Ausbildungsmesse erfüllt auch mit mehr Distanz ihren Zweck

Schüler und Unternehmen lernen sich kennen und knüpfen dabei erste Kontakte. In Pandemiezeiten eine besondere Herausforderung.

Annaberg-Buchholz.

Die 80 Plexiglasscheiben, die an den Ständen der Ausbildungsmesse Annaberg-Buchholz zum Hygienekonzept gehörten, hatten ein klein bisschen Symbolcharakter. Denn sie sorgten für etwas Distanz zwischen potenziellen Bewerbern und den Ausbildungsbetrieben. Man sieht sich, man weiß voneinander und doch fühlt sich in diesem Jahr selbst die Beratung zu Karrierechancen und Möglichkeiten ein bisschen anders an. "Wir haben immer wieder gehört, dass es unter Corona deutlich schwieriger war, die Ausbildungsplätze zu vermitteln", sagt Matthias Lißke, der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge, der die insgesamt vier Ausbildungsmessen im Erzgebirge federführend organisiert. Aufgrund dieser Tatsache sieht Lißke eine enorme Bedeutung in den Messeangeboten und kaufte die 80 Scheiben, um Ausstellern und Schülern ein halbwegs normales Gespräch zu ermöglichen.

Dankbar nahmen Mädchen und Jungen gemeinsam mit Eltern und Großeltern am Samstag das Angebot in der Silberlandhalle an. Tommy Schröer wollte vor allem eins: Orientierung für sich finden. Der 17-Jährige aus Annaberg liebäugelt mit einer Ausbildung zum Lageristen. "Der Standort sollte möglichst in der Nähe sein", sagte der junge Mann und war enttäuscht, dass aufgrund der Pandemie ein angestrebtes Praktikum ausgefallen ist.

"Wir fangen jetzt wieder mit Praktika an", erklärte Christoph Frank, der Leiter des Leistungszentrums Chemnitz der EnviaM-Gruppe. Schon während der Messe konnte er viele Fragen beantworten. "Die meisten haben gar keine Vorstellung von dem, was wir alles anbieten." Auch aus diesem Grund sei ein Praktikum im gewerblich-technischen Bereich empfehlenswert.

"Präsent zu sein ist genauso wichtig wie vor Corona", erläuterte Michael Weisbach, Obermeister der Bäckerinnung aus Bärenstein. "Die Leute sind sehr interessiert, wir haben schon gute Gespräche geführt", meinte Wolfgang Küchler aus Scheibenberg, der die Innung in der Silberlandhalle bei der Betreuung des Messestandes unterstützte. Weisbach konnte dies nur bestätigen: "Wir haben schon einige Leute an die Betriebe vermittelt, ob daraus etwas entsteht, liegt nicht in unserer Hand - das Interesse ist aber da."

Corona beeinflusse die Vergabe von Ausbildungsplätzen nicht, doch die Schüler sind etwas verunsichert, fand Julia Thrams von der AOK. "Neu ist, dass wir das Auswahlverfahren wegen Corona komplett online per Skype durchführen", sagte sie. Seinen Traumjob hat Max Kirsch aus Crimmitschau bei der Volksbank längst gefunden. Der Azubi im 3. Lehrjahr schätzt Kundenkontakte und den Einblick in die Finanzmärkte. "Das hat mich schon immer fasziniert." In Annaberg rührte er für die Ausbildung die Werbetrommel. "Er kann das sehr authentisch, denn er ist ja noch mitten im Geschehen", sagte Lissy Mengel, Mitarbeiterin der Volksbank-Personalabteilung. Mit erst zwölf Jahren informierte sich auch John Neukirch in Annaberg. Er träumt von einem Beruf als Industriemechaniker. Mit den Azubis vom Jöhstädter Unternehmen PF Pumpen und Feuerlöschtechnik kam er ins Gespräch. "Wir bieten jetzt auch wieder Praktika an, die durch Corona zunächst ausgefallen sind", erklärte Oliver Hoppe, der aktuell das 4. Lehrjahr absolviert.

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