Blutspende: Die Uhren im Altkreis Annaberg ticken anders

Der Sommer ist die Zeit im Jahr, in dem wegen Urlaubs bundesweit vergleichsweise wenig Spenden geleistet werden. Die hiesige Region bildet hierbei allerdings eine Ausnahme.

Ehrenfriedersdorf.

Vivien Butzes Blick verrät eine gewisse Erwartungshaltung. Auch wenn die Gelenauerin ziemlich tough wirkt, gänzlich entspannt scheint sie an diesem Nachmittag nicht zu sein. Das hat einen Grund. Sie steht kurz vor ihrer ersten Blutspende. "Als meine Mutter sagte, dass sie zu einer Spendenaktion nach Ehrenfriedersdorf fährt, habe ich spontan entschieden, mitzugehen. Vor meinem 18. Geburtstag durfte ich ja noch nicht", sagt Vivien Butze. Und das macht sie nicht aus einer Laune heraus. "Ich will mit meinem Blut anderen Menschen helfen. Das ist schon meine Inten- tion", erklärt die 18-Jährige.

Sie ist damit eine der sogenannten Erstspender. Deren Anteil an den Gesamtspendern bewegt sich im Altkreis Annaberg im Schnitt bei vier bis fünf Prozent im Jahr, sagt Christian Wendler vom DRK-Blutspendedienst Nord-Ost. Die meisten dieser Erstspender hätten einen familiären Hintergrund, würden also von Mutter oder Vater "mitgebracht".


Insofern kommt Vivien Butze nicht ganz unvorbereitet. Ihre Mutti Kerstin hat ihr natürlich verraten, was sie so alles erwartet. Deshalb sagt die 18-Jährige auch unerschrocken: "Angst habe ich keine." Allerdings hat sie gleich "der ganze Papierkram bei der Anmeldung geschockt", wie sie sagt. Das habe gefühlt fast zehn Minuten gedauert, ehe alles erledigt war.

Ohne geht es aber nicht. Ebenso wenig ohne die anschließende Hämoglobin-Bestimmung sowie die ärztliche Untersuchung, auch wenn sie kein Garant dafür ist, dass das Blut anschließend für eine Transfusion freigegeben werden kann. Das entscheidet sich nach den Laboruntersuchungen im Dresdner Institut des Blutspendedienstes, in das sämtliche Blutbeutel gebracht werden. Gibt es dort auffällige Befunde, werden die betreffenden Spender entsprechend informiert, erläutert Wendler. Ihr Blut gehe dann zum Beispiel an Unis, in denen Studenten damit arbeiten können.

Pro Jahr werden für den Altkreis Annaberg etwa 6000 Blutabnahmen registriert. Damit gilt er für den Blutspendedienst als eine sehr konstante Größe. Bezogen auf die Einwohnerzahl sei dabei Crottendorf die Kommune mit den meisten Spenden, sagt Wendler, der den Altkreis inzwischen seit etwa 20 Jahren betreut. 6000 Blutabnahmen bedeuten 3000 Liter Lebenssaft, der hauptsächlich an die sächsischen Kliniken gehe. Darunter sind nun auch 500 Milliliter von Vivien Butze. Bis ihr Blutbeutel gefüllt war, hat es rund 20 Minuten gedauert. Andere Spender hatten es in der Hälfte der Zeit geschafft. "Keine Ahnung, warum das so lange gedauert hat. Am Trinken im Vorhinein kann es jedenfalls nicht gelegen haben", sagt die Gelenauerin, die sich das Legen der Kanüle unangenehm vorgestellt hatte. Tatsächlich aber empfand sie deren Entfernung nicht so prickelnd. Und dann kam auch schon der Blackout. Als die 18-Jährige nach ihrer Spende von der Liege aufstehen wollte, kippte sie weg. "So etwas passiert immer mal wieder", erklärt Robby Schubert, Vorsitzender des DRK-Ortsverbandes Thum, der pro Jahr 13 Spendenaktionen betreut und das alles ehrenamtlich. Vivien Butze wurde noch einmal hingelegt und bekam zu Trinken, bis sich ihr Kreislauf wieder stabilisiert hatte.

Als die 18-Jährige im Anschluss an ihre Spende einen Imbiss genießt, ist alles wieder in Ordnung. Angesichts der Vielfalt an frischem Obst, belegten Brötchen und anderem weiß Vivien Butze auf Anhieb nicht, wo sie zuerst zugreifen soll. Dass es dieses Angebot gibt, dafür sorgen an diesem Tag Christine Heyn, Sylvia Wirlitzsch und Elke Hausdörfer vom DRK-Ortsverband. "Wir machen das gerne", betont Christine Heyn. Gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen schmiert sie quasi im Akkord Semmeln und belegt diese mit Wurst, Käse oder Fisch. Dazu werden Kaffee, Säfte sowie Wasser gereicht. Die große Anzahl an Spendern will versorgt sein.

Dass das zu dieser Zeit so ist, sei im Prinzip ein Phänomen des Altkreises Annaberg. "Normalerweise erlebe der Blutspendedienst in der Haupturlaubszeit immer einen Einbruch. In der Region ist das jedoch anders", weiß Wendler. Seine Begründung: Die Stammblutspender in der Region sind zwischen 45 und etwa 67 Jahre alt. Und die hätten in der Regel keine schulpflichtigen Kinder mehr, fahren dementsprechend im Hochsommer kaum in den Urlaub, sondern meist in der Vorsaison. Deshalb stelle im Altkreis eher dieser Zeitraum ein Problem dar, so Wendler. Um das auszugleichen, braucht es eben Erstspender wie Vivien Butze.

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