Auf einstiger Industriebrache wächst neue Produktionshalle

Nach dem DKK-Abriss im Jahr 2009 klaffte im Scharfensteiner Gewerbepark eine Wunde. Einen Teil überdeckt heute der Brandes-Neubau. Für den Spezialisten für Acrylglas- und Kunststoffteile ist das Projekt längst überfällig.

Scharfenstein.

Gunter Neef und Volker Schreiter stehen in diesen Tagen oft unterhalb des Parkplatzes der Drebacher Gemeindeverwaltung. Von dem Punkt der August-Bebel-Straße aus können die Geschäftsführer der Brandes Technik GmbH ihre Baustelle exzellent überblicken. Von dort aus zeichnet auch eine Web-Kamera das Geschehen auf. "Wenn die Halle steht, wollen wir den Aufbau im Zeitraffer in einem Videoclip dokumentieren", sagt Gunter Neef.

Auf diesen Stand haben die Unternehmenslenker lange hingearbeitet. Die Betonpfeiler für die 2000 Quadratmeter große Halle sind gesetzt. Am Montag folgte die Lieferung der Holzleimbinder für die Dachkonstruktion. Sobald das Dach gedeckt und die Decke eingezogen sind, kommt die Fassade an die Reihe. Spätestens Anfang Oktober sollen der Rohbau und die Außenanlage fertig sein. Danach folgt bis zum Jahreswechsel der Innenausbau. So sieht es der Zeitplan vor.


Eigentlich wollten die Geschäftsführer schon vor einem Jahr an diesem Punkt sein. Doch es gab Verzögerungen. Gunter Neef spricht von Bauvorgaben im Überschwemmungsgebiet der Zschopau, die es zunächst zu erfüllen galt. Auf dem Grundstück im Scharfensteiner Gewerbepark mussten um die 85 Zentimeter Boden aufgetragen werden. "Dafür benötigten wir 1200 Kubikmeter Material - frei von Schadstoffen und möglichst preiswert", sagt Neef. Ideal wäre die Investruine in Grießbach gewesen. "Aber dann verzögerte die geschützte Fledermaus den Abbruch." Fündig wurde Brandes schließlich in Thermalbad Wiesenbad. Dort wurde im Frühjahr die Industriebrache Himmelmühle abgerissen. Querelen mit dem Generalauftragnehmer führten zu weiterem Verzug. Brandes wechselte die Firma und fand in Hohenstein-Ernstthal einen neuen Auftragnehmer.

Mit der Bebauung schließt sich auch für Jens Haustein ein Kreis. Das Grundstück ist die letzte Fläche, die die Gemeinde mit der Revitalisierung der DKK-Industriebrache an eine Firma verkauft hat, sagt der Drebacher Bürgermeister (Mandat CDU). Auf dem Gelände des einstigen Kühlgeräteherstellers sind heute zwölf Unternehmen und Handwerksbetriebe ansässig. Für Brandes ist der Neubau längst überfällig. Seit 2018 konnte das Unternehmen seinen Jahresumsatz um 1 Million auf knapp 4 Millionen Euro erhöhen. Volker Schreiter spricht von einer richtigen Entscheidung, neben Acrylglas und Kunststoff weitere Materialien ins Portfolio aufzunehmen. "Wir haben uns da extrem geöffnet." Das Unternehmen ist in den Branchen Laden- und Messebau, Schiffs- und Jachtausbau, Anlagen- und Maschinenbau, Fahrzeug- und Sportanlagenbau zu Hause. Es produziert zudem für die Werbebranche sowie den Leuchten- und Möbelbau. "Wir haben keine eigenen Produkte am Markt, sondern fertigen ausschließlich für Kunden", so Schreiter. Zum Sortiment gehören etwa Schutzscheiben, Maschinenverkleidungen, Hauben für Museen, Gleitschienen, Anlaufspuren für Skisprungschanzen und Balkonverkleidungen.

Dem weiteren Firmenwachstum stehen beengte Verhältnisse am bisherigen Standort im Gewerbepark entgegen. Problematisch sind die Außenlager. "Das Material muss von dort geholt werden und in der Produktionshalle temperieren, bevor es verarbeitet werden kann. Das hat uns schon Kopfzerbrechen bereitet", sagt Gunter Neef. In der neuen Halle ist damit Schluss, weil das Materiallager integriert wird.

Die Optimierung von Produktionsabläufen ist die eine Seite. Mit dem Neubau will Brandes zugleich seine Außenwirkung auf den Arbeitsmarkt verbessern. Das Unternehmen zählt 31 Beschäftigte. "Wir könnten sofort noch fünf Mitarbeiter aus dem Tischlereihandwerk einstellen. Inzwischen sprechen wir nicht mehr vom Fachkräfte-, sondern vom Arbeitskräftemangel", beschreibt Volker Schreiter die Situation. Große Spieler wie VW in Mosel könnten bessere Leistungen bieten und würden kleinen Unternehmen Leute abziehen. Zweimal habe man auf diese Weise schon einen Praktikanten verloren, sagt Gunter Neef.

Mit dem Neubau will Brandes nun Boden gut machen. Denn die Arbeitsbedingungen sollen sich wesentlich verbessern. Neben der Produktionshalle entsteht auf 500 Quadratmetern Fläche ein Anbau für Büros und Sozialräume. Hebeanlagen sollen künftig die Arbeit erleichtern. Bis es soweit ist, steht den Beschäftigten mit dem für Januar geplanten Umzug bei laufender Produktion ein Kraftakt ins Haus. Mehrere Schwerlasttransporte werden nötig sein, um bis zu zehn Tonnen wiegende Fräsautomaten zum neuen Standort zu bewegen. "Bei Frost können wir die Maschinen nicht ins Freie bringen. Deshalb wünschen wir uns einen milden Winter", sagt Schreiter.


Zufahrt für Betriebe wichtig

Der Ausbau der maroden August-Bebel-Straße ist für Unternehmen im Gewerbepark Scharfenstein sehr wichtig. Die Gemeinde Drebach lässt knapp die Hälfte der Ringstraße im oberen Bereich sanieren. Der Auftrag ist vergeben. Bürgermeister Jens Haustein rechnet damit, dass ab September gebaut wird.

Zunächst sollen Versorgungsleitungen verlegt werden, bevor im Frühjahr 2020 der Straßenbau beginnt.

Ende nächsten Jahres soll der erste Abschnitt fertig sein. Wann der letzte gebaut wird, ist noch ungewiss. (mik)

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