Braucht Oberwiesenthal eine Grundschule?

Nicht nur die Diskussion zu Bildungsmöglichkeiten im Kurort wurde am Freitagabend ergebnisoffen geführt - auch die Zukunft ist ungewiss. Trotzdem bleibt ein positiver Eindruck, denn die Einwohner kommen miteinander ins Gespräch.

Oberwiesenthal.

Zweieinhalb Jahre ist es her, da scheiterte der Versuch in Oberwiesenthal, eine Grundschule in privater Trägerschaft zu installieren. Ein bis zwei Anmeldungen fehlten damals. Vorausgegangen war ein heftiger Streit zwischen Befürwortern und Gegnern dieser Pläne. Entzündet hatte sich dieser vor allem an einem scheinbaren Alleingang der Befürworter und am Gedanken, die Hortaufgabe in die Hände des freien Trägers zu geben. Das hätte zur Folge gehabt, den Johannitern diese Aufgabe zu entziehen.

Da sich in den mehr als zwei Jahren die Wogen glätten konnten, hatte die neue Oberwiesenthaler Stadtratsfraktion Bürgerbündnis Wiesenthal Einz zu einer Gesprächsrunde eingeladen. Zwar war in der Einladung lediglich von Bildungsmöglichkeiten die Rede, doch allen war klar, dass es um den sogenannten Lückenschluss ging und damit um die Frage: Braucht Oberwiesenthal tatsächlich eine Grundschule oder braucht die höchstgelegene Stadt Deutschlands diese nicht?

Ergebnisoffen wollte man am Freitagabend im Gemeindesaal diskutieren. Alte Grabenkämpfe, wie es Moderatorin Natascha Heinrich mehrfach betonte, nicht wieder aufnehmen. Doch die nochmalige Analyse der damaligen Situation blieb nicht aus. Bei Enrico Penk, dem Vorsitzenden des Fördervereins, der mit dem Ziel der Grundschulneueröffnung gegründet wurde, schlug die Enttäuschung heftig durch: "Wir hatten alles: Einen Trägerverein, ein Gebäude, aber keine Kinder."

Innerhalb weniger Minuten war man bereits in einer Diskussion. Der ursprüngliche Gedanke, zunächst einen Fahrplan für den Abend zu schreiben, blieb auf der Strecke. Annett Kraus und Gabi Escher von der Kindertagesstätte "Regenbogen" brachten ihr Bedauern zum Ausdruck, dass kein Vertreter der Grundschule Bärenstein eingeladen worden war. Genau dort werden aktuell die Oberwiesenthaler Grundschüler unterrichtet, und mehrfach war an diesem Abend zu vernehmen, dass dies zur vollen Zufriedenheit der meisten Eltern geschieht.

Um nicht nur im eigenen Saft zu schmoren, hatte sich Einz zwei Externe eingeladen. Jens Berger vom Chemnitzer Schulmodell und Sören Swistek, pädagogischer Quereinsteiger an einer kleinen Schule in Sachsen-Anhalt, sollten neue Sichtweisen einbringen. Swistek schwärmte in schillernden Farben vom Lernen und Arbeiten an seiner dörflich geprägten Einrichtung. Er erzählte von Menschen, die im Ehrenamt den Sportplatz herrichten, und von einem besonderen Zusammenhalt, den es in jener Grundschule gibt. Zum Teil dürften seine Ausführungen wie ein Traum und weniger wie die Schilderung des Schulalltags angemutet haben, denn flüsternd raunten sich das einige Anwesende zu. Jens Berger gehört zu denen, die die aktuellen Entwicklungen in Sachsens Bildungspolitik sehr positiv sehen. Berger hält es nicht einmal für ausgeschlossen, eine staatliche Grundschule wieder nach Oberwiesenthal zu bekommen. Vieles sei offen, vieles sei neu und keiner der Anwesenden, formulierte er spitzfindig, wisse, was alles möglich wäre. Die Bildungspolitik sei in Sachsen mittlerweile auf einem guten Weg. Fehler vergangener Jahre versuche man zu korrigieren.

Zum Schluss gab es allerdings wenig Greifbares. Ute Ebell, die Leiterin der Eliteschule des Wintersports, hatte derweil konkrete Antworten, als die Frage nach tschechischen Schülern aufkam. Sie machte deutlich, dass Schüler, die in Tschechien leben, für den Klassenteiler beispielsweise nicht zählen. Für Kinder aus tschechischen Familien, die ihren Wohnsitz in Oberwiesenthal haben, hingegen gilt die deutsche Schulpflicht. Sie werden auch beim Klassenteiler anerkannt. Die Staatsbürgerschaft spiele dabei keine Rolle.

Die meisten Gäste dürften am Freitag den Gemeindesaal mit einem sehr positiven Gefühl verlassen haben. Denn es trafen sich dort Menschen, denen ihr Ort am Herzen liegt und die bereit sind, egal wie die Geschichte bisher geschrieben wurde, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch wenn nicht nur die Diskussion ergebnisoffen geführt wurde, sondern auch der Ausgang ergebnisoffen blieb.

2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    0
    CFreitag
    01.12.2019

    Diskussion über die Zukunft von Kindern - bei Alkohol? Das sagt doch schon alles...

  • 9
    1
    cn3boj00
    18.11.2019

    Ich verstehe die Überschrift gar nicht. Wieso sollte eine Stadt, egal wie klein, keine Grundschule brauchen, wenn es auch nur ein paar Kinder gibt? Diese Diskussion in Deutschland ist unsäglich. Andere Länder leisten sich Schulen auf Inseln für 5 Kinder. Deutschland ist bildungspolitisches Entwicklungsland geworden. Aber wenn die Eltern in der mobilen Gesellschaft glücklich damit sind, dass es keine fußläufigen Schulen für die Jüngsten mehr gibt dann ist eine Diskussion überflüssig.



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