20 Jahre im Einsatz für ein besseres Leben in Gambia

Ein Urlaub führte Karin Bergelt 1999 das erste Mal nach Afrika. Eine Reise, die Auswirkungen auf die kommenden Jahrzehnte haben sollte. Seitdem besucht sie einmal im Jahr das westafrikanische Land. Ihr Ziel: Familien, die sie unterstützt.

Mildenau.

Die Geschichte von Karin Bergelt und Afrika beginnt vor 20 Jahren. Damals, so erzählt die heute 63-Jährige, hat sie mit ihrer Tochter Urlaub in Gambia gemacht. Sie übernachteten im Hotel, gingen an den Strand - klassisches Touristenprogramm eben. Karin Bergelt ist aber ein kommunikativer Mensch, kommt schnell mit anderen ins Gespräch. Daher lernt sie zwei Einheimische kennen, die ihr die andere Seite Gambias zeigten. Sie luden sie zu sich nach Hause ein. Was sie da sah, treibt ihr noch heute die Tränen in die Augen. Die Unterkunft sei nicht viel mehr gewesen als eine Art überdachtes Bett. Der Vater des jungen Mannes, den sie am Strand getroffen hatte, lag auf Zementsäcken mitten im Dreck, drei Kinder mit Behinderungen gleich daneben. "Ich war so schockiert, ich habe einfach nur noch geweint", erzählt die Mildenauerin. In diesem Moment fasste sie einen Entschluss, der zu ihrem Lebensinhalt wurde: "Ich dachte nur noch, hier müssen wir helfen."

Das tut sie bis heute. Los ging es mit einer Art Soforthilfe. Sie und ihre Reisegruppe legten zusammen, kauften ein paar dringend notwendige Dinge. Zurück in der Heimat, überlegte sie, wie es weitergehen kann. Karin Bergelt kaufte ein Stück Land - 80 mal 100 Meter - in Gambia, das die Familie landwirtschaftlich bewirtschaften sollte. Hilfe zur Selbsthilfe, könnte man sagen. 15 Frauen, Männer und Kinder sollten so unterstützt werden. Doch was folgte, war eine tiefe Enttäuschung. Moses, der junge Mann, der ihr die Armut des Landes vor Augen geführt hatte, verkaufte das Land ohne ihr Wissen. Mit dem Geld wollte er nach Europa fliehen, was allerdings misslang. Doch das Grundstück war weg. Diese Erfahrung hätte wohl die meisten zum Aufgeben bewogen. Aber Karin Bergelt gab nicht auf. "Ich habe weitergemacht, weil da eine ganze Familie dranhing", sagt die Mildenauerin.

Seit 20 Jahren reist sie nun einmal jährlich nach Gambia, bleibt für mehrere Wochen. Im Gepäck hat sie Geld, Medikamente, auch mal eine Nähmaschine und andere Dinge, die in dem westafrikanischen Land gebraucht werden. Die benötigten Mittel, zum Beispiel für die Flugtickets, spart sie sich vom Mund ab. Denn Karin Bergelt hat selbst nicht viel. Und sie hat Unterstützer, die seit Jahren zur Seite stehen, Geld für ihre Hilfe spenden, wofür sie sehr dankbar ist. "Das Land ist zu meiner zweiten Heimat geworden." Wegen ihrer Hilfe können Kinder in die Schule gehen, haben ihre Schützlinge nun eine Trockentoilette, einen überdachten Kochbereich, öfter eine warme Mahlzeit. "Eine Handvoll Reis", sagt Bergelt, das sei es, was ihr besonders wichtig ist. Kleine Erfolge, das weiß die Mildenauerin. Aber Erfolge. Nichtsdestotrotz verlangt ihr ihre Hilfe für Afrika einiges ab.

Karin Bergelt hat gesundheitliche Probleme. Die Reisen sind daher sehr anstrengend. Zudem nimmt sie sich vor Ort selbst zurück, lebt in Gambia äußerst einfach. "Wer mich hier kennt und mich dort erleben könnte, würde zwei verschiedene Menschen sehen", sagt sie. Sie hat Gewalt, Aufstände, Unterdrückung miterlebt. Einmal wurde sie sogar inhaftiert, so die 63-Jährige. Dennoch überwiege das Positive. "Ich bin von dem Land und seinen Menschen fasziniert." Sie helfe aus Idealismus, aus Menschenliebe.

Im März wird Karin Bergelt nach 20 Jahren vermutlich zum letzten Mal die lange Reise zu ihren Zweit-Familien in Gambia antreten. Ihre Gesundheit habe sich verschlechtert. Im Gebäck hat sie dann auch wieder die Unterstützung von vielen weiteren Menschen, die sie in ihrer erzgebirgischen Heimat unterstützen. "Ich kann nicht um Spenden bitten." Doch manche Leute helfen auch so, wenn Karin Bergelt über das Leben der Menschen in Gambia spricht. In Vorträgen berichtet sie von ihrer Arbeit. Eine eigene Hilfsorganisation oder der Anschluss an eine bestehende kam für sie nie wirklich infrage. Ihre Hilfe sollte direkt sein, jeder Euro bei den Leuten vor Ort ankommen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...