Abriss-Idee für Fabrikgebäude stößt bei Grünen auf Kritik

Die Zukunft der alten "Hunnert" im Zwönitzer Ortsteil Hormersdorf ist ungewiss. Überlegungen, sie abzureißen, bezeichnet eine Politikerin jetzt als "Kapitalvernichtung". Das Landratsamt hat dazu eine andere Meinung.

Zwönitz.

Der mögliche Abriss der "Hunnert" in Zwönitz-Hormersdorf sorgt für Diskussionen. Die Grünen-Kreisrätin Ulrike Kahl, die für den Erhalt des markanten Bauwerks kämpft, sagt nun: "Es erscheint absurd und übereilt, dieses Denkmal dem Abriss zu opfern." Laut der Politikerin gehört das vom Chemnitzer Architekten Curt im Jahr 1927 erbaute Industriegebäude zu einem der letzten, die noch die Architektur der "Roten Moderne" aufweisen, einer Abwandlung des Expressionismus. Das Anwesen sei eine Landmarke des Ortes und eine der letzten Strumpffabriken in der Region.

Weil das Gebäude nach Angaben der Stadt Zwönitz aber in einem eher maroden Zustand ist, könnte es eines Tages weichen. "Die Vernunft muss die Chance haben zu siegen", hatte Bürgermeister Wolfgang Triebert (CDU) vor einigen Wochen in einer Sitzung des Stadtrates erklärt. Die Kommune sei mit dem Ankauf des historischen Speichers, der in den nächsten Jahren für einen Millionenbetrag erneuert werden soll, bereits finanziell eng gebunden - eine Sanierung der "Hunnert" deswegen nicht möglich.

Der Technische Ausschuss der Stadt hatte bereits 2018 dafür votiert, das Haus von der Denkmalliste streichen zu lassen. Stimmt die Denkmalschutzbehörde des Landes dem zu, könnten die Abrissbagger anrollen. Kahl kritisiert das mit deutlichen Worten: "Ein intaktes Gebäude abzubrechen, kommt einer Kapitalvernichtung gleich." Denn nach Angaben des Landratsamtes birgt das Gebäude weder Sicherheits- noch Standfestigkeitsmängel. "Nur weil augenblicklich keine Nutzungsoption gesehen wird, schnell die Abrissbirne zu schwingen, ist kurzsichtig und wird dem Ruf unserer Region als Kulturland nicht gerecht", sagt Kahl. Die Grünen-Politikerin hatte sich noch im vorigen Jahr mit einer Anfrage an das Landratsamt gewandt. Darin erkundigte sie sich zum Bauzustand und fragte, wie sich die Behörde zur Löschung des Denkmalschutzes positioniert. Die Antwort: Die Argumente der Stadt Zwönitz seien nachvollziehbar, zumal sich die Bergstadt bereits "überdurchschnittlich" für die Denkmalpflege einsetze, heißt es. Als Beispiele werden das Hotel Roß und der Speicher genannt.

Nach Angaben der Kreisverwaltung lehnt es die Stadt vor allem aus haushalterischen Gründen ab, die "Hunnert" zu erhalten. "Somit wäre dieses Denkmal früher oder später dem Verfall preisgegeben." Ob der Schutzstatus gelöscht wird, müsse am Ende das Landesamt für Denkmalpflege entscheiden.

Auch im sächsischen Landtag spielten die Abrisspläne vor kurzem eine Rolle. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Wolfram Günther, hatte sich mit einer Kleinen Anfrage an die Landesregierung gewandt und nach dem Denkmalwert der "Hunnert" gefragt. Innenminister Roland Wöller (CDU) verweist in seiner Antwort auf die individuelle Gestaltung des Gebäudes. Der Bau spiegele zudem die Entwicklung der Industriekultur wider. "Dass mit solchen Großbauten im dörflichen Umfeld auch gewachsene Strukturen zerstört wurden, gehört zur Geschichte der Industrialisierung", heißt es.

Bürgermeister Triebert kann die Aufregung nicht verstehen. Er sagt zum Vorstoß von Kahl: "Ich hätte erwartet, dass sie erst einmal Kontakt mit mir aufnimmt." Die Stadt strebe nicht zwingend einen Abriss an, sondern zunächst nur das Löschen des Denkmalschutzes. "Wir haben einen Investor, der bereit ist, zu investieren, aber nicht solange der Bau unter Denkmalschutz steht." Er verrät: Die Diakonie könne sich als Betreiber an dem Standort ein betreutes Wohnprojekt mit Pflegeangeboten vorstellen. Das komplette Gebäude lasse sich zwar voraussichtlich in die Pläne nicht integrieren, aber zumindest Teile.

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