Annaberger sammelt Unterschriften für mehr Ärzte

Weil seine Hausärztin in Annaberg in den Ruhestand gegangen ist, ist Jürgen Grund auf der Suche nach einem neuen Arzt. In zwölf Praxen erhielt er jedoch einen Korb - und zeigt Verständnis dafür.

Annaberg-Buchholz.

Es ist keine Weihnachtspost gewesen, die der Annaberger Jürgen Grund Anfang Dezember 2019 zur Landesregierung nach Dresden geschickt hat. Adressaten waren Ministerpräsident Michael Kretzschmer sowie Barbara Klepsch, zu dem Zeitpunkt noch Sachsens Sozialministerin. Grunds Anliegen war, auf die Misere bei der Hausarztversorgung im Altkreis Annaberg aufmerksam zu machen und Unterstützung einzufordern. Ergebnis: Bis heute erhielt er nicht einmal eine Eingangsbestätigung.

Nun geht der Annaberger den nächsten Schritt. Er hat eine Unterschriftenaktion für mehr Hausärzte für die Region gestartet. Die Listen will er in Arztpraxen und Apotheken auslegen. Aber auch bei ihm zu Hause (Barbara-Uthmann-Ring 77) kann unterschrieben werden, sagt er. Die Listen will er anschließend dem Sächsischen Sozialministerium in der Hoffnung übergeben, dass eine große Menge an Menschen vielleicht mehr Gehör findet.

Jürgen Grund selbst ist nach der Schließung der Annaberger Praxis von Dipl.-Med. Evelyne Köhler zum Jahreswechsel [FP+] auf der Suche nach einem neuen Hausarzt. Bislang vergebens. "Ich habe schon zwölf Ärzte aufgesucht, auch außerhalb von Annaberg, wurde aber überall abgelehnt. Und ich habe dafür sogar Verständnis", sagt Grund. Mehr Patienten bedeuteten für die Ärzte nicht nur noch längere Arbeitstage, sondern auch ein höheres Risiko, irgendwann Regressforderungen der Kassenärztlichen Vereinigung zu erhalten. "Das muss endlich ein Ende haben", fordert der Annaberger.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    0
    harzruessler1911
    15.01.2020

    @Alcapone,

    """Mit solchen Maßnahmen gewinnen wir keinen einzigen Mediziner für den ländlichen Raum.""""

    Vom Grundsatz, darauf bezogen, hast Du natürlich recht.

    Das Frustverständnis ist auch darauf bezogen, dass man es nicht einmal für nötig hält dem Mann eine Eingangsbestätigung zukommen zu lassen und den Menschen somit wieder einmal kein Gehör schenkt. Leider geht es ja vielen so, was gerade die sozialen Belange angeht.

    Was bitte soll man dann in solch einem Fall tun , wenn wie hier bereits offizielle und legale Mittel genutzt wurden, aber man einfach ignoriert wird?

    Auch ich bin kein Freund von bestimmten (angesprochenen ) Aktionen , bzw. würde dies nicht auf dies Art und Weise machen. Aber ich werde Menschen auch nicht gleich verteufeln, weil sie verzweifelt versuchen in irgendeiner Weise ( ausgenommen Gewalt und Androhungen dieser) Aufmerksamkeit zu erlangen.

    Jetzt bist Du sogar Privatpatient und hast Schwierigkeiten, was unterstreicht, dass es mehr als brennt und belegt, dass ein Eingriff der Politiker mehr als notwendig wäre.

    Du bist Privatpatient, so dass ich mal davon ausgehe, dass Du zumindest wirtschaftlich etwas besser gestellt bist, wie die meisten Bewohner dieser Wohngegend,welche mit Sicherheit nicht die Mittel haben ärztliche Leistungen als Selbstzahler in Anspruch zu nehmen. Unabhängig davon, sollten nat. auch keine privat versicherten Patienten dazu gezwungen sein müssen, denn schließlich ist man ja versichert.

    In Bayern gab es z.B. eine Radioaktion " Antenne Bayern" bei welcher man darüber einen Lehrer suchte. Eventuell, wäre dies auch für diese Region in Betracht zu ziehen um Ärzte vielleicht doch zu interessieren.

  • 0
    0
    Alcapone
    15.01.2020

    In der Tat ist das schwierig - selbst als Privatpatient habe ich nur Absagen kassiert und ich bin Mitte 30! Aber die Schlussfolgerung: "da kann ich verstehen, dass jmd. seinem Frust freien Lauf lässt" ist dermaßen idiotisch. Mit solchen Maßnahmen gewinnen wir keinen einzigen Mediziner für den ländlichen Raum. Das Gegenteil wird der Fall sein. Auf das Land werden Mediziner entweder nur über den Sendungsweg "von oben" kommen (DDR Variante) oder Krankenhäuser und Personal binden schon Abiturienten an sich, dass sie nach der Ausbildung zurückkehren.

  • 1
    1
    harzruessler1911
    08.01.2020

    "" "" Ergebnis: Bis heute erhielt er nicht einmal eine Eingangsbestätigung."" ""

    Mehr als traurig, aber immer weniger verwunderlich, wenn man sich gegenüber den Belangen derart desinteressiert zeigt.

    Ganz ehrlich, auch wenn ich kein Freund dieser Schaufensterpuppenaktion bin/war kann man doch zeitweise nachvollziehen, dass der ein oder andere seinem Frust freien Lauf lässt. Ich habe dort schon erwähnt, man sollte seinen Bürgern Gehör schenken...