Arnsfelder haucht Holz seit vielen Jahren Leben ein

Seine Arbeit ist sogar in der berühmten Dresdner Frauenkirche zu sehen. Nun hat der Holzbildhauer Erhard Schaarschmidt seinen 80. Geburtstag gefeiert.

Arnsfeld.

Gesichter und Hände sind bei geschnitzten Figuren oft das, wo sich die Spreu vom Weizen trennt. Bei vielen hölzernen Gesellen ähneln sich die Gesichter. Das macht sie natürlich nicht schlechter, aber eben weniger ausdrucksstark. Nur große Holzbildhauer verstehen es, den Gesichtern Leben einzuhauchen und ihnen Mimik zu geben. Einer davon ist Erhard Schaarschmidt aus Arnsfeld, der vor ein paar Tagen seinen 80. Geburtstag feierte. Wer seinen Figuren ins Gesicht schaut, der sieht ihr Leiden, ihre Nachdenklichkeit oder auch ihr Glück.

Nicht umsonst hat er 2016 das Goldene Schnitzmesser erhalten - ein bisschen für sein Lebenswerk. "Die Zeit bis hierher ist verrannt wie im Flug", sagt Schaarschmidt. In seinem Gesicht ist viel Zufriedenheit zu entdecken. "Mein Lebensweg war manchmal steinig, aber ich hatte den festen Willen und habe das erreicht, was ich mir vorgenommen habe." Er lächelt milde. Selbständig wollte er sich machen, solange er denken kann. Mit sieben Jahren lernte er das Schnitzen von seinem Vater Arthur. "Er war ein leidenschaftlicher Schnitzer", sagt der Arnsfelder und in seinen Augen blitzt es auf. "Wir hatten eine kleine Landwirtschaft und gerade im Winterhalbjahr hat er viel geschnitzt - auch um sich ein paar Mark dazu zu verdienen", weiß Schaarschmidt, dessen erstes richtiges Werkstück eine kleine Schäfergruppe war. 1947 müsse das in etwa gewesen sein. "Die Figuren habe ich damals gleich auf einen Sockel gestellt, damit nicht die Beine wegbrechen." Anfangs seien es die Tiere gewesen, die ihn immer wieder zum Holz und zum Messer haben greifen lassen.

Erst ein paar Jahre später kamen die menschlichen Figuren dazu. "Meine Skizzen waren eher sehr unkonkret", schmunzelt der 80-Jährige und gibt zu: "Mit dem Zeichnen habe ich mich erst beschäftigt, als ich in die Ausbildung ging." Zwar lernte er zunächst den Beruf des Landwirts, doch 1958, mit 20 Jahren, sprach er in der PGH Erzgebirgisches Kunsthandwerk vor. "Dort musste ich ein Probestück, einen Nachtwächter, anfertigen." Die Verantwortlichen staunten nicht schlecht, als sie sahen, mit welchen Schnitzmessern Schaarschmidt arbeitete.

"Das waren die Messer meines Vaters, die er nicht mehr genutzt hat. Sie waren kurz und ich hatte auch nur ein paar wenige", erzählt der Jubilar. Doch die Arbeit überzeugte die Entscheidungsträger der PGH. "Ich bin genommen worden und habe 1960 meinen Gesellenbrief, damals hieß es Facharbeiterbrief, als Holzbildhauer gemacht."

Später wurde er auch noch Meister. Das eröffnete ihm natürlich neue Wege. "Wer die Möglichkeit hatte zu Hause zu arbeiten, hat das auch getan", so Schaarschmidt, der mehrfach den Antrag stellte, sich selbstständig zu machen. "1977 durfte ich dann endlich." Er arbeitete unter anderem für die HO Schatulle in der Buchholzer Straße in Annaberg, bekam aber auch Aufträge vom Rat des Kreises. So war er in den Achtzigern unter anderem mit dem Posamentenpokal der Nordischen Kombination betraut. "Das waren alles erzgebirgische Motive. Einer der letzten ging nach Japan, aber auch Sieger aus den nordischen Ländern waren dabei." Zu den größten und unvergessenen Aufträgen gehörte die Mittelkartusche über der Orgel der Dresdener Frauenkirche. Diese Arbeit setzte er gemeinsam mit seinem Sohn Ralf um, der beruflich voll und ganz in die Fußstapfen des Vaters trat. "Diesen Auftrag haben wir von einem guten Freund übernommen, der während der Arbeit in der Frauenkirche schwer erkrankt ist."

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