Ausbildung für Therapietiere polarisiert

Die einen sind begeistert - die anderen beschweren sich über Hunde am Wochenende. Wie ein Zelt die Thermalbad Wiesenbader ärgert.

Mandy Kaldenbach mit ihrem Therapiehund Balu vor dem Zelt, das derzeit die Gemüter der Thermalbad Wiesenbader erhitzt. Gedacht ist es vor allem als Schutz vor Wind und Wetter.

Von Sarah Hofmann

Das Zelt des Anstoßes steht. Es ist bespannt mit einer dunkelgrünen Plane, etwa so groß wie ein kleineres Festzelt und drinnen duftet es nach den Strohballen, die auf einer Seite lagern. Das Zelt steht seit Oktober 2017 auf dem Grundstück des Vereins Selbsthilfeverband für soziale Projektorganisation in Thermalbad Wiesenbad. In ihm bildet Mandy Kaldenbach bei schlechtem Wetter Hunde und Pferde aus, die künftig bei Therapien eingesetzt werden sollen. Es bleibt ganzjährig zwischen einer Pferdekoppel und ihrem Wohnhaus auf dem Grundstück stehen, auch wenn es im Sommer nicht gebraucht wird. Das permanente Auf- und Abbauen des Zeltes will sich jedoch der Verein sparen, weil, wie Mandy Kaldenbach erklärt, der Aufwand dabei höher sei als der Nutzen. Außerdem befinde es sich ja auf dem Privatgrundstück und würde niemanden stören. Meint sie.

Für einige Bürger der Gemeinde ist das Zelt jedoch ein Anlass für Ärger. Ein Grund: das Zelt wurde ohne Genehmigung errichtet. "Es ist eigentlich eher ein Wetterschutz, Zelte haben doch einen festen Boden", sagt Mandy Kaldenbach. Um künftigen Ärger zu vermeiden, reichte ihr Verein einen nachträglichen Bauantrag beim Landratsamt ein. Das Amt bat wiederum die Gemeinde um eine Stellungnahme zum Antrag. Dieser kam dem in seiner jüngsten Sitzung im August nach. Katrin Kunze von der örtlichen Bauverwaltung erklärt dem Umstand folgendermaßen: "Dort ist ein reines Wohngebiet und mit dem Antrag soll die Abweichung davon genehmigt werden." Der Gemeinderat gewährte seine Zustimmung. Allerdings nur zum Zelt, nicht zur Nutzung. Denn ebendiese polarisiert die Gemeinde.

Mandy Kaldenbach bietet nämlich Wochenendseminare an, um Therapeuten-Therapiehundgespanne auszubilden. Wie sie erklärt, kommen beispielsweise Logopäden, Ergotherapeuten, Psychotherapeuten und viele mehr zu ihr. Sie bringen ihre Tiere mit und Mandy Kaldenbach bringt ihnen bei, wie die Menschen ihre Tiere am besten zur Hilfe für andere einsetzen können. "Die Seminare umfassen nie mehr als sechs Hund-Mensch-Gespanne. Ich will mich ja um jedes Team individuell kümmern können", so Kaldenbach. Allerdings finden die Seminare und Übungen mit Mensch und Hund nicht nur auf ihrem Grundstück, sondern auch auf öffentlichen Raum im Ort statt. Auch im Kurpark. "Ich mache das seit 2013. In der Zeit habe ich mich auch mit Kurgästen angefreundet, einige kommen immer wieder her und schauen beim Training zu", so Kaldenbach. Die Hunde seien außerdem mit einem Halstuch als "Therapiehund-Azubi" gekennzeichnet, was ihrer Erfahrung nach aber eher auf Neugierde stoße und nicht auf Ablehnung.

"Mir gefällt diese Hundegeschichte generell nicht, vor allem aber nicht am Wochenende", äußerte sich Gemeinderätin Ulla Benkstein zur Ratssitzung. "Was mir auch nicht gefällt ist, dass die Hunde auch in den Parks sind", sagte sie weiter. Dazu gab es verständnisvolles Nicken in Teilen des Rates, aber auch unter den Zuschauern. Doch auch Fürsprecher für die Arbeit des Vereins fanden sich im Rat, auch die Bürgermeisterin Berit Schiefer sprach sich dafür aus. "Ich finde die Idee gut, unabhängig von den handelnden Personen", sagt sie.

Letztendlich entschied sich der Gemeinderat aber doch, die Nutzung des Zeltes zur Ausbildung von Therapiehunden abzulehnen. Acht Räte sprachen sich dagegen aus, sechs stimmten für die Nutzung und drei Räte enthielten sich.

Wie es weitergeht mit dem Zelt bleibt vorerst offen. Mandy Kaldenbach wartet nun auf den Bescheid des Landratsamtes. "Ich kann wegen so was nicht meinen Seminarteilnehmern sagen, dass sie bei schlechtem Wetter nicht kommen sollen", sagt die Ausbilderin. Schließlich müssten sich einige dafür Urlaub nehmen oder bekämen das Seminar von ihren Arbeitgebern bezahlt. In die Woche könne sie ihre Seminare übrigens auch nicht ohne weiteres legen. Blockseminare über eine ganze Woche hätten ihrer Erfahrung nach in der Vergangenheit nicht funktioniert. "Die Menschen und Tiere müssen wirklich viel lernen", erklärt die Thermalbad Wiesenbaderin - das würde in so geballter Form überfordern, vor allem die Tiere.

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