3705 0198 0000 0994 99; BIC COLSDE 33; Verwendungszweck Rosa Patzina S18VR012.


Die Don Bosco Mission

Die Salesianer Don Boscos sind eine 1859 gegründete Ordensgemeinschaft der römisch-katholischen Kirche. Die Gemeinschaft geht zurück auf den italienischen Priester Johannes Bosco, kurz Don Bosco genannt.

Mittlerweile gelten die Salesianer als die zweitgrößte männliche Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche und sind mit 17 000 Patres und Brüdern in 132 Ländern Asiens, Lateinamerikas, Afrikas und Osteuropas vertreten.

In Deutschland engagieren sie sich seit 1916. Die erste Niederlassung entstand in Würzburg. Heute gibt es in Deutschland 35 Niederlassungen und Einrichtungen. Rund 300 Salesianer engagieren sich zusammen mit etwa 1600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche.

24 junge Menschen im Alter ab 18 Jahren starten ab September ihren Dienst als "Don Bosco Volunteers". Bereits am 6. Juli hat die offizielle Entsendungsfeier mit einem feierlichen Gottesdienst in Sankt Winfried in Bonn stattgefunden. Die 19 Mädchen und 5 Jungen werden sich in Don Bosco Einrichtungen in aller Welt engagieren. In Bolivien, Kolumbien, Sambia, Ruanda, Togo und Indien werden sie sich um benachteiligte Kinder und Jugendliche kümmern - insbesondere Straßenkinder. In Blogs berichten sie über ihr spannendes Auslandsjahr.

www.donboscomission.de

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