Bagger stoßen in Bad Schlema auf Öl

Dieser Abriss lief alles andere als geschmiert: Unter einer Fabrikbrache haben Bauarbeiter ein Fass mit Altöl entdeckt. Die Entsorgung kommt den Ort teuer zu stehen.

Bad Schlema.

Von der alten Papierhülsenfabrik in Niederschlema sind mittlerweile nur noch Trümmer übrig. Stück für Stück, Stein um Stein haben sich die Bagger in den vergangenen Tagen durch das Gemäuer gefressen. Eigentlich ein Grund zur Freude, schließlich galt die frühere Fabrik am Kohlweg lange Zeit als Schandfleck. Doch die Begeisterung im Rathaus hält sich derzeit in Grenzen. Der Grund: Die Abrissarbeiten liefen alles andere als geschmiert. Bauarbeiter sind im Keller auf Öl gestoßen, genauer auf ein Fass mit rund 3000 Litern Altöl. Bürgermeister Jens Müller (Freie Wähler) ist bedient. "Es ist eine absolute Sauerei", sagt er. Neben dem Tank seien auch noch Ölrückstände auf dem Kellerboden gefunden worden. "Für die ordnungsgemäße Entsorgung fallen jetzt voraussichtlich Mehrkosten in Höhe von rund 50.000 Euro an." Bedeutet: Um die Fabrikbrache plattzumachen, muss die Gemeinde statt der geplanten 110.000Euro nun eine Summe von rund 160.000 Euro berappen.

Als Müller auf der jüngsten Gemeinderats-Sitzung die Hiobsbotschaft überbrachte, reagierten einige Räte überrascht. Einer erklärte: Solche Überraschungen ließen sich vermeiden, wenn man vorher eine Probebohrung durchführt. Rolf Niemann (Linke) fragte wiederum, inwieweit sich der einstige Eigentümer in Haftung nehmen lasse. "Es ist ja eine ganz schöne Summe."

Laut Müller waren im Vorfeld sehr wohl Untersuchungen durchgeführt worden. Dass es einen Keller gibt, sei jedoch nicht bekannt gewesen. "Der wurde erst beim Deckenabriss entdeckt. Das Gebäude war eine Blackbox." Es sei ein extremer Fall, sagte er, für den es keine hundertprozentige Garantie gebe. Glück im Unglück: Das Erdreich sei vermutlich nicht verseucht mit Öl, heißt es.

Dennoch will die Gemeinde nun nach dem Verursacher fahnden. Müller: "Der Tank ist vermutlich aus den wilden 1990er-Jahren." Damals war das Gebäude als eine Art Kfz-Werkstatt genutzt worden. Eine Analyse des Öls spricht laut Bauamts-Mitarbeiterin Elke Raupach für diese Theorie. "Es gehört vermutlich zu einer Autowerkstatt."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...