Albinos häufiger vor der Linse

Das weiße Fell ist eine Laune der Natur und fasziniert die Menschen. Die Tiere haben davon keinen Nutzen - im Gegenteil.

Weißbach/Gelenau.

Albino-Rehe sind offenbar gar nicht so selten, wie zunächst angenommen. In Medienberichten tauchen immer wieder Berichte über die Tiere mit dem weißen Fell auf, die in verschiedenen Teilen des Erzgebirges gesehen wurden. In einem Waldstück zwischen Weißbach und Gornau scheint das zudem häufiger zu passieren als anderswo.

Die jüngsten Aufnahmen stammen erst aus diesen Tagen. "Kurz nach dem Hellwerden fuhr ich zu meinem Gartengrundstück und sah es zufällig aus dem Auto heraus am Waldrand stehen", berichtet Heiko Neubert. In seiner Heimatgemeinde ist der Gelenauer ein bekannter Fotograf. Im Ort hält er viele festliche und bedeutende Höhepunkte im Bild fest. Eine Kamera hat Heiko Neubert meistens dabei. Am 5. und 6. September gelangen ihm nahe der Gartenanlage zwischen Gelenau und Weißbach mehrere Schnappschüsse. Schon elf Jahre zuvor hatte er ganz in der Nähe ein weißes Reh vor die Linse bekommen.

Die heute vorhandenen technischen Möglichkeiten tragen nach Ansicht der Tierpräparatorin und Jägerin Claudia Glöckner mit dazu bei, dass von Zeit zu Zeit über die seltenen Tiere berichtet wird. "Weiße Rehe hat es im Prinzip schon immer gegeben. Aber weil heute jeder was zum Fotografieren hat und ich glaube auch mehr Leute in der Natur unterwegs sind, kommt das mehr ins öffentliche Bewusstsein", sagt die Hopfgartenerin. Oft sind Albino-Rehe halb blind und werden nicht alt, fügt sie hinzu. Claudia Glöckner muss es wissen. Vor Jahren hatte sie den Auftrag, von einem aus Thüringen stammenden Bock ein Präparat anzufertigen. "Das Tier hatte Geschwüre an den Augen und war blind", berichtet die Hopfgartenerin. Das Fell eines weiteren Albino-Rehs, das 2009 bei Weißbach von einem Auto überrollt wurde, liegt bei ihr in der Tiefkühltruhe. Das Tier ist körperlich sehr schwach gewesen. Albinismus kann auch bei anderen Tieren unabhängig vom Lebensraum auftreten. Claudia Glöckner berichtet von einer fast weißen Blaumeise, die sie am Futterhaus gesehen habe und die am anderen Tag schon nicht mehr da gewesen sei.

Bei reinen Albinos sind die Haare völlig weiß, die Augen rot. Es handelt sich um eine Mutation, die unter Umständen regional gehäuft auftritt, falls solche Gene in Tierfamilien vererbt werden. "Weil die Tiere wegen ihrer fehlenden Sehkraft oft weniger lebenstüchtig und wegen der fehlenden Tarnung einem höheren Prädatorendruck ausgesetzt sind, wird die weiße Variante nicht zur Normalität", sagt Glöckner. Es gibt aber auch echte weiße Mutationen, etwa bei Rot- und Damhirschen. Glöckner: "Die haben zwar ein helles Fell, aber dunkle Augen und sind genauso lebenstüchtig wie andere Tiere." (mit hne)

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