Beschlagnahmte Jagdhunde sollen neue Besitzer bekommen

Cora, Enno und Co sind im Mai bei einer Razzia gefunden worden. Nun steht fest, dass Tierheime im Kreis sie vermitteln dürfen. Es geht um mehr als 30 Vierbeiner.

Annaberg-Buchholz.

Verschmust und anhänglich ist sie. Aber nur bei Menschen, die Cora kennt - bei ihren Bezugspersonen. Auf Fremde reagiert die Gebirgsschweißhündin noch unsicher, zum Teil ängstlich. Das teilt sie mit vielen ihrer Artgenossen, die seit Mitte Mai im Tierheim "Neu-Amerika" bei Annaberg-Buchholz versorgt werden. Sie gehörten zu 35 Hunden, die damals bei einer Razzia der Polizei in Lauter-Bernsbach aufgefunden und beschlagnahmt worden waren. Anschließend wurden sie auf Tierheime im Erzgebirgskreis verteilt. Nun dürfen die Tiere, die dort im Auftrag des Veterinäramts der Landkreisverwaltung betreut werden, an neue Besitzer vermittelt werden. Denn sie sind von der Behörde laut Amtstierarzt Dr. Mario Stein aus tierschutzrechtlichen Gründen eingezogen worden.

Das ist das Ergebnis eines entsprechenden Verwaltungsverfahrens. Die Hunde sollen demnach nicht zu ihrem alten Halter zurückkommen, was zunächst in der Schwebe war. Anfangs waren sie vorläufig weggenommen worden. Dass sie nun im Auftrag des Landratsamts veräußert werden dürfen, freut etwa die Helfer im Tierheim "Neu-Amerika". Dort betrifft die Entscheidung 14Gebirgsschweißhunde, die seit Monaten in der Anlage versorgt werden. "Für vier konnten wir schon neue Besitzer finden, für weitere gibt es Interessenten", sagt Leiter Klaus Graupner. Gesucht werden hundeerfahrene Halter, die zudem ruhig und ausgeglichen sind. Die meisten der Tiere seien schreckhaft und zurückhaltend. Es brauche Zeit, ehe sie Vertrauen gewinnen.


Das hat aus seiner Sicht natürlich etwas damit zu tun, was sie erlebt haben müssen. Als sie in dem Gebäude in Lauter-Bernsbach aufgefunden worden sind, hielten sie sich nach Angaben des Landratsamtes in allen Räumen auf. Diese seien vermüllt und mit Kot und Urin drastisch verschmutzt gewesen. Der Gestank war laut Sprecher André Beuthner derart bestialisch, dass die Luftmessungen auf Ammoniak den Messbereich der Messröhrchen überstiegen. Man fand zudem angefressene Müllteile und Futterbehälter. Da die Wiese um das Haus keinerlei Spuren einer Benutzung durch Hunde aufzeigte, sei davon auszugehen, dass sie keinen täglichen Auslauf hatten. "Die Tiere waren ängstlich und nicht leinenführig", heißt es weiter.

Das müssen künftige Besitzer wissen und sich auf die Besonderheiten, die die Hunde mitbringen, einstellen. Auch wenn sich viele von ihnen laut Klaus Graupner in den vergangenen Monaten gut entwickelt haben. Natürlich bringt auch die Rasse spezielle Anforderungen mit sich. "Es sind Jagdhunde. Sie brauchen Bewegung und Beschäftigung", sagt der Tierheimleiter. Schweiß bedeute in der Jagdsprache Blut. "Solche Hunde kommen nach einer entsprechenden Ausbildung zum Beispiel zum Einsatz, um angeschossenes Wild zu suchen." Das ist bei den Vierbeinern im Tierheim natürlich nicht der Fall. Graupner: "Aber sie freuen sich über Training und Aufgaben. Da kann man auch mal spielerisch eine Fährte legen." Ideal wären zudem neue Besitzer, die ein Haus mit Grundstück haben, sodass genug Auslauf gegeben ist.

Die Regularien für die Veräußerung der Tiere hat das Veterinäramt festgelegt. Das betrifft etwa die Verkaufspreise, die für jeden Hund variieren und teils bei mehreren hundert Euro liegen.

Interessenten können sich an das Tierheim "Neu-Amerika" wenden, Ruf 03733 622687. Ebenso an die Tierheime in Bockau und Stollberg, Ruf 03771 554696 und 037296 932678.www.haustiere-web.de

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