Abwassersubventionierung fällt Jöhstadt jetzt auf Füße

Die Bürger zahlen seit Jahren vergleichsweise niedrige Gebühren. Die Frage ist, wie lange dieses Modell noch funktioniert.

Jöhstadt.

Weit und breit ist Jöhstadt die einzige Stadt, die die Abwasserentsorgung noch komplett in Eigenregie betreibt. Das ist alles andere als eine billige Angelegenheit, jedenfalls nicht für die Stadt. Für die Bürger aber offenbar schon. Sie zahlen seit Jahren 2,71 Euro pro Kubikmeter Abwasser. Gebühren, die um einiges unter denen etwa des Abwasserzweckverbandes (AZV) "Oberes Zschopau- und Sehmatal" liegen. Und genau deshalb aber tut sich der Stadtrat aktuell schwer, mit dem AZV einen Kooperationsvertrag zu schließen. Dabei geht es aktuell (noch) nicht um die Eingliederung Jöhstadts in den AZV, sondern nur darum, dass der Verband für die Bergstadt abwassertechnische Verwaltungsaufgaben übernimmt. Jöhstadt selbst kann diese nicht mehr leisten, weil der zuständige Mitarbeiter in den Ruhestand gegangen ist, braucht also Hilfe.

Der dafür nötige Beschluss des Stadtrates wurde nach der Vertagung im Dezember auch am vergangenen Donnerstag nicht gefasst. Das lag unter anderem daran, dass den Räten keine Zahlen dazu vorlagen. Zum anderen erfuhr das Gremium von Bürgermeister Olaf Oettel (parteilos), dass die bisherige Kalkulation der Verwaltungsarbeit, die nun an den AZV abgegeben werden soll, eigentlich über Jahre schon schön gerechnet wurde, um die Abwassergebühr niedrig zu halten. Mit anderen Worten, die Stadt hat die Abwasserentsorgung für ihre Bürger subventioniert. Als konkretes Beispiel führte Oettel an, dass pro Jahr für abwassertechnische Verwaltungsaufgaben lediglich 600 Euro kalkuliert wurden. Das hieße, der in den Ruhestand gegangene Mitarbeiter war nur vier oder fünf Tage im Jahr für den Bereich Abwasser tätig. Seine tatsächlich über das Jahr dafür geleisteten Stunden wurden einfach über das Bauamt mit abgerechnet, für das der Mitarbeiter eigentlich tätig war. "Damit verschleiern wir im Prinzip die tatsächlichen Kosten", sagte Oettel.

Jörg Walther, Geschäftsführer des AZV, der zu dieser Ratssitzung eingeladen war, sah die Tendenzen kritisch. "Es ist sicher schön, den Bürgern niedrige Gebühren anzubieten und das Abwasser ein stückweit zu subventionieren. Allerdings darf man sich anschließend nicht wundern, wenn das Geld für die eigentlichen Aufgaben einer Kommune nicht mehr reicht", so Walther. Er verlangte von der Stadt Jöhstadt "ehrlich zu sich selbst zu sein" und eine vernünftige Kalkulation aufzustellen. Dann werde man feststellen, dass die Zahlen des AZV keine Abzocke darstellen, wie von einigen Stadträten in der Dezembersitzung dem Verband vorgeworfen wurde. Dahingehend machte Walther dem Gremium klar, dass der AZV ein Zusammenschluss ausschließlich von Städten und Gemeinden der Region zum Zweck der Abwasserbeseitigung ist. Auch erläuterte er, dass dieser Verband keinen Gewinn machen dürfe. "Es wird niemand abgezockt", so Walther.

Damit Jöhstadt nun mit den Verwaltungsaufgaben nicht länger in der Luft hängt, schlug Walther vor, dass man sich zeitnah noch einmal in kleinerem Rahmen trifft. Dabei soll versucht werden, sich anhand konkreter Zahlen auf eine Zusammenarbeit zu verständigen.

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