Barockzirkus: Das hat ein Nachspiel

Elf Vorstellungen der "Barocken Circusträume" schafften es, auch ein Publikum außerhalb der Kultur-Hautevolee zu begeistern. Ein Projekt, das Schule macht?

Annaberg-Buchholz.

Als die Annaberger auch wirklich zur Premiere kamen, als sie applaudierten und begeistert nach Hause gingen, konnten die Organisatoren der Barocken Circusträume aufatmen. Hoch hatten sie gepokert. Das Sonderprojekt des Musikfests Erzgebirge verdoppelte das Veranstaltungsvolumen des Musikfestivals, forderte Unmengen Organisationsaufwand. Ziel war es, den Erzgebirgern eine Handreichung zur barocken Musik zu geben. Und der Plan ging auf. "Als die Leute verstanden hatten, wie lustvoll das Programm ist, war das Eis gebrochen", erzählt Festival-Pressesprecher Martin Morgenstern. Die Besucher hätten ihrer Familie, den Nachbarn, den Bekannten von ihrem Erlebnis erzählt und diese wollten dann ebenfalls einen Blick ins Zelt werfen. Dabei kamen nicht nur Musikliebhaber, die sich von jeher in der Welt der klassischen Musik zuhause fühlen, sondern auch Familien mit mehr Enthusiasmus als Fachwissen. Die Vorstellungen wurden im Schnitt von jeweils 400 Personen besucht, zum Ende hin waren sie beständig ausverkauft, so Morgenstern gestern am letzten Vorstellungstag. Ein Wagnis, das auch hätte schiefgehen können, dessen sind sich die Organisatoren bewusst. Zumal es zwar Fördergeld aus der Landesinitiative "So geht sächsisch" gab, hauptsächlich soll sich der Zirkus aber mit den Eintrittskarten der Zuschauer finanzieren.

Das Projekt war im Rahmen des Musikfestes aus der Taufe gehoben worden. Regisseur Tim Schneider trommelte Artisten zusammen, gemeinsam mit dem Barockorchester "La Folia" unter der Leitung von Robin Peter Müller entstand im Zelt mit nur wenig Probezeit ein vielschichtiges Kunstwerk. Dieses findet nicht nur bei Besuchern Anklang - sondern auch die Künstler sind begeistert. Denn jede Aufführung schweißte Musiker und Artisten noch ein Stück mehr aneinander, veränderte die Dynamik. Brachte "Ohr und Auge zusammen", wie Martin Morgenstern es sich schon vor Projektbeginn wünschte. Nun traten immer wieder Zuschauer an die Organisatoren heran, die das Ende der "Barocken Zirkusträume" bedauerten. Darunter auch Gäste aus dem Ausland. Auf einmal stand die Frage im Raum: Warum aufhören? Aktuell laufen laut Martin Morgenstern Überlegungen, das Projekt weiterzuführen. "Es wäre durchaus möglich, das Projekt wie es ist, in ein festes Haus zu transportieren", sagt er. Oder vielleicht könnte auch das Zirkuszelt mitsamt Artisten und dem Barockorchester "La Folia" an andere Orte reisen?

"Wir haben mit dem Zirkus die Erwartungen sehr hoch gesetzt. Wie wir das lösen, ist jetzt noch nicht absehbar", sagt der Pressesprecher. Auch die Frage, ob es in der nächsten Auflage des Musikfests Erzgebirge neben anspruchsvollen Konzerten mit Barockmusik erneut ein Zusatzprojekt wie in diesem Jahr geben wird, bleibt offen. Für ihre Entscheidung haben die Organisatoren aber auch noch Zeit, das nächste Musikfestival findet nämlich erst im übernächsten Jahr statt. Bis dahin gibt es aber noch einige musikalische Leckerbissen zu erleben. Denn das diesjährige Musikfest Erzgebirge läuft noch bis Sonntag und bietet täglich mindestens ein Konzert. Und wer weiß, vielleicht wagt sich ja der ein oder andere neu gewonnene Fan der barocken Zirkusmusik nun erneut auf eine musikalische Reise ins Land der Träume, denn diese sind das Motto des diesjährigen Festivals.


Noch fünf Tage voller Musik

Das Musikfest Erzgebirge 2018 läuft noch bis Sonntag mit täglichen Konzerten. Das komplette Programm und die dazugehörigen Begleitprogramme finden sich unter www.musikfest-erzgebirge.de

Heute: 20 Uhr beginnt ein Konzert mit dem Titel "Alptraum des Krieges, Visionen des Friedens". Gespielt werden Werke von Schütz, Biber, Tunder und Johann Bach. Es findet in der St.-Nicolai-Kirche Grünhain statt. Der Veranstaltung sollen unter anderem der sächsische Landtagspräsident, der Intendant des Deutschlandradios und mehrere Professoren und Musikwissenschaftler beiwohnen. "Und sie kommen alle nach Grünhain, wie oft kommt das denn vor?", bemerkt Martin Morgenstern. Für den Pressesprecher und Musikwissenschaftler sei dies durchaus ein Grund für die Erzgebirger, stolz auf ihr Festival zu sein.

Karten: Tickets für die Veranstaltungen können unter anderem in den "Freie Presse"-Shops gekauft werden. Entgegen anders lautender Gerüchte, ist das Konzert am Sonntag in Schwarzenberg noch nicht ausverkauft.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...