Berggeschrey am Schreckenberg lockt erneut ins Erzgebirge

Die 54. Erlebnistour des landkreiseigenen Kulturbetriebes und der "Freien Presse" hat alle Erwartungen übertroffen - und stellte die Organisatoren vor so manche Herausforderung.

Annaberg-Buchholz.

Mit etwa 80 bis 100 Wanderfreunden haben Cornelia Lange und ihr Team vom Kultur- und Freizeitzentrum in Lugau gerechnet, als sie die 54. Erlebniswanderung organisiert haben - erneut all Kooperation des landkreiseigenen Kulturbetriebes und der "Freien Presse". Gekommen sind am gestrigen Sonntag mehr als 300, um auf den Spuren des "Berggeschreys auf dem Schreckenberg" zu wandeln. Eine Herausforderung nicht nur für die Mannschaft am Grill, die bis zur großen Rast am Naturschutzzentrum Erzgebirge in Dörfel noch ordentlich Nachschub an Bratwürsten organisieren musste, sondern auch für Wanderführer Clemens Holzweißig.

Der 38-jährige Forstingenieur stammt eigentlich aus Dresden, wohnt aber mittlerweile in Annaberg-Buchholz und absolviert seinen täglichen Arbeitsweg zum Naturschutzzentrum fast immer zu Fuß. Die Arbeit als Wanderführer, beispielsweise für Schulklassen, gehört für ihn also zum Arbeitsalltag. Doch zum ersten Mal eine Wandergruppe von reichlich 300 Kindern, Frauen und Männern sicher durch Wald und Flur zu führen, ist da schon eine andere Hausnummer. Aber: "Er hat seine Sache gut gemacht", wurde ihm bei der Ankunft an der Schreckenberg-Ruine mehrfach bestätigt. Obgleich er, wie er selbst sagt, schon mit einer solchen Dimension an Gästen gerechnet hatte und sich deshalb auch mehrere Wanderführer gewünscht hätte.

Seiner Begeisterung für die kleinen und großen Sehenswürdigkeiten an der rund zehn Kilometer langen Strecke tat dies aber keinen Abbruch. Dabei ging es längst nicht nur um Relikte aus der Bergbauzeit, wie beispielsweise den Zehntausend-Ritter-Stolln - ein einstiges Silberbergwerk - oder einen alten Sprengstoffbunker der Wismut. Laut Clemens Holzweißig der Letzte in der Region, der noch steht und noch nicht abgerissen wurde. Mittlerweile sei der Bunker auch zum technischen Denkmal erklärt worden. Beim Marsch querfeldein erfuhr die Gruppe unter anderem auch, was ein Saufang ist: eine unscheinbar wirkende Steinmauer, an der die Wildschweine einst in die Enge getrieben wurden. Und dass einstige Bergwerksstollen heute mitunter ganz andere Bewohner haben, wie eine etwa 50 mal 50 Meter große Dachsburg unter einer alten Halde beweist. Sogar die Romantik kam nicht zu kurz, denn auch ein "Herz im Himmel" gab es zu entdecken. Darauf habe ihn eine Zweitklässlerin bei einer seiner Führungen aufmerksam gemacht, erzählt Clemens Holzweißig: Eine Stelle mitten im Wald, an der sich die Baumkronen zu einem Herz formen und den Blick in den Himmel gewähren. Schließlich durften alle kurz vor dem Ziel - der von 1854 bis 1856 künstlich errichteten Ruine auf dem Schreckenberg - noch den "vermutlich schönsten Ausblick" genießen: auf die Stadt Annaberg-Buchholz sowie auch weit in die Landschaft bis hin zum Fichtelberg und zum Spitzberg bei Kovarska auf tschechischer Seite.

Aus ganz Sachsen waren Wanderfreunde angereist, sogar aus Kanada und Italien. Ein ganz besonderer Teilnehmer aber kam aus Auerbach: Für den mittlerweile 80-jährigen Günter Häcker war es die 54. Erlebniswanderung, er war also bei allen bisherigen Touren dabei. Und dann war da noch Christoph Weber, ebenfalls aus Auerbach. Er lief nicht einfach nur mit, sondern hatte auch noch eine ganz besondere Überraschung parat. Denn er hatte sein Kornett mit im Gepäck, ein Blechblasinstrument. Und auf dem musizierte er unter anderem zur großen Rast am Naturschutzzentrum und verabschiedete die Wanderer mit dem "Feierabendlied".


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