Auf die Erzgebirger kann sich der Blutspendedienst verlassen

Etwa 15.000 Blutspenden werden täglich in Deutschland benötigt. Besonders kritisch: die Ferien- und Urlaubszeit. Im Altkreis trotzt man aber auch diesem Sommerloch.

Scheibenberg.

Das Blutspendebarometer vom 13. August zeigt: lediglich in einer der insgesamt acht Blutgruppen - AB positiv - gibt es derzeit einen zufriedenstellenden Blutvorrat. Bei allen anderen fehlen Blutkonserven. Besonders kritisch sieht es bei den Blutgruppen Null negativ und positiv sowie B negativ aus. Dort verzeichnet der für Sachsen zuständige DRK-Blutspendedienst Nord-Ost einen "beunruhigend geringen Blutbestand". Das ist nach Angaben von Pressesprecherin Kerstin Schweiger zum einen der Urlaubszeit geschuldet. Zum anderen werde das Blutspendewesen aber - wie alle anderen Lebensbereiche auch - von den Umständen der Corona-Pandemie beeinflusst.

Temperaturmessung, Risikobefragung, Händedesinfektion, Maske aufsetzen - auch bei dem Blutspendetermin in Scheibenberg gehört das seit Corona zur Aufnahme dazu. "Aus Sicherheitsgründen", erklärt Christian Wendler, der beim Blutspendedienst seit mehr als 25 Jahren das Erzgebirge betreut. Petra Hunger aus Oberscheibe lässt sich davon aber nicht abhalten, ihre mittlerweile 94. Spende abzugeben. "Das muss halt sein, das ist schon in Ordnung so", kommentiert sie. Und auch Jens Herrmann lässt sich von dem Prozedere drumherum nicht abschrecken. Blutspenden sei eine gute Sache, deshalb nutzt er dafür jede Gelegenheit. Denn berufsbedingt könne er nur unregelmäßig die Blutspendeaktionen wahrnehmen.

Zwei Beispiele, die stellvertretend für die Region stehen, wie Christian Wendler deutlich macht: "Der Altkreis Annaberg war und ist eine konstante Größe für den DRK-Blutspendedienst." Jährlich nutzten etwa 6000 Spender die rund 90 Blutspendeaktionen im Altkreis. Bester Spendeort dabei sei Crottendorf. Und: "Es gab bei den durchgeführten Terminen immer eine konstante Spendebereitschaft. In den ersten Wochen der Corona-Zeit sogar mehr, als wir erwartet hatten", konstatiert er. Leider habe sich dies in den vergangenen Wochen etwas verschlechtert. "Aber es sind Ferien, die Hitze spielt eine Rolle und die Spender müssen ja auch den Spendeabstand einhalten", kennt Christian Wendler einige der Hinderungsgründe. Grundsätzlich lasse sich aber der langjährige Stammspender - der in der Region durchschnittlich um die 50 und älter ist - durch nichts von der Blutspende abhalten.

Anders stellt sich die Lage bei den Erstspendern dar. "Bei ihnen streben wir einen Anteil von mindestens sieben bis acht Prozent an", erläutert Christian Wendler. In den Gebirgskreisen würden diese Zahlen aber nicht erreicht. "Dort fehlt uns die Jugend", erklärt er. Spezielle Aktionen - wie in Beruflichen Schulzentren beispielsweise - gebe es leider derzeit nicht. Eine gezielte Ansprache von Jugendlichen sei deshalb kaum möglich. Um einen sachsenweit drohenden Engpass zu vermeiden, werde deshalb versucht, die einzelnen Blutspendeaktionen so effizient wie möglich zu gestalten. Dabei soll unter anderem das wegen der geltenden Hygienebestimmungen eingeführte Terminreservierungssystem helfen. Damit könne vermieden werden, dass zu viele Spenderinnen und Spender zum gleichen Zeitpunkt kommen und lange Wartezeiten entstehen. Mit dem System können sich Spenderinnen und Spender ihren nächsten Wunschtermin online buchen. Damit ist es auch möglich, dass jemand, der sonst am Arbeitsplatz oder in der Firma beispielsweise gespendet hat, jetzt einen wohnortnahe Termin auswählt, erläutert Kerstin Schweiger. "Denn aufgrund der Pandemie konnten in den vergangenen Monaten nicht alle Firmentermine wie gewohnt durchgeführt werden. Viele Beschäftigte waren oder sind noch im Home-Office."

An den Grundregeln für die Blutspende hat sich unterdessen nichts geändert: Blutspender müssen mindestens 18 Jahre und gesund sein, was bei einer ärztlichen Untersuchung tagesaktuell überprüft wird. Und die Sache mit den Blutgruppen? "Unsere Stammspender kennen ihre Blutgruppe", sagt Christian Wendler. Und alle Neulinge erfahren sie zwei bis drei Wochen nach der ersten Untersuchung, wenn sie ihren Blutspendeausweis erhalten. Der enthält auch die Blutgruppe.

Spendewillige können sich im Internet unter www.blutspende.de oder über die kostenfreie Hotline 0800 11 94911 informieren. Eine Terminreservierung ist für alle Termine erforderlich: https://terminreservierung.blutspende-nordost.de.

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