Aus Annaberg und Buchholz wird Annaberg-Buchholz

Ein Sowjet schweißte die damals eigenständigen Orte vor 75 Jahren zusammen. Ihre Rivalität hatte eine lange Geschichte.

Annaberg-Buchholz.

Geht es um die Geschichte der jetzigen Hauptstadt des Erzgebirgskreises, fallen oft Namen von bekannten Fürsten wie Georg der Bärtige und Friedrich der Weise. Doch untrennbar mit dem Annaberg-Buchholz von heute ist ein weiterer Name verbunden: dem des Dmitri Wassilijewitsch Nemow. Vor rund 75 Jahren verfügte der sowjetische Stadtkommandant die Zwangsvereinigung der ehemals selbstständigen Städte Annaberg und Buchholz. "Er wollte nicht mit zwei Stadtverwaltungen zusammenarbeiten", berichtet Rathaussprecher Matthias Förster, der mit Bernd Schreiter von den städtischen Museen Annaberg-Buchholz in die Historie eingetaucht ist. Auf den Befehl Nemows hin habe Landrat Karl Köglsperger eine entsprechende Verfügung erlassen, die am 1. Juli 1945 in Kraft trat. Später stimmten dem noch Kreistag und Landtag zu.

Keine Liebesheirat, wie aus den Schilderungen hervorgeht. "Die lange Trennung hat starke historische Wurzeln", erläutert Förster. Annaberg und Buchholz seien 1496 beziehungsweise 1501 in zwei Ländern gegründet worden, im albertinischen und im ernestinischen Sachsen. Auch in Glaubensfragen unterschied man sich: Während Buchholz 1524 protestantisch wurde, blieb Annaberg bis 1539 bei der alten Kirche. "In den folgenden Jahrhunderten waren beide Kommunen oft rivalisierende Schwestern. Dabei war die fünf Jahre ältere Schwester Annaberg meist im Vorteil. Sie war die größere und reichere Stadt, hatte mehr Bewohner und mehr Bedeutung", so Förster weiter.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts blühte Buchholz zunehmend auf. Nach dem Einführen der Gewerbefreiheit in Sachsen, dem Anschluss an die Eisenbahn und insbesondere nach dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg 1871 sei es dort "zu einer geradezu boomhaften Entwicklung" gekommen. Förster: "Die Buchholzer Kartonagen- und Posamentenindustrie erlangte Weltgeltung und weitere Branchen entstanden." Beide Städte seien durch neue Betriebe und Gebäude auch baulich zusammengewachsen. "An der ehemaligen Bismarckstraße, heute Straße der Einheit, trafen Annaberg und Buchholz aufeinander. Die Grenze zwischen beiden Kommunen war nun im Stadtbild kaum noch zu erkennen", schildert der Rathaussprecher.

Anfang des 20. Jahrhunderts standen die Zeichen auf Vereinigung: "Pragmatiker schlugen vor, dass sich beide Städte zusammenschließen. So erhielt zum Beispiel die am 4. Januar 1909 eingeweihte Berufsschule der Posamentierer den zukunftsweisenden Namen Posamentenfachschule Annaberg-Buchholz", so Förster. 1914 führte man die ersten Gespräche über eine Vereinigung, am 1. April 1921 stand diese Frage auf der Tagesordnung der Annaberger Stadtverordneten - die entschieden sich mit 18 zu 13 Stimmen mehrheitlich gegen Annaberg-Buchholz. Noch mehrfach befassten sich beide Städte in den 1920ern und 1930ern mit dem Thema, jedoch ohne Erfolg. Bis jener russische Offizier Nemow sie zur Vereinigung zwang.

Vor dem Hintergrund des Jahrestags lädt der Frohnauer Hammer ab sofort zu einer Sonderausstellung ein. Für den 11. September plant die Stadt eine Spezial-Nachtwächter-Führung sowie zum Tag der Heimatgeschichte, 26. September, einen Vortrag. Bereits ab dem heutigen Tag ist auf den Online-Kanälen der Stadt ein Video zum Jubiläum zu sehen.

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