Ausstellung widmet sich bekannten Brüdern der Stadt

Die Familie Köselitz hat die Entwicklung der Stadt Annaberg maßgeblich mit geprägt. Und zwei der Söhne haben ihre Spuren sogar noch weit darüber hinaus hinterlassen.

Annaberg-Buchholz.

Die Museumsgesellschaft, die erste Sparkasse, die Sonntagsschule und viele Vereine sind nur einige Beispiele dafür, welchen Einfluss die Familie Köselitz auf die Entwicklung der Stadt Annaberg genommen hat. Ein Engagement, das insbesondere auf Karl Julius Köselitz zurückgeht, den Kaufmann und Posamentenunternehmer und von 1841 bis 1846 Herausgeber des Annaberger Wochenblattes. Er war der Sohn von Karl Reinhard Köselitz, der 1770 als Kaufmann aus dem anhaltischen Zerbst ins Erzgebirge gekommen war. Doch die wohl prominentesten Vertreter der Familie sind die Brüder Heinrich und Rudolf, die ihre Spuren weit über die Stadt und die Region hinaus hinterlassen haben.

Und so stehen sie auch im Mittelpunkt der kleinen Kabinettausstellung, die gegenwärtig im Erzgebirgsmuseum in Annaberg-Buchholz zu sehen ist. Mit leider nur beschränktem Platz, wie Museumsleiter Wolfgang Blaschke bedauert. Zu entdecken gibt es dennoch Einiges: Fotos, Postkarten und Dokumente, aber auch Gemälde, Zeichnungen - unter anderem von Gottfried Rothe - sowie ein Opernmanuskript. Darunter auch ganz neues Material, wie zum Beispiel Briefe, die Heinrich an seinen Bruder Rudolf geschrieben hat. Sie stammen aus einer Schenkung von Hildegard Palampanis an das Museum. Sie ist eine direkte Nachfahrin der Familie Köselitz, deren Anfänge bis ins Mittelalter zurückreichen.


Zudem konnte das Museum nach Angaben von Wolfgang Blaschke einige Erwerbungen machen, was Werke des Malers und Grafikers Rudolf Köselitz betrifft, als Vertreter der Münchener Romantik auch der "vergessene deutsche Romantiker" genannt. 1861 in Annaberg geboren, studierte er an der Leipziger und Münchener Kunstakademie. Eine Zeit lang in Dresden lebend unternahm er zahlreiche Studienreisen - unter anderem nach Venedig. Von 1910 bis zu seinem Tod 1948 lebte er in Altfreimann in Bayern. Viele seiner Skizzen und Zeichnungen tragen humoristischen Charakter - zum Beispiel die mehr oder weniger bekannten "Charakterköpfe" der Stadtgeschichte: der "Laux" vom Schießhaus beispielsweise oder auch de "Kuchen-Lindnern". Ebenfalls in seiner Geburtsstadt Annaberg entstanden ist unter anderem der "Malerblick". Zu sehen ist auch eines seiner berühmtesten Bilder: das "Innere eines Hammerwerks", entstanden 1898. Das Bild hing einst in der Berliner Nationalgalerie unmittelbar neben dem berühmten "Eisenwalzwerk" von Adolf Menzel, erläutert Stadtsprecher Matthias Förster. Die Kunstkritik stellte damals das Werk beider Künstler inhaltlich und handwerklich auf eine Stufe.

Bruder Heinrich Köselitz arbeitete unter seinem Künstlernamen Peter Gast dagegen hauptsächlich als Schriftsteller und Komponist. Eines seiner bekanntesten Werke ist die Komische Oper "Der Löwe von Venedig", die vor sechs Jahren erstmals seit Jahrzehnten wieder im Eduard-von-Winterstein-Theater aufgeführt worden war. Bekannt geworden ist Heinrich Köselitz aber auch als Freund und Mitarbeiter von Friedrich Nietzsche. Da er angeblich der einzige war, der Nietzsches Handschrift entziffern konnte, war er eine Zeit lang auch sein Privatsekretär. Auch der später weltberühmte Philosoph hat sich in seinem Nebenwerk mit Dichtungen und Kompositionen beschäftigt. Er soll über das musikalische Schaffen seines Freundes gesagt haben: "Ihre Musik ist weder trocken noch besoffen." Insgesamt werden Peter Gast einige Opern, mehr als 100 Kunstlieder und auch einige Stücke in erzgebirgischer Mundart zugeschrieben. Bewahrt wird sein kompositorisches Werk im Nietzsche-Archiv in Weimar.

Die Kabinettausstellung zur Familie Köselitz ist bis 9. September im Erzgebirgsmuseum in Annaberg-Buchholz zu sehen.

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