Bier mit Tradition: Von der Suche nach dem perfekten Geschmack

Die Brauerei Specht ist ein Teil der Geschichte Ehrenfriedersdorfs. Seit 175 Jahren wird gebraut. 9000 Hektoliter verlassen jährlich den Firmensitz an der Thomas-Mann-Straße. Und immer mehr davon wird aus Fässern gezapft.

Ehrenfriedersdorf.

In Deutschland wird gern Bier getrunken. Auch wenn vor nicht all zu langer Zeit die Nachricht die Runde machte, dass der Bierabsatz gesunken sei, ist es dennoch eines der beliebtesten alkoholischen - oder auch alkoholfreien -Getränke. Allein im ersten Quartal dieses Jahres haben die in Deutschland ansässigen Brauereien und Bierlager rund zwei Milliarden Liter Bier abgesetzt. Was gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum wieder eine Steigerung um 2,4 Prozent bedeutet, so das Statistische Bundesamt in einer Mitteilung am gestrigen Donnerstag. Und: Es gibt immer mehr Brauereien. Jährlich kommen neue hinzu. Bier ist hipp. Aber das wusste man in Ehrenfriedersdorf eigentlich schon immer. Da brauchte es den Craftbier-Hype nicht. 1844, in jenem Jahr wurde die heutige Brauerei Specht gegründet. 175 Jahre ist das her. Jubiläumsjahr.

9000 Hektoliter Bier werden in der Privatbrauerei jährlich produziert. Das entspricht 1,8 Millionen Flaschen Bier. Eigentlich unvorstellbar, dennoch gehört die Privatbrauerei zu den kleinen Brauereien. Zum Vergleich: die Bitburger Braugruppe kam 2018 auf 6,6 Millionen Hektoliter. "Für uns kommt Qualität vor Quantität", sagt Axel Specht. Er und sein Vater Gerd sind die Gesellschafter der gleichnamigen Brauerei. Für das Tagesgeschäft ist der Juniorchef zuständig. Und weil bei der Specht-Brauerei eben der Geschmack entscheidet, hat sich Axel Specht auch Zeit genommen, an den Rezepturen zu feilen.


Da wäre zum Beispiel der Hopfen. Welche Sorte eignet sich am besten, um das gewünschte Ergebnis zu erlangen? "Bier darf nicht zu mild, aber auch nicht zu bitter sein", so der Brauer. Nach und nach seien so alle Sorten - vom Pilsner bis zum Spezialbier - verfeinert worden. Natürlich ohne den bekannten Geschmack allzu sehr zu verändern. Im vergangenen Jahr sei dieser Prozess abgeschlossen worden, erzählt Axel Specht.

Doch das ist nicht das einzige, was sich in der Ehrenfriedersdorfer Brauerei getan hat. Investiert wurde beispielsweise in Malzsilos. Zuvor wurde Malz in Säcken angeliefert. Da waren schon mal acht Mann einen Tag damit beschäftigt, die Säcke einzulagern. Nun gehe das viel schneller. Die drei Silos haben ein Fassungsvermögen von jeweils zehn Tonnen. Kommt eine neue Lieferung, wird das Malz mit Druck direkt in die Silos "gepustet". Auch die Schrotung erfolge automatisch. Eine große Arbeitserleichterung. Unter anderem deshalb kann die Brauerei nun auch etwas mehr Bier herstellen. "Fünf bis zehn Prozent konnten wir zulegen", sagt Axel Specht. Damit liege die Auslastung im Schnitt bei etwa 90 Prozent. Etwas Luft nach oben bleibt also. Doch wie gesagt, die Masse allein bestimmt den Alltag in der Specht-Brauerei nicht. "Das Bier soll Ruhe haben, zu reifen." Lagerkapazitäten sind zwar vorhanden, aber auch begrenzt.

Investiert wird dennoch, zum Beispiel in einen neuen Lkw für Lieferungen. Mehr als 30 Gaststätten gehören zu den Kunden. Aber da sich die Branche wandelt, zum Beispiel viele Einrichtungen schließen mussten, gehört auch immer wieder Kundenakquise zum Alltagsgeschäft. Nicht allein im Erzgebirge wird Specht-Bier genossen. Geliefert wird bis nach Dresden, Zwickau, Freiberg und Döbeln. Der Kreis wird größer.

Und der Brauerei-Chef hat auch einen neuen Trend ausgemacht. Statt Bier in Kisten zu kaufen, werden Fässer vor allem für Privatfeiern immer beliebter. Von 15 bis 50 Liter gibt es das Fassbier samt Zapfanlage und Kühler. Eine Entwicklung, die der Chef gut findet. "Fass ist Kult", so Specht. Und vielleicht löst das ja auch gleich ein Problem, das viele kleine Brauereien teilen: Die Not mit den Fremdflaschen. Deren Anteil liege im Schnitt bei 20 Prozent. Das heißt, pro Specht-Kiste mit 20 Flaschen sind durchschnittlich 4 Flaschen nicht aus Ehrenfriedersdorf. Bei Großhändlern liege der Anteil sogar bei 40 Prozent. Das heißt, die Specht-Mitarbeiter müssen nachsortieren. Dafür stehen auf dem Hof Bierkästen von unterschiedlichsten Biermarken bereit. Zudem findet auch nicht mehr jeder Kasten zurück zu seinem Ursprung. Mehrere Hundert seien es pro Jahr.

Doch von diesen Problemen eines Brauereibesitzers lässt sich Axel Specht die gute Laune nicht verderben. Immerhin ist Frühling, eine Zeit, in der naturgemäß der Bierkonsum steigt. Eine der aufstrebenden Biersorten der Spechts sei im Übrigen das "Spezial". Es ist ähnlich einem Pilsner, allerdings mit mehr Stammwürze und einem besonders feinem Hopfen. "Davon muss ich immer mehr brauen", sagt Axel Specht. Na dann, Prost!

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