Abschied nach vielen Jahren: Kantorin reizt neue Aufgabe

Carola Kowal verlässt die evangelisch-lutherischen Kirchgemeinden in Oberwiesenthal und Bärenstein. Die Verbindung dorthin soll aber nicht abreißen. Denn sie bleibt im Erzgebirge.

Oberwiesenthal/Bärenstein.

Ende Februar verabschiedet sich Kantorin Carola Kowal aus dem Kirchenbezirk Annaberg. Sie wechselt nach Zschopau. Nach 16 Jahren Dienst in den Kirchgemeinden Oberwiesenthal und Bärenstein reizt sie die neue Herausforderung. "Das hat nichts mit privaten Befindlichkeiten zu tun", sagt die 47-Jährige. "Ich bin ganz offiziell angefragt worden. Die Stellenbeschreibung in Zschopau passt genau auf das, was ich leisten kann. Ich trete dort eine Stelle als Kantorin in Zschopau und Dittersdorf an und begleite zusätzlich ein überregionales Amt im Bereich Kirche-Jugend-Bildung", erklärt sie.

Die gebürtige Dresdnerin kam nach ihrem Musikstudium Anfang der 1990er-Jahre mit vielen guten Ideen ins Erzgebirge. Neben der Leidenschaft für die Kirchenmusik brachte Carola Kowal auch die Liebe zu den Pferden mit ins Gebirge. "Beides ist mir wichtig", sagt die Kantorin. Und beides prägt nach wie vor ihren Alltag.

Nachdem Carola Kowal Ende der 1990er-Jahre vor allem als Landwirtin und Reitlehrerin in Unterwiesenthal arbeitete, bewarb sich die dreifache Mutter 2003 auf die frei gewordene Kantorenstelle in Oberwiesenthal. "Für mich ist der Kantorenberuf vor allem Berufung. Ich arbeite mit Musik und in möglichst bester Qualität im Dienst für Jesus. Das ist meine Motivation", verrät die Wahl- Erzgebirgerin. In Oberwiesenthal zog sie dann alle Register, die das Arbeitsfeld bietet. Sie baute den Kirchenchor, die Kurrende und einen Flötenkreis auf, kümmerte sich um die marode Orgel und pflegte hilfreiche Kontakte. Als nach kurzer Zeit die Stelle in Bärenstein hinzukam, lernte die Kantorin Tenorhorn und Trompete spielen, um den dortigen Posaunenchor neu zu beleben. Immer wieder ist Carola Kowal auch als Solistin unterwegs. Das Genie in allen Tonlagen der Blockflöte spielt Konzerte in St. Annen und über die Region hinaus. "Die Blockflöte ist mehr als ein Kinderinstrument", sagt sie.

Infolge der Sparpläne der sächsischen Landeskirche und der damit verbundenen Regionalisierung pendelt Carola Kowal mittlerweile zwischen dem Sehma- und dem Pöhlbachtal. Sie übernimmt zudem Vertretungen in Cranzahl und Neudorf, unterstützt musikalische Projekte und koordiniert eigene musikalische Veranstaltungen in Oberwiesenthal und Bärenstein. "Das wird auch in Zukunft so sein", blickt die Kirchenmusikerin voraus. "Sänger und Musiker im kirchlichen Ehrenamt werden weniger. Die Verbindlichkeit der Leute nimmt ab", erlebt sie.

Kirchenmusikdirektor Matthias Süß bedauert es, dass die Kantorin wechselt. "Carola Kowal hat wichtige Akzente gesetzt. Sie hat zum Beispiel die Blockflötenarbeit im Kirchenbezirk unwahrscheinlich vorangebracht." Kenny Mehnert, Pfarrer der Kirchgemeinden am Fichtelberg und Bärenstein, sieht sich mit dem Weggang der Kantorin zunehmend in Einzelkämpferposition entlang der Grenze. "Wir werden Kirche neu denken müssen", sagt er und hofft auf eine baldige Neubesetzung der Stelle. Zunächst wird Kantor Frank Thiemer die wesentlichen kirchenmusikalischen Aufgaben in Oberwiesenthal, Bärenstein, Cranzahl und Neudorf übernehmen.

Ein Abschiedskonzert mit den Kantoreien der vier Gemeinden, Solisten und dem verstärkten Sehmataler Kantatenorchester findet am 2.Februar zum Abschluss der Weihnachtszeit in der Martin-Luther-Kirche Oberwiesenthal statt. Erklingen wird dort ab 19.30 Uhr das Oboenkonzert G-Dur von Georg Philipp Telemann mit dem Solisten Andreas Lorenz (Dresden). Außerdem sind die 3. Kantate aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach sowie weitere Choräle und Arien zu hören. Die Leitung hat Carola Kowal.

Die Kantorin Carola Kowal wird am 3. Februar während eines Nachmittagsgottesdienstes in der der evangelisch-lutherischen Kirche in Bärenstein verabschiedet. Er beginnt 14 Uhr.

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