81-Jähriger schreibt per Whatsapp mit Pflegedienst

Von wegen ein Smartphone ist nichts für Ältere! "Alles eine Frage des Wollens", sagt Dietrich Kienast, der darauf schwört.

Schwarzenberg.

Viele Senioren mögen sich davor scheuen, für Dietrich Kienast ist sein Smartphone die Verbindung zur Außenwelt. Ein Kästel, das der 81-Jährige nicht mehr missen möchte. Streikt es mal , dann muss möglichst schnell Ersatz her, schließlich kommuniziert der pflegebedürftige Schwarzenberger rege per Whatsapp mit den "Mädels vom Pflegedienst". Und die freuen sich. "Das ist auch für uns eine tolle Sache, denn schließlich steht man doch mal im Stau und verspätet sich. Da kann man schnell Bescheid geben, wenn was ist", sagt Andrea Enke, die für den ambulanten Pflegedienst "Sigi" auf Tour ist.

"Herr Kienast ist aber nicht der einzige, der mit uns über Whatsapp Kontakt hält. Das machen bei uns noch mehrere Patienten, auch Frauen", sagt Astrid Bär, die vor einem Jahr den Pflegedienst gegründet hat. Zuvor hatte sie selbst über viele Jahre ihre kranke Mutter gepflegt.

Familiär geht es zu, wenn die Mitarbeiterinnen des Pflegedienstes kommen. "Das ist wirklich Pflege mit Herz", sagt der 81-Jährige, der unter COPD leidet. Diese Krankheit fesselt ihn mittlerweile ans Sauerstoffgerät und somit an die Wohnung. Wie versiert der alte Herr mit seinem Smartphone umgeht, zeigt sich prompt. So drückt er auf den Knopf, spricht laut und deutlich die Buchstaben COPD, um mir die Abkürzung zu erklären. Demnach stehen die Buchstaben für Chronic Obstructive Pulmonary Disease und dahinter verbirgt sich eine chronisch verlaufende Lungenerkrankung. Was das für ihn bedeutet, weiß Dietrich Kienast sehr wohl, schließlich hat er einmal als examinierte Krankenpfleger gearbeitet, war später Stationspfleger und hat sich schließlich zum Ökonom im Gesundheitswesen qualifiziert. "Zuletzt war ich aber als Leiter für An- und Verkauf im Kohlehandel Chemnitz tätig", erzählt er. Doch woher kommt das Interesse für die moderne Technik? "Nach der Wende ging das los. Da hab ich mir meinen ersten Computer gekauft, so einen großen", erzählt er. Noch heute sitze er gern mal am PC, mittlerweile natürlich an einem moderneren. Doch mehr als eine Stunde lassen die Augen nicht mehr zu. Das Handy hingegen liegt immer griffbereit auf dem Tisch. Da schickt er auch schon mal liebe Urlaubs- oder Geburtstagsgrüße an seine Pflegerinnen. Oder eine Bitte, ihm dies oder das mal mitzubringen. Die technischen Raffinessen, wie die Anmeldung bei Facebook, die erledigt Enkel Tom für den Opa. Der 20-Jährige wohnt bei ihm, hat viele Jahre die Oma mit gepflegt und arbeitet bereits in der Altenpflege als Pflegehilfskraft mit dem Ziel, nächstes Jahr die Ausbildung zum Altenpfleger zu beginnen.

Schreiben ohne echte Tasten? "Kein Problem! Das ist alles eine Frage des Wollens", sagt Kienast und tippt die neue Nummer von Schwester Andrea in sein Handy ein.

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