Bürgermeister favorisiert kleine Lösungen

Der geplante Bau eines Feuerwehrdepots in Thum schlägt Wellen, weil dafür viele Garagen weg müssen. In einer Einwohnerversammlung wurden die Positionen dargelegt - doch mehr auch nicht.

Thum.

Erst mit Verspätung konnte am Mittwoch die Einwohnerversammlung im Volkshaus beginnen, weil auch 19 Uhr noch immer Menschen in den Saal strömten. Das Interesse am zentralen Thema - dem geplanten Neubau eines gemeinsamen Depots für die drei Ortsteilwehren - war immens, am Ende saßen mehr als 200 Leute auf den Stühlen. Doch eine große Gruppe von ihnen verließ das Volkshaus teils vorzeitig und ernüchtert. Wieso?

Am Austausch von Informationen und Meinungen mangelte es nicht. Feuerwehrvertreter schilderten die Unfälle begünstigenden Bedingungen in den alten Depots, die letztendlich das rechtzeitige Ausrücken bedrohten. "Wir hatten solche Fälle schon", sagte Stadtwehrleiter Thomas Hofmann. Auch Christoph Stahl, Leiter des Referats Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt, betonte die Sinnhaftigkeit eines Zentraldepots. Bei drei kleinen Wehren sei perspektivisch die Einsatzbereitschaft gefährdet, weil viele Leute auswärts arbeiteten. Stadtvertreter erläuterten die Kriterien für die Suche nach dem Platz für das Depot, dessen Bau 2022 starten könnte. Den Garagenhof in der Herolder Straße bezeichnete Bürgermeister Michael Brändel (Bürgerliste) als den "einzig möglichen Standort". Bei allen anderen, so ging aus den Erklärungen hervor, stimmen Lage, Größe oder Besitzverhältnisse nicht oder Rettungsfristen können nicht erfüllt werden. Auch viele Pächter der 99 Garagen, die abgerissen werden müssten, kamen zu Wort. "Wir sind der Meinung, dass das nicht der passende Standort ist", erklärte etwa Wilfried Pietsch und stellte die Zufahrt und die Eignung des Baugrunds infrage. "Das Gutachten ist noch nicht da", entgegnete Brändel. Ein anderer Pächter schilderte die Schwierigkeiten, in Thum Ersatzgaragen zu finden. Nur: Die grundlegenden Positionen waren bereits vor der Einwohnerversammlung bekannt. Einen konkreten Lösungsansatz für die Garagenpächter lieferte der Bürgermeister nicht. "Wir haben keine Gesamtlösung. Jeder hat die Verpflichtung, für sich selber Gedanken zu machen." Brändel bot gleichwohl individuelle Gespräche an - viele Anwesende hatten sich aber offenkundig mehr erhofft. Das brachte ein Redner auf den Punkt, der besonders viel Beifall erhielt: "Es wäre bürgernah, wenn die Stadt sich Gedanken macht, was man denen anbieten könnte, die ihre Garage verlieren." Es gehe um 40, 50 Flächen, manche würden ihre Garage vielleicht gar nicht mehr brauchen. Und er fände die Aussage schön, dass die Leute nicht noch die Kosten für den Abriss tragen müssten. Michael Brändels Antwort: "Ich nehme das als Hausaufgabe mit."


Kommentar: Chance vertan

Warum Bürgermeister Michael Brändel für die absehbar verärgerten Garagenpächter praktisch nichts im Gepäck hatte, bleibt sein Geheimnis. Sicher, dazu verpflichtet ist die Stadt nicht und es bleibt noch genügend Zeit. Doch hatten bereits mehrere Stadträte im September angeregt, einen Ausgleich zu schaffen. Und mit den verworfenen Depotstandorten wären theoretisch Flächen vorhanden. Zumindest das zu prüfen, hätte Brändel in Aussicht stellen können. Solche Hausaufgaben sollte man vor einer Bürgerversammlung erledigen, nicht danach.

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