750 Jahre Mildenau: Die Geschichte eines Dorfes

Vor mehr als 800 Jahren wurde Mildenau besiedelt. 1270 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Heiko Melzer hat nun eine Chronik über seinen Heimatort verfasst. Vieles dürfte selbst den Einheimischen noch nicht bekannt gewesen sein.

Mildenau.

Die Leidenschaft für historische Daten, Namen und geschichtsträchtige Fakten liegt Heiko Melzer im Blut. Für seinen Ort und vor allem den Bergbau hat sich der Mildenauer schon immer interessiert. Richtig Fahrt hat dieses Interesse dann vor etwa 20 Jahren aufgenommen. Sein Großvater wurde damals 90 Jahre alt. Melzer begann, die Erinnerungen seines Opas aufzuschreiben, Familienforschung zu betreiben. Er sammelte Bilder, lernte die altdeutsche Schrift, stöberte in verstaubten Büchern, ging in Archive ... Über die Stammbaumforschung kam auch immer mehr Material über Mildenau zusammen. Meterhohe Stapel türmten sich bei Heiko Melzer. Doch was damit tun? Schon vor Jahren fasste der heute 49-Jährige den Entschluss, die gesammelten Daten zu bündeln und zu einer Chronik zusammenzufassen. Puzzleteil für Puzzleteil setzte er die Informationen zu einem Ganzen zusammen.

"Mildenau", so heißt die Chronik, die Melzer nun veröffentlicht hat. Hinter dem schlichten, aber treffenden Titel verbergen sich unzählige Informationen. Einiges dürften selbst viele Mildenauer noch nicht wissen. Da ist zum Beispiel die Geschichte, dass das heutige Mildenau sich einst aus zwei Dörfern bildete. "Deshalb ist Mildenau so lang", erzählt Heiko Melzer, der neben seinem Chronistendasein auch Chef des örtlichen Bauhofes ist. Das Oberdorf war früher eigenständig und hieß Reichenau. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde Reichenau letztmalig erwähnt. Die beiden Dörfer waren zusammengewachsen. Ein Prozess, der Jahrhunderte dauerte. Nachweisen lässt sich das unter anderem auch durch die Betrachtung der Nachnamen. Man kam sich auch verwandtschaftlich näher, schreibt Melzer. "Müllers, Meyers und Nestlers gab es jetzt auch im Oberdorf, Langers und Fiedlers im Unterdorf."

Apropos Namen. Die haben es Heiko Melzer neben Zahlen und Daten besonders angetan. Richtig zugeordnet und interpretiert geben sie viel Interessantes preis. Unter anderem zeigt der Chronist in seinem Buch, dass der Umstand, dass Mildenau zur Preußenzeit Garnisons-Standort war, zu einigen Verbandlungen im Ort geführt haben muss. Die Nachnamensvielfalt nahm zu. "Mindestens 22 aktive und ehemalige Angehörige der 'Klug'schen Compagnie des Arnim'schen Cürassierregementes traten zwischen 1764 und 1784 mit jungen Mildenauer Frauen vor den hiesigen Traualtar." So kamen beispielsweise Namen wie Zöllner und Krauße ins Dorf und blieben bis heute.

Bei seinen Recherchen stieß Heiko Melzer auch auf Menschen, denen bis heute Respekt gebührt. Unter dem Kapitel "Die medizinische Entwicklung" erzählt der 49-Jährige beispielsweise von Carl Christian Pohler. Von 1793 bis 1807 wirkte er als eine Art Arzt in Mildenau. Er führte laut Heiko Melzer die ersten Pockenimpfungen in der Gemeinde durch - und das Jahre bevor die Impfpflicht in Sachsen eingeführt wurde und auf eigene Kosten. Aus Sicht Melzers sei Pohler ein Mensch, nach dem in Mildenau auch mal eine Straße benannt werden könnte, um an diese Leistung zu erinnern. Johann Theodor Roscher (1755 bis 1829) gehört ebenfalls dazu. Der gebürtige Mildenauer machte in der Glasindustrie Karriere. Er experimentierte mit einheimischen Materialien und schaffte es so, die in Konkurs stehende Spiegelglasfabrik Friedrichsthal wirtschaftlicher zu machen. "Er bereitete so den Nährboden für die Einführung der Hohlglasfertigung ab 1787 (Flaschen, Gläser)." Das Unternehmen wurde damit weltberühmt. Die Figur Roscher zeigt auch, wie akribisch Heiko Melzer in seinen Recherchen vorgegangen ist. Denn in der Chronik ist ein Bild von dem Mildenauer zu sehen. Erhalten hat er es von den Nachfahren, die in Norwegen leben.

Mehr als 200 Bilder hat Melzer für "Mildenau" zusammengetragen. Hinter den rund 400 Seiten steckt eine Menge Arbeit. "Ich habe oft nachts gearbeitet." Mit fünf Stunden Schlaf komme er aus. Die erste Auflage umfasst 500 Exemplare. Einige Hundert sind bereits verkauft. Finanziert wurde der Druck von der Gemeinde. "Im Gegenzug fließen sämtliche Einnahmen aus dem Buchverkauf in die Finanzierung des Dorffestes ein." Heiko Melzer nennt es seinen Beitrag zur 750-Jahr-Feier in diesem Jahr.

750jahre.mildenau.de

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