"Böhmerlangi" rückt böhmische Landschaften in den Mittelpunkt

Wie Deutsche in Böhmen ihre Heimat früher gesehen haben, zeigt die neue Sonderausstellung in der Kurparkhalle in Thermalbad Wiesenbad. Zusammengestellt hat sie ein Chemnitzer.

Thermalbad Wiesenbad.

Den Chemnitzer Thomas Lang kennen viele als Musiker der Horst-Adler-Kapelle. Seine zweite Leidenschaft stellt einen Ruhepol zur lauten Rockmusik dar. Er ist Heimatforscher. Sein Vater Karl Lang wurde 1928 im böhmischen Brandau (Brandov) geboren. Obwohl er nie viel über seine Jugendjahre erzählt hatte, interessierte sich sein Sohn für die alte Heimat. Er begann, sich mit ihr auseinanderzusetzen, bekam die ersten historischen Post- und Wanderkarten in die Hand und startete eine Sammlung. Mittlerweile hat er Tausende Postkarten und Fotos zusammengetragen. Außerdem nennt Thomas Lang etwa 100 Wanderkarten und 400 Bücher sein Eigen. Sein Wissen hat er in vielen Vorträgen über Böhmen weitergegeben. Auch deshalb nennt man ihn auch den "Böhmerlangi". Um an die ganz besonderen Schätze zu kommen, durchstöbert er regelmäßig Online-Antiquariate.

Wonach er damals vor etwa drei Jahren auf der Suche war, weiß Thomas Lang heute nicht mehr. Aber er stieß ganz unverhofft auf Mappen aus den Jahren 1910 bis 1912, die mit "Deutschböhmen im Bilde" überschrieben waren. Darin enthalten waren 80 Reproduktionen von Kunstwerken Deutscher Künstler, die in Böhmen lebten. "Ich wollte sie unbedingt retten, weil ich sie wunderschön fand", sagt er. Er zahlte den Preis und kurz darauf lagen sie bei ihm zu Hause im Schrank. So richtig befriedigend war das für ihn aber nicht. "Ich wollte sie der Öffentlichkeit zugänglich machen", so der "Böhmerlangi". Dass die Bilder nun in Thermalbad Wiesenbad zu sehen sind, ist einer Schau in Thum zu verdanken. Diese sah eine Mitarbeiterin der Kurklinik in Thermalbad Wiesenbad und fragte Thomas Lang, ob er nicht etwas Vergleichbares für die Kurparkhalle organisieren könnte. "So bekam ich die Chance, diese Arbeiten zu zeigen", so der 56-Jährige. Seit Samstag hängen sie in Thermalbad Wiesenbad an den Wänden.

Abgebildet sind Landschaften, Stadtansichten, Menschen bei der Arbeit, auf Skiern im tiefen Schnee, Zeugen des Bergbaus, Schlösser, Burgen, Kirchen und vieles andere mehr. Die Künstler sind bis auf Gustav Dorrell aus Aussig (Ústí nad Labem) weitgehend unbekannt. Unter den Bildern stehen Namen wie Walter Klemm, Karl Kostial, Alois Ameseder, Urban Janke, Walter Ditz und Alois Wierer. "Auch, wenn sich einige der von ihnen mit verschiedensten grafischen Techniken festgehaltenen Ansichten bis heute mitunter sehr verändert haben, beweisen sie, wie schön diese Region ist", so Thomas Lang. Kathrin Oertel, Leiterin der Patientenbetreuung, findet das auch. "Die Bilder sind wunderschön und für uns eine Bereicherung. Sie machen aus der Kurparkhalle eine Schatzkammer", sagte sie am Rande der Vernissage.

Zu sehen ist die Schau bis Ende März während der Öffnungszeiten des Hauses täglich von 10 bis 18 Uhr. Am 7. März wird Thomas Lang in der Kurparkhalle einen Vortrag passend zur Ausstellung halten. Beginn ist um 19.30 Uhr. Am 16. und 17. Februar ist im Thumer Volkshaus der zweite Teil der Schau "Das ehemals deutsch besiedelte böhmische Erzgebirge in historischen Bildern" zu sehen.

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1Kommentare
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  • 0
    0
    langi001
    21.01.2019

    Danke für den schönen Artikel. Es grüßt herzlich der Böhmerlangi



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