Abfallverband Chemnitz steht vor Auflösung

Der Kreistag Mittelsachsen berät über die Beendigung der Mitgliedschaft. Im Erzgebirge ist die Entscheidung gefallen.

Freiberg.

Nachdem der Erzgebirgs-Kreistag beschlossen hat, den Abfallwirtschaftsverband Chemnitz (AWVC) verlassen zu wollen, gibt es ähnliche Überlegungen auch in Mittelsachsen. Das geht aus der Tagesordnung für die öffentliche Sitzung des mittelsächsischen Kreistages am 5. Dezember dieses Jahres hervor. Durch den Austritt werde die Müllentsorgung für den Bürger günstiger, lautet das Argument. Stimmen die Kreisräte zu, käme das der Auflösung des Verbands gleich.

Der 1991 gegründete Verband umfasst neben der Stadt Chemnitz, die dann einziges Mitglied wäre, die Altkreise Freiberg und Mittweida sowie Mittleres Erzgebirge. Letzterer gehört heute zum Erzgebirgskreis, der dieses Gebiet mit in den Abfallverband Westsachsen eingliedern will. Der Beweggrund für Mittelsachsen ist offenbar die Frage, ob es sich noch lohnt, aus dem Restabfall vor der Verbrennung - in der Branche wird von "thermischer Verwertung" gesprochen - Metalle, Wasser und andere Stoffe herauszufiltern.

Der AWVC betreibt seit 2005 dafür eine eigene Restabfallbehandlungsanlage am Weißen Weg nahe der B 173 am östlichen Stadtrand von Chemnitz. Laut AWVC-Geschäftsführerin Sabine Weikert können dadurch "mittelfristig Marktschwankungen abgefedert" werden: "Sicher lassen sich bei kurzfristiger Betrachtung auch günstigere Lösungen finden, aber das ist eine Frage der Philosophie, die man verfolgt."

Jens Irmer hält als Geschäftsführer der EKM Entsorgungsdienste Kreis Mittelsachsen dagegen: "Die eigene Anlage mag ökologisch sinnvoll sein. Aber die jüngste Ausschreibung im Verband für die Jahre 2020 bis 2025 hat eindeutig ergeben, dass unbehandelter Restabfall günstiger entsorgt werden kann." Durch die Vorbehandlung werde der Müll zwar um etwa 20 Prozent reduziert, dafür verschlechterten sich aber die Brenneigenschaften, was wiederum höhere Preise für die Verbrennung nach sich ziehe. Die Erlöse aus dem Verkauf der herausgefilterten Metalle machten die Mehrkosten nicht wett, so Irmer: "Wir müssen die Interessen unserer Bürger vertreten."

Dennoch war Mittelsachsen bei der Auftragsvergabe überstimmt worden. Sollte der AWVC auseinanderbrechen, sei ihr um die Auslastung der Anlage am Weißen Weg nicht bange, sagt Geschäftsführerin Weikert: "Wir haben derzeit viele Anfragen auch von außerhalb."

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