Böhmische Luft: Betroffene geben Forschern Tipps

Bei der Präsentation der Gesundheitsstudie in Olbernhau stellten Einwohner das Vorgehen der Wissenschaftler infrage.

Olbernhau.

Am Ende fühlten sich alle missverstanden: Die Forscher der TU Dresden von den Bürgern, und mehr noch: die Bürger von den Forschern. Denn das Fazit der neuen Studie, die am Dienstagabend im Olbernhauer Rathaus vorgestellt wurde, lautet: Die gesundheitlichen Folgen der Böhmischen Luft im Erzgebirge und im Vogtland sind gering.

Einer der drei Teilstudien schrieben selbst die Forscher - Anja Zscheppang und Martin Otto - nur wenig Aussagekraft zu. Im Fokus standen dabei Kinder, die zwischen Juli und Oktober wegen Atemwegssymptomen in einer Dresdner Klinik behandelt wurden. Neben ärztlichen Befunden nutzten die Wissenschaftler Fragebögen, um die Lebensumstände von 58 Mädchen und Jungen zu erfassen. Doch nur drei der Kinder kamen aus Gebieten, die vom Böhmischen Nebel betroffen sind. Hinzu kommt: In der Zeit von Juli bis Oktober treten in der Regel keine Geruchsereignisse im Erzgebirge auf. Otto zufolge hatten die Forscher angenommen, dass sich mehr Patienten aus dem Erzgebirge in Dresden untersuchen lassen würden. Sollte das Sozialministerium eine Fortsetzung in Auftrag geben, wollen die Forscher mehr Ärzte und Kliniken in die Fragebogenstudie einbeziehen.

Was die anderen beiden Teilstudien betrifft, so wurde folgende These geprüft: Häufen sich Beschwerden über Gerüche, steigt eventuell die Anzahl der Diagnosen über Beschwerden des Kreislaufs, der Atmung oder der Verdauung - also über die Symptome, die Betroffene mit der Böhmischen Luft in Verbindung bringen. Die Forscher sichteten dazu Geruchsmeldungen und Statistiken von Krankenhäusern sowie Krankenkassen, um zu dem Schluss zu kommen: Es besteht ein "sehr schwacher Zusammenhang" zwischen Beschwerden und Diagnosen. Hartmut Tanneberger, Sprecher der Bürgerinitiative "Für saubere Luft im Erzgebirge" wies darauf hin, dass viele Leute gar nicht zum Arzt gehen, wenn sie Luftprobleme haben und deshalb auch nicht in den Statistiken auftauchen können.

Einige Bürger, darunter Magda Preißler von der Facebook-Gruppe der BI, schlugen vor, Fehlzeiten in Schulen, Betrieben oder Kitas zu erfassen. Zudem sollten die Fragebögen nicht in Dresden, sondern bei Ärzten in der Region ausliegen. Gabriele Lorenz, Hauptamtsleiterin der Stadt Olbernhau, erinnerte daran, dass es Erhebungen in Kitas bereits vor Jahren gab - ohne Ergebnis.

Ein anderer Bürger wendete ein: Zuerst einmal müsste doch analysiert werden, aus welchen Stoffen sich die Böhmische Luft überhaupt zusammensetzt. Anja Zscheppang sagte, genau dies sei ein Ziel der "größeren" Gesundheitsstudie Odcom, die schon begonnen hat und über drei Jahre angelegt ist.

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