Arbeitsweg mit Hindernissen führt zu Auseinandersetzung

Viele Thumer freuten sich über den gelungenen Festumzug. Einen Zwischenfall gab es - mit sehr unterschiedlichen Deutungen.

Thum.

Wenn andere feiern, muss Andrea D. (Name geändert) arbeiten. Das ist für sie kein Problem, denn wer einen Pflegeberuf ausübt, weiß, dass das eben so ist. So auch zum großen Festumzug in Thum. Als die Alltagsbegleiterin an jenem Sonntag zur Spätschicht ins Altenhilfezentrum fahren will, erlebt sie eine Überraschung. Zu dem Zeitpunkt, als sich drei Kilometer entfernt die Parade formiert, gibt es für sie an der Paintball-Oase kein Durchkommen. Die Polizei hat die B 95 abgeriegelt. Andrea D. glaubt vorbereitet zu sein. Sie hat einen Passierschein dabei, welchen das DRK nach telefonischer Absprache mit der Stadt ausgedruckt hat, wie sie erzählt. Doch so einen Zettel, hätten die Polizisten ihr zu verstehen gegeben, könne sich ja jeder machen. Sie solle es über Herold oder Jahnsbach versuchen. Andrea D. entscheidet sich für Ersteres, will bei der DRK-Rettungswache an der Herolder Straße parken. Sie fährt bei halbseitig offener Straße in Herold an einer Vollsperrscheibe vorbei. Polizisten stoppen sie. Sie muss 20 Euro Strafe zahlen. Andrea D. ist eine von einer Reihe von DRK-Mitarbeitern, die an jenem Sonntag einen anderen Weg zur Arbeit nehmen müssen. Jene, die es über Jahnsbach probieren, kommen problemlos durch. Familie D. ist sauer. "So hat das Stadtfest für uns einen faden Beigeschmack bekommen", sagt Jens D., der Mann der Betroffenen. "Die Polizisten, die sie abkassiert haben, sollten mal einen Tag im Altenheim verbringen. Da sehen sie, was es bedeutet, wenn Mitarbeiter fehlen oder zu spät kommen", zürnt er. "Ich verstehe das nicht", sagt sie. "Ich hätte bei der Durchfahrt niemanden behindert." Sie wünsche sich bessere Absprachen zwischen den Behörden.

Auch Polizisten und Bürgermeister gehören zu den Menschen, die arbeiten müssen, wenn andere feiern. Sie kümmern sich dann etwa um Absperrungen und Festumzüge. Die Zufahrtsroute über Jahnsbach sei diejenige, die zwischen Stadt und DRK abgemacht gewesen sei, sagt Michael Brändel, der als Ortschef den Festumzug souverän und winkend angeführt hatte. Die Pflegeleitung beim DRK bestätigt die Absprache: Der Weg über Jahnsbach sei ganz klar an die Mitarbeiter kommuniziert worden.

Aus Sicht der Polizei lief der Tag so: An der B 95 wird ein Auto abgewiesen, dessen Fahrer zum Altenheim durch will. Wenig später erscheint eine Autofahrerin mit demselben Anliegen, auch sie darf nicht durch. "Die Frau wurde gegenüber den Beamten ausfällig, was eine Anzeige wegen Beleidigung zur Folge hatte", sagt eine Polizeisprecherin. Im Anschluss sei offenbar dieselbe Frau in Herold in den mittels Bake und Vollsperrscheibe gesperrten Bereich gefahren. Ein Verstoß, den die Beamten dann geahndet hätten. Generell habe die Polizei vielen Autofahrern Auskunft zu Umleitungsstrecken, Parkplätzen oder dem Shuttleverkehr erteilt. "Die Polizei trug mit der Sperrung des Verkehrsbereiches Sorge für die Absicherung des Aufzugs und die Gewährleistung der Sicherheit für tausende Besucher", ergänzt die Sprecherin. Vorkommnisse habe es bis auf diesen einen Zwischenfall beim Thumer Festumzug keine gegeben.

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