Bergmännische Krippe neu inszeniert

Zum Bergmannsadvent am Sonntag wird erstmals keine neue Figur in die Bergkirche Sankt Marien getragen. Für große Aufmerksamkeit sorgt die traditionelle Prozession dennoch.

Annaberg-Buchholz.

In der Advents- und Weihnachtszeit läuft die deutlich kleinere Sankt Marienkirche der großen Sankt Annenkirche nicht selten den Rang ab, was den Besucheransturm betrifft. Der Grund dafür: die 35 Figuren der Bergmännischen Krippe. Sie ziehen die Blicke auf sich. Umso mehr in diesem Jahr, wo sie erstmals vor einem ganz neuen Hintergrund neu inszeniert werden.

Kunstmaler Günther Kreher aus Wiesa hat für die Figuren, die er auch allesamt bemalt hat, drei große Hintergrundbilder gestaltet - Szenerien aus dem Annaberg Mitte des 19. Jahrhunderts: So steht die Bäckersfamilie jetzt beispielsweise vor der Kulisse der Sankt Annenkirche. Der Bergschmied hat - zusammen mit dem Schulmeister, dem Pfarrer und einem Kurrendeknaben - seinen Platz vor der historischen Schmiede gefunden. Ratsherr, Marktfrau und die beiden Nachtwächter diskutieren vor dem Marktbrunnen vor historischer Gebäudekulisse. Jesko Lange aus Zschorlau, einer der vier beteiligten Holzbildhauer, ist fasziniert: "Günther Kreher hat das fantastisch hinbekommen. Die Bilder geben der Geschichte richtig Leben, die Figuren wirken viel realistischer." Ähnlich reagieren auch die Besucherinnen und Besucher der Kirche: "Die Figuren sind wunderbar. Der Künstler versteht sein Handwerk." "Die Bergmännische Krippe hat uns Hessen sehr beeindruckt." "Ein Erlebnis der besonderen Art. Diese Figuren leben." Zitate wie diese sind vielfach im Gästebuch zu lesen.

Für Dietmar Lang aus Frohnau - mit Eckhard Tanzhaus aus Annaberg-Buchholz Ideengeber und Initiator des im Jahr 2000 gestarteten Projektes - haben die Figuren jetzt "ihren Platz in der Stadt". Durch die drei Leinwände haben die neu geordneten Figuren "Tiefe bekommen" und "Zusammenhalt". So werden nunmehr auch die Beziehungen deutlich sichtbar, in denen alle Beteiligten zueinander stehen: Die Weihnachtsbotschaft wird aufgenommen und von Mund zu Mund durch die Stadt getragen.

Dass seine Idee einmal eine solche Eigendynamik entwickeln würde, hat er allerdings nicht geahnt: "Anfangs mussten wir viel Kritik aushalten, auch aus der eigenen Zunft. Wir mussten Kompromisse machen, um das Projekt voranzubringen. Da hatten wir kaum Sponsoren", erinnert sich Holzbildhauer Ronny Tschierske aus Frohnau. Unter anderem hat jeder der Holzbildhauer eine Figur gespendet. Mittlerweile habe sich die Situation komplett geändert: "Heute haben wir genug Sponsoren." Allerdings ist nun die Zahl der Figuren für die Bergmännische Krippe auf 35 begrenzt. Auch, weil die Kirche schlichtweg nicht mehr Platz bietet. Und so wird bereits eifrig an einem zweiten Teil des Projektes gearbeitet: In dem sollen noch einmal 32 Figuren entstehen. Ebenfalls als zusammenhängende Gruppen sollen sie auf touristische Punkte, wichtige Persönlichkeiten und öffentliche Einrichtungen hinweisen. Und so auch die ursprüngliche Idee des Krippenweges wieder neu beleben, auf dem Gäste der Stadt diese entdecken können.

Für Jesko Lange eine nicht minder "interessante Geschichte". Er selbst hat seit vielen Jahren schon einen Sponsor für zwei weitere Figuren. Würde die auch zum Krippenweg beisteuern, wenn er dafür "grünes Licht von der Stadtverwaltung" bekomme. Auch Friedhelm Schelter aus Königswalde hat schon seinen ersten Auftrag für den zweiten Teil: eine Krankenschwester. Doch er hat auch den ersten noch im Blick. Denn der ist mit den neuen Hintergründen immer noch nicht ganz vollendet: Im nächsten Jahr sollen dann noch die individuelle Beleuchtung der Figuren installiert und ebenfalls neu gestaltete Sockel montiert werden.

Beim traditionellen Bergmannsadvent morgen aber stehen erst einmal Günther Kreher und seine Bilder im Mittelpunkt, die er noch signieren wird. Die feierliche Zeremonie, zu der wie jedes Jahr ein kleiner Knappschaftsaufmarsch gehört, beginnt 16 Uhr in Sankt Annen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...