Arbeitsgemeinschaft Lisa kämpft weiter für Frauenhaus

Aus Sicht der Linken sollten nicht nur Männer über eine solche Einrichtung entscheiden. Eine Schutzwohnung sei der zweite Schritt vorm ersten.

Annaberg-Buchholz/Aue.

Die Frauen der Arbeitsgemeinschaft (AG) Lisa Erzgebirge kämpfen weiter für ein Frauenhaus im Erzgebirgskreis. Mit Entsetzen haben sie zur Kenntnis genommen, dass die Petition zur Einrichtung eines solchen Angebots im Erzgebirgskreises vom Kreis- und Finanzausschuss des Kreistags im Februar abgelehnt worden war.

"Für uns ist und bleibt das eigentlich ein unhaltbares Votum, weil in diesem Gremium nur Männer sind, die darüber befinden. Und das kann nicht sein", sagt Gudrun Schumann, die Vorsitzende von Lisa Erzgebirge. "Uns als Frauen von Lisa beschäftigt dieses Thema bereits seit der Schließung des ehemaligen Frauenhauses in Aue, das es in den 1990er-Jahren im Erzgebirge sehr wohl gab."


"Unser Ziel war, ist und bleibt neben der Gewaltbekämpfung, die sofortige, umfassende Hilfe für Betroffene in einem Frauenhaus zu gewährleisten. Und das wohnortnah", betont Schumann. Bislang hat der Landkreis sich für die Einrichtung einer sogenannten Schutzwohnung ausgesprochen. Doch das sei leider "der zweite Schritt vorm ersten", meint Andrea Schrutek vom Kreisvorstand der Linken. "Wir sind aber schon froh, dass der Landkreis mit der Ausweisung von Schutzwohnungen die Sache nicht ganz vom Tisch gefegt hat", sagt auch Heide-Marie Bamler, die seit vielen Jahren als Vertreterin der Linken im Kreistag für ein Frauenhaus streitet.

Es gehe nicht nur darum, dass die Frauen im Fall der Fälle Schutz durch ein Obdach erhalten, sondern es brauche dann zugleich professionelle Hilfe durch individuelle Zuwendung. "Frauen flüchten oft erst sehr spät aus der Spirale der Gewalt", weiß Gudrun Schumann. In den meisten Fällen nehmen die Frauen bei dieser Flucht aus der ehelichen Wohnung auch die Kinder mit. Für die Frauen ist dies einerseits ein wichtiger Fakt, auch ihre Kinder in Sicherheit zu wissen. Andererseits müssten sie aber auch weiterhin gewährleisten, dass die Kinder ihrer Schulpflicht nachkommen und nicht den Kontakt zu ihrem sozialen Umfeld komplett einbüßen. Demnach könne es nicht sein, dass - wie es die derzeitige Regelung besagt - man sich im Erzgebirgskreis alleinig auf die Unterbringung betroffener Frauen in einem Frauenhaus in Chemnitz stützt.

Auf Nachfrage der Presse beim Landkreis heißt es: "Der Petition wurde nicht stattgegeben. Vielmehr erging an die Landkreisverwaltung der Auftrag, für Notfälle, in denen Frauen mit ihren Kindern, die in einer bestehenden Schutzeinrichtung keine Aufnahme finden, eine Unterbringung in einer Schutzwohnung zu gewährleisten. Wir arbeiten zurzeit an der Umsetzung dieses Auftrages. Dazu wurden erste Gespräche mit Wohnungsunternehmen geführt." Im Herbst soll der Fachausschuss über den aktuellen Stand der Umsetzung informiert werden. Unbestritten sei die Tatsache, dass im Nachhinein auch Wohnungen für diese Betroffenen bereit gehalten werden müssen, sagt Schrutek. Doch das sei eben leider der zweite Schritt vorm ersten.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...