Am bisher heißesten Tag des Jahres: 240 Tonnen Steinkohle entladen

Eine ziemlich schwere Lieferung aus Oberschlesien ist gestern in Cranzahl eingetroffen. Was für die Beteiligten harte Arbeit ist, bildet für Eisenbahnliebhaber einen besonderen Reiz. Und für sie bot sich gestern noch ein zweites nicht alltägliches Motiv.

Cranzahl.

Schaufeln, schwitzen und staunen: So hieß gestern die Devise im Bahnhof Cranzahl. Ausgerechnet zum bislang heißesten Tag des Jahres rollte Kraftfutter für die Dampfrösser der Fichtelbergbahn und damit ein Haufen Kohle für die Schmalspurlokomotiven heran. "240 Tonnen feinste Steinkohle müssen wir binnen eines Tages von elf Waggons abladen", sagte ein dennoch gut gelaunter Uwe Schulze, der als Zugleiter bei dem Schmalspurunternehmen die am Morgen begonnenen Rangier- und Entladearbeiten leitete. "Das Brennmaterial kommt aus dem oberschlesischen Steinkohlerevier. Vier Mal im Jahr erwarten wir eine Fracht, die hier auf dem Kohleplatz gebunkert wird und unsere Maschinen für jeweils drei Monate mit Brennmaterial versorgt", erklärt der 49-Jährige. "Im Sommerfahrbetrieb verbrauchen wir pro Lok binnen eines Tages 2,5 Tonnen Kohle, im Winterbetrieb durchs Heizen bis zu vier Tonnen."

Gezogen von zwei zusammen 1500 PS-leistungsstarken gekoppelten Diesellokmotiven des Unternehmens Press mit Lokführer Martin Halbauer am Steuerrad, wurden sieben Emil (Fachjargon für Zweiachser) und vier Emil-Anton (für Vierachser) Waggons auf die Gleise 9 und 12 in den Bahnhof rangiert.

Neben den Schienen ließ Gunter Piltz unermüdlich seinen Schaufelbagger auftuckern. Die Firma des Oberwiesenthaler Brennstoffhändlers unterstützt seit Jahrzehnten die Entladearbeiten der Eisenbahner vor Ort. Ab 7 Uhr löffelte der Kraftfahrer die jeweils 20, 25 beziehungsweise 40 Tonnen Ladung transportierenden Waggons leer. Reichlich 300 Mal dirigierte er mit dem Steuerknüppel dafür den Baggerarm in den Bauch der Wagen. Andreas Deutscher griff indes zur Schaufel. Handarbeit ist noch immer nötig, um jedes Stück Steinkohle aus jedem Winkel des Transporthängers heraus zu bugsieren.

Zu diesem Zeitpunkt hatten Eisenbahnfans aber auch Tagestouristen längst Handy, Fotoapparate und Videokameras gezückt. Sie bannten bewundernd die schweißtreibenden Arbeiten. "Güterzüge im regulären Fahrbetrieb haben absoluten Seltenheitswert. Uns reisen Fans hinterher, nur um dieses Spektakel zu sehen. Die Fachleute haben beispielsweise ihre Freude an den Emil-Waggons. Die waren zu Reichsbahnzeiten zu Hunderten im Einsatz. Heute hat allein das Transportunternehmen Press in der Region noch einige dieser bewährten Exemplare", so Uwe Schulze.

Zudem erhielt die gestrige Lieferung für Eisenbahnliebhaber noch einen weiteren Reiz. Durch Brückenbauarbeiten entlang der sonst angestammten Strecke der Zschopautalbahn ratterte der Kohlezug zum zweiten Mal überhaupt über das Markersbacher Viadukt und damit über die Trasse der Aussichtsbahn heran. "Die Route führt aus dem polnischen Abbaugebiet nach Forst zum Großhändler und von da schaffen wir die Ware über Zwickau und Aue herauf ins Erzgebirge", so Uwe Schulze. Ungeachtet der Hitzegrade und des Zeitdrucks erledigten die Akteure das Tagwerk. Denn die Fichtelbergbahn müsste eine Menge Kohle hinlegen, würde ein Waggon nicht termingerecht entleert.

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